07:52 19 November 2018
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    Gasexportstation Jamal LNG im Hafen Sabetta

    „Kathedrale des 21. Jahrhunderts“: Europäer schwärmen für neues russisches Gasprojekt

    © AFP 2018 / Maxim Zmeyew
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    Russlands zweitgrößter Gaskonzern Nowatek hat den Flüssiggasexport von der Halbinsel Jamal gestartet. Die Zeitung „Die Presse“ würdigt das Projekt und erklärt, was das für den Welt-Gasmarkt bedeutet.

    In der vergangenen Woche nahm das vom privaten russischen Gaskonzern Nowatek geleitete Flüssiggasprojekt „Jamal LNG“ die erste seiner drei Produktionslinien auf der Halbinsel Jamal in Betrieb, die 2500 Kilometer nordöstlich von Moskau liegt. Am Freitag wurde der erste Eisbrecher mit Flüssiggas (LNG) beladen. Allein mit der ersten Linie werden 5,5 Millionen Tonnen Flüssiggas pro Jahr auf den Weltmarkt geworfen. Es wird über die schwierige Nordostpassage nach Asien verschifft.

    „Das Ereignis ist eines der Superlative in der Geschichte der globalen Gasförderung“, schreibt der Autor des Artikels, Eduard Steiner. „Und es nimmt sich gleich in mehrerlei Hinsicht historisch aus.“ So sei Nowatek, heißt es im Artikel weiter, das erste Unternehmen der Welt, das ein LNG-Terminal nördlich des Polarkreises errichtet habe, wo die Temperaturen im Winter unter minus 50 Grad fallen könnten. Dieses Projekt vergleicht der Autor mit dem der USA auf Alaska, das allerdings bis heute nicht umgesetzt worden sei.

    „Historisches Projekt“ mit Chinesen im Fokus

    Konzernchef Leonid Michelson habe früh begriffen, dass er neben den Europäern auf China setzen müsse. So hält der Energiekonzern CNPC 20 Prozent der Anteile, der Fonds Silk Road, der auch einen Teil der Finanzierung mitbrachte, 9,9 Prozent. Der Rest gehört dem französischen Energiekonzern Total, mit dem Nowatek seit Langem kooperiert.

    Aktuell arbeitet der Gaskonzern Nowatek an einem zweiten LNG-Projekt namens „Arctic LNG – 2“, das Michelson zufolge am Ende 18 Millionen Tonnen LNG auf den Markt bringen und sukzessive ab 2023 starten sollte. Das sei sogar mehr Gas, als die in der Vorwoche gestartete Anlage „Jamal LNG“ liefere.

    Ab 2019 werden von „Jamal LNG“ bei Vollbetrieb aller drei Linien insgesamt 16,5 Millionen Tonnen LNG auf den Weltmarkt geliefert. Eine vierte Linie ist, wie der russische Präsident Wladimir Putin sagte, ebenfalls geplant und soll wegen Sanktionen mit ausschließlich einheimischer Technologie errichtet werden.

    Wenn Nowatek in sieben Jahren alle seine Projekte in Betrieb nehme, käme Russland zusammen mit Gazproms Sachalin-Anlage auf ein Volumen von 45 Millionen Tonnen Flüssiggas im Jahr. Das wäre zwar weit vom globalen Marktführer Qatar entfernt, Russland würde damit jedoch zum ernstzunehmenden Akteur auf dem Weltmarkt, schreibt „Die Presse“.

    „Kathedrale des 21. Jahrhunderts“ 

    Mit seinem Jamal-LNG zielt Nowatek vorerst nicht auf den europäischen Markt. Dort wird Gazprom Russlands Hauptlieferant bleiben. Nowatek zielt vor allem auf den ostasiatischen Markt. „Ostasien braucht Gas ohne Ende“, betont „Die Presse“.

    Und das, was auf Jamal geschaffen wurde, gehe auch so in die Geschichte ein, wie Total-Chef Patrick Pouyanné am Freitag erklärte. Dem Konzern sei es gelungen, „aus dem Nichts eine Kathedrale des 21. Jahrhunderts zu bauen“.

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    Anlage, Flüssiggas, Betrieb, Projekt, Eisbrecher, Temperatur, Markt, Gasförderung, Geschichte, Gaslieferung, Nowatek, Gazprom, Alaska, Jamal, Russland, China