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07:31 16 Oktober 2019
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    Prodkution von Röhren für Gaspipeline Nord Stream 2 (Archivbild)

    „Europa braucht einen Nord Stream-3“ – Interview

    © Sputnik / Sergej Guneew
    Wirtschaft
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    Es gibt immer noch Gegenden in Europa, die an die Gasversorgung überhaupt nicht angeschlossen sind – im Osten, im Süden, auf dem Balkan zum Beispiel. Um diesen Missstand zu beheben, müssen natürlich mehr Gasleitungen her. Und die sollen mit russischem Brennstoff gespeist werden, sagte ein ehemaliger serbischer Botschafter im Sputnik-Interview.

    Das Fracking-Gas aus den USA sei überteuert, das Erdgas aus dem Nahen Osten zu riskant. Eine Alternative zum russischen Gas habe Europa bislang nicht, sagt der Ex-Diplomat und Buchautor Srecko Djukic.

    „Wegen ständiger Konflikte im Nahen Osten kann die Gasversorgung Europas von dort aus nicht gesichert werden. Aus demselben Grund ist es auch schwierig, Erdgas aus dem gasreichen Iran nach Europa zu liefern. Und die Gasreserven Nordafrikas können Europas Bedarf nicht decken“, so der Experte.

    Russland hingegen könne und wolle die EU und Serbien mit Gas versorgen. Nur: „Moskau ist es wichtig, sich darüber mit Brüssel zu einigen, statt mit den EU-Mitgliedern einzeln zu verhandeln.“

    Serbien müsse – um seine Interessen zu wahren – Brüssel davon überzeugen, mit Russland enger zusammenzuarbeiten: „Gibt die EU ihr grünes Licht, könnte der zweite Strang des Turkish Stream gebaut werden, mit einer Kapazität von 15 Milliarden Kubikmetern pro Jahr. Das würde auf dem Balkan für die nächste Zeit reichen. Doch leider schweigt Brüssel derzeit dazu“, sagt der Ex-Botschafter.

    Im vergangenen Jahr hat Europa 179 Milliarden Kubikmeter Gas in Russland gekauft, in diesem Jahr werden es 13,5 Milliarden Kubikmeter mehr sein. Dies erklärte der Gazprom-Chef Alexej Miller in seinem Bericht an den Präsidenten Wladimir Putin. „Das geschieht vor dem Hintergrund dessen, dass das Gas für den Balkan gerade so reicht, während Westeuropa zu 100 Prozent damit versorgt wird“, so der Analyst. Ein Beispiel aus Serbien:

    „Flächendeckend an die Gasversorgung ist nur der Nordteil des Landes angeschlossen. Wir auf dem Balkan brauchen sehr viel mehr Gasleitungen als wir derzeit haben. Das müssen Pipelines sein, aus Russland und Zentralasien nach Europa“, sagt Djukic.

    Bedenken bei der Schwarzmeer-Pipeline Turkish Stream hat der Ex-Botschafter nur, wenn Bulgarien an diesem Projekt beteiligt werde. Denn Sofia habe unter dem Druck aus den USA und der EU bereits ein Pipeline-Projekt mit russischer Beteiligung gekippt — den South Stream.

    Die Vereinigten Staaten verfolgen indes die gleiche Politik gegen russisches Gas wie bisher: „Das US-Außenministerium attackiert den Bau des Turkish Stream und droht jenen Konzernen, die sich am Nord Stream-2 beteiligen, mit Sanktionen.“ Glauben sie denn, Europa könne ohne Gas auskommen?

    „Um die eigene Versorgung bis 2050 zu sichern, braucht Europa mehr als den Nord Stream-2. Allen Prognosen zufolge wird der Gasbedarf in Europa bis 2040 um 40 Prozent steigen. Man wird einen Nord Stream-3 bauen müssen“, sagt der Experte.

    Wenn Serbien in seiner Entwicklung nicht zurückbleiben wolle, müsse es bis zu sechs Milliarden Kubikmeter Gas beziehen – im Vergleich zu den heutigen zwei Milliarden, so Djukic. Dies ist wohl auch ein Grund dafür, dass die Schwarzmeer-Pipeline Turkish Stream ein Thema sein wird beim kommenden Besuch des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic in Moskau.

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    Tags:
    Ex-Botschafter, Bau, Gaspipeline, Nord Stream 2, Gazprom, EU, Alexej Miller, Europa, Serbien