02:18 24 Oktober 2018
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    Noch immer über 12 Milliarden D-Mark im Umlauf: Wo ist das Geld?

    CC BY-SA 2.0 / Elio Capelati Junior / 1 DEUTSCHE MARK
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    Fast 16 Jahre sind seit der Einführung des Euro vergangenen. Trotzdem tauschen Bürger bei der Bundesbank jährlich zig-Millionen D-Mark in Euro um. Oft handelt es sich um Zufallsfunde. Ein Großteil des Geldes gilt als verloren.

    Wer überlegt, was er mit alten D-Mark-Scheinen und —Münzen machen soll, kann sich Zeit lassen. Die Bundesbank nimmt das Geld zeitlich unbefristet zurück und tauscht es im Verhältnis von 1,95583:1 in Euro um. „Es gab und gibt also keine Eile, die D-Mark umzutauschen“, sagt Stefan Hardt. Er ist Zentralbereichsleiter Bargeld bei der Bundesbank. Das sei unter anderem auch ein Grund dafür, warum weltweit noch mehr als 12,6 Milliarden D-Mark im Umlauf sind.

    Insgesamt flossen im Jahr 2016 ca. 90 Millionen D-Mark zur Bundesbank zurück, davon rund 60 Millionen in Scheinen und etwa 30 Millionen in Münzen. Häufig handelt es sich um zufällige Funde. Hardt berichtet von spektakulären Fällen, in denen das Geld den Findern buchstäblich in die Hände fiel:

    „Beispielsweise wurden 140.000 DM beim Reparieren des Abflusses einer Badewanne gefunden. Da hatte jemand ein sicheres Versteck, das selbst von Einbrechern nicht gefunden werden konnte. Das Geld wurde zufällig beim Renovieren des Bades entdeckt.“

    In einem anderen Fall hatte jemand einen mittleren fünfstelligen Betrag an D-Mark-Scheinen in einer Flasche aufbewahrt und vergraben. Diese Flasche kam ans Tageslicht, als ein Fundament für eine Garage gelegt wurde. Solche Zufallsfunde gibt es laut Hardt immer wieder.

    Verhältnis Scheine zu Münzen ist derzeit etwa 50:50

    Interessanterweise handelt es sich laut Bundesbank bei mehr als der Hälfte der verlorenen D-Mark um Münzen. Dafür gibt es laut Hardt mehrere Gründe: Zum einen behalten viele Menschen D-Mark–Münzen als Erinnerungsstücke. Auch Sonderprägungen zählen dazu. „10-D-Mark und 5-D-Mark-Münzen machen etwa die Hälfte des ausstehenden Münzumlaufs aus“, erklärt der Experte. Anders sieht es bei den Pfennigen aus. „Wir gehen davon aus, dass die fehlenden Münzen zum Großteil unwiederbringlich verloren sind“, sagt Hardt. Dieser achtlose Umgang mit kleineren Münzen sei nicht ungewöhnlich.

    Auch im Ausland werden größere D-Mark-Beträge vermutet. Zu den Gründen erklärt Hardt: „Vielleicht hatte jemand die D-Mark, weil die Inflation seiner heimischen Währung sehr hoch war. Oder in dem Land ist die D-Mark vormals als Parallelwährung zirkuliert.“ Sicher ist, dass größere D-Mark-Beträge aus dem Ausland zur Bundesbank zurückfließen.

    Kein Comeback der D-Mark

    Hoffnungen auf ein Comeback der D-Mark erteilt der Bargeld-Fachmann eine klare Absage: „Dass die D-Mark zurückkommt, ist so abwegig, dass ich mir wirklich nicht vorstellen kann, dass jemand ernsthaft sagt ‚Ich behalte meine Scheine und meine Münzen, weil wenn sie zurückkommt, dann bin ich vorbereitet.‘ Das kann ich mir wirklich nicht vorstellen.“

    Matthias Witte

    Das komplette Interview mit Stefan Hardt finden Sie hier:

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    Tags:
    Umlauf, D-Mark, Milliarden, Deutschland