01:35 20 Oktober 2018
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    Saudischer Ölminister Khalid Al-Falih (r.) und russischer Energieminister Alexander Novak am Flüssiggaswerk Jamal LNG

    Was führt einen Saudi-Prinzen in die russische Arktis?

    © REUTERS / Oksana Kobzeva
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    Wenn an der russischen Eismeerküste ein neues Flüssiggaswerk eröffnet wird, dann muss eigentlich kein Prinz vom Persischen Golf in die Tundra reisen und an der Zeremonie teilnehmen. Es sei denn …

    Es sei denn, der Prinz ist der Erdöl-Minister von Saudi-Arabien und sich darüber im Klaren, dass das neue Flüssiggaswerk im Norden Sibiriens ein Meilenstein für die Zukunft der russischen Öl- und Gasförderung ist. Am vergangenen Freitag nahm der saudische Ölminister Khalid Al-Falih an der Eröffnungsfeier auf der Jamal-Halbinsel teil, wie die Zeitschrift „Expert“ berichtet.

    Dort, in Russlands hohem Norden, spielt die Zukunftsmusik der russischen Öl- und Gaswirtschaft. Das neue Flüssiggaswerk des russischen Energiekonzerns Nowatek verarbeitet nicht nur Gas, wie die Zeitschrift schreibt, sondern auch Gaskondensat – eine sehr leichte Ölfraktion zur Gewinnung von Treibstoffen.

    Mit dem steigenden Ölpreis nimmt auch die Förderung auf nördlichen Öl- und Gasfeldern zu. Schon heute werden in der Arktis laut dem Blatt 400.000 Barrel Erdöl gefördert – allein mit dieser Menge kann Deutschlands täglicher Ölbedarf zu rund einem Sechstel gedeckt werden.

    An der Eismeerküste unterhält Russland derzeit drei Ölterminals, die im vergangenen November einen Umschlagsrekord verzeichnet haben: 385.000 Barrel. Von den drei Terminals aus gelangt das Rohöl mit Tankern in den Hafen von Murmansk und von dort aus mit größeren Schiffen nach Europa.

    Vor eineinhalb Wochen haben Russland und die OPEC+ ihre Vereinbarung verlängert, wonach die Ölförderung bis Ende nächsten Jahres gedrosselt bleiben soll. Russland hält sich daran laut dem Blatt ebenso wie Saudi-Arabien: Russland hat die Förderung demnach sogar um mehr als die vereinbarten 300.000 Barrel pro Tag verringert.

    Die steigende Förderung im Norden erschwert natürlich die Umsetzung der Vereinbarung, wie das Blatt schreibt: Umso stärker muss die Arbeit auf anderen Ölfeldern zurückgefahren werden.

    Doch wo soll das passieren? Die neuen Lagerstätten zählen zu den profitabelsten der russischen Energiekonzerne, viele werden steuerlich subventioniert. Ist die Förderung einmal zurückgefahren, wird sie laut dem Blatt so schnell nicht wieder hochgefahren werden können. Deshalb würden russische Öl- und Gasfirmen schon heute daran arbeiten, aus der Vereinbarung mit der OPEC auszusteigen, wenn diese gegen Ende nächsten Jahres ausläuft.

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