05:42 23 April 2018
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    Bank of America nennt Hauptrisiken für Russland im Jahr 2018

    © AFP 2018 / Dominick Reuter
    Wirtschaft
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    Die Verhängung von Sanktionen der USA, die ein Verbot für den Kauf russischer Bundesanleihen (OFZ) vorsehen, ist wenig wahrscheinlich. Aber auf jeden Fall wird gerade dies das Hauptrisiko für Moskau im Jahr 2018 sein. Diese Meinung äußerte die Bank of America Merrill Lynch in ihrem Bericht „Schwarzer Schwan im Jahr 2018“.

    Die Wahrscheinlichkeit einer Erweiterung der US-Sanktionen in Bezug auf die russischen souveränen Schulden sei laut diesem Bericht gering, doch dieser Faktor werde im kommenden Jahr ein Hauptrisiko darstellen, berichtet die Agentur Reuters.

    Sollten neue Sanktionen dennoch ein „Schwarzer Schwan“ („The Black Swan“ – diesen Begriff prägte der amerikanische Ökonom Nassim Taleb und nutzte ihn bei der Beschreibung schwer zu prognostizierender Ereignisse mit bedeutsamen Konsequenzen – Anm. d. Red.) werden, so werde ihr Einfluss dennoch relativ begrenzt sein, meint die Bank of America (BofA). Auf Nichtresidenten entfielen insgesamt etwas mehr als 52 Milliarden Dollar am Markt der russischen souveränen Schulden: Ihr Anteil an den Auslandsschulden des Staates betrage 36,6 Prozent (14,5 Milliarden Dollar),  an den Inlandsschulden, also Bundesanleihen OFZ, seien es 33,2 Prozent oder 37,2 Milliarden Dollar.

    Bei den Auslandsschulden könne die Zentralbank helfen, meint die BofA. Ende 2014 habe sie vor dem Hintergrund des Kapitalabflusses und der Schwächung des Rubels bereits ein neues Instrument, die Rückkaufvereinbarung oder „Repo“ (Abkürzung für Repurchase Operation, auch als Repurchase Agreement bezeichnet) in ausländischer Währung mit einem Maximalvolumen der Bankschulden von 50 Milliarden Dollar eingeführt. Das habe den russischen Banken geholfen, bei Nichtresidenten souveräne Eurobonds über eine Summe von etwa sieben Milliarden Dollar einzulösen. Vor einem Monat hätten die Banken die damals entstandenen Schulden beglichen, somit könnte die Zentralbank diese Praxis im Fall einer Ausdehnung der Sanktionen auf Russlands Auslandsschulden wieder aufgreifen und somit seine Attraktivität für die einheimischen Banken steigern, meinen die Experten der BofA.

    Was den OFZ-Markt betreffe, so würden die Banken nach Erachten der Experten zum Beispiel für staatliche Wertpapiere zwei Billionen Rubel (ca. 34 Milliarden Dollar) locker machen können, die jetzt auf den Konten der Zentralbank liegen. Das könne geschehen, sollte die Rendite bei langfristigen Bundesanleihen den Leitzins wesentlich übertreffen. Nach einer Prognose der BofA könne er zum Jahresende acht Prozent betragen.

    Sollte das „Schwarze Schwan“-Szenario trotzdem Wirklichkeit werden, werde es der Rubel sein, der „für alles zahlen“ müsse, sagte bei der Präsentation des Berichts der Chefökonom der Bank für Russland und die GUS, Vladimir Osakovskiy. Aber wenn der politische Druck nicht von einem Fallen der Ölpreise begleitet sein werde, würde die Schwächung der russischen Währung nicht so tief sein, meinte der Analyst.

    Nach dem Hauptszenario der BofA, das keine Erweiterung der Sanktionen vorsieht, werde der Dollar im kommenden Jahr durchschnittlich 63 Rubel bei einem Ölpreis in Höhe von 55 Dollar kosten.

    Eine Erweiterung der westlichen Sanktionen wird den Analysten zufolge den Markt etwa bis in den Januar beunruhigen, wenn das US-Finanzministerium dem Kongress einen Bericht über die Folgen der Verhängung neuer Einschränkungen vorlegen wird. Gerade in dessen Rahmen werde auch das Verbot für Investitionen in russische staatliche Wertpapiere für US-Residenten erwägt. Die Aufnahme in den Bericht bedeute aber noch nicht, dass diese Sanktionen tatsächlich verhängt würden.

    Aus der russischen Zentralbank hieß es zuvor, dass „der Effekt für den Bankensektor keinen Systemcharakter haben wird“, sollten derartige Sanktionen verhängt und die Bundesanleihen OFZ ausverkauft werden. „Am historischen Horizont (darunter im Februar und Juni 2017) gab es Zeiträume einer niedrigen Präsenz von Nichtresidenten am OFZ-Markt, wobei die Situation am Markt stabil geblieben ist“, betonte die Zentralbank. Man habe zudem Stresstests für den Fall einer Sanktionserweiterung durchgeführt.

    Wie Osakovskiy betonte, sei das Sanktionsszenario nicht das Basis-Szenario. Die Erwartung von Sanktionen kann ihm zufolge ein „positiver Auslöser“ für den Markt werden, wenn den Investoren klar werde, dass es keine Verschärfung (der Sanktionen – Anm. d. Red.) geben werde. Ein „großes Thema“ für den Markt seien die (Präsidentschafts-)Wahlen, doch in Bezug auf ihre Ergebnisse bestehe keine Unklarheit. Eine andere Sache sei die Regierungsneubildung, die ebenfalls ein „großer Auslöser“ in die eine oder andere Richtung werden könne, je nachdem, wer die Leitung des Kabinetts übernimmt, ergänzte Osakovskiy.

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    Tags:
    Risiken, Wirtschaft, Prognose, Bank of America, Nassim Taleb, USA, Russland