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    USA zwingen EU Wirtschaftskrieg an zwei Fronten auf

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    Wirtschaft
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    Die Wirtschaft Russlands hat sich den westlichen Sanktionen angepasst und verzeichnet seit kurzem ein gewisses Wachstum auf. „Die entstandene Situation (Sanktionen) kommt uns zugute“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in einem Interview des TV-Senders Rossija 24 nach Angaben des Internetportals expert.ru.

    Zu den endbegünstigten Wirtschaftszweigen zählte Peskow unter anderem die Landwirtschaft. Die in der Sparte Beschäftigten hätten die Regierung bereits ersucht, die gegen den Westen verhängten Gegensanktionen nicht aufzuheben.

    Indes berechnet Europa die eigenen Verluste aus den gegen Russland verhängten Sanktionen. Am stärksten ist wohl Deutschland betroffen, auf dessen Wirtschaft nach Schätzung von Experten des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) rund 40 Prozent aller Einbußen entfallen. Andere Länder kommen verhältnismäßig glimpflich davon: Die Ausfuhren Großbritanniens nach Russland verringerten sich um 7,9 Prozent, die von Frankreich um 4,1 Prozent und die der USA um 0,6 Prozent, so das IfW.

    Die deutschen Exporte nach Russland gingen im Monatsdurchschnitt um 727 Millionen Euro zurück. Die Gesamtverluste des Westens im Handel mit Russland im Jahr 2015 werden auf 44 Milliarden US-Dollar geschätzt. 90 Prozent davon entfallen auf die EU.

    2014 hatte sich der bilaterale Warenumsatz zwischen Russland und Deutschland auf 70,1 Milliarden Dollar belaufen. 33 Milliarden Dollar machten dabei die deutschen Ausfuhren aus. Deutschland war damals der drittgrößte Handelspartner Russlands.

    2016 schrumpfte der bilaterale Handelsumsatz fast um die Hälfte auf 39 Milliarden Dollar. Die deutschen Exporte nach Russland brachen auf 19,4 Milliarden Dollar ein.

    Der Industriesektor der EU steckt derzeit in einer heiklen Lage: Einerseits werden die Exportmöglichkeiten infolge der von Washington aufgezwungenen antirussischen Sanktionen eingeschränkt. Andererseits plant Washington einen 20-prozentigen Sperrzoll auf ausländische Maschinen und Anlagen, was sie auf dem US-Markt de facto nicht konkurrenzfähig machen wird. Russischen Experten zufolge wäre der Verzicht auf Sanktionen wohl die logische Lösung.

    Nach Ansicht des Generaldirektors der Finanzgesellschaft Money Funny, Alexander Schustow, würde die Aufhebung der Sanktionen bei weitem nicht allen Sektoren der russischen Wirtschaft gelegen kommen. So profitieren Maschinenbau, Landwirtschaft und Leichtindustrie am stärksten von westlichen Restriktionen, weil diese Branchen gute Entwicklungsmöglichkeiten bekommen hatten.

    Im vergangenen Jahr hatte das Wachstumstempo in der verarbeitenden Industrie zum ersten Mal das in der Förderbranche eingeholt. Das führt vor Augen, dass die Wirtschaft Russlands vorankommt.

    „In Deutschland werden Stimmen laut, dass antirussische Sanktionen und Gegensanktionen Moskaus Berlin im Wege stehen“, sagte Analyst Alexej Antonow von der Firma Alor Broker. „Das umso mehr, als den USA die von Präsident Donald Trump initiierte Steuerreform bevorsteht. Demnach wird die Gewinnsteuer von 35 auf 20 Prozent gesenkt. Parallel dazu werden fast alle Waren, die nicht auf dem Territorium der USA hergestellt werden, mit dem 20-prozentigen Einfuhrzoll belegt. Das wird den europäischen Wirtschaften einen herben Schlag versetzen“, betonte der Experte.

    Die Welt stehe an der Schwelle einer neuen Epoche von Handelskriegen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass sogar die Welthandelsorganisation (WTO) aufgelöst werde. Ganz zu schweigen von in den 1990er Jahren geschlossenen bi- oder multilateralen Handelsabkommen.

    „In diesem Krieg würde Russland wegen niedriger Exporte kaum in der Lage sein, seine Nachbarn unter Druck zu setzen. Dennoch sind günstigere Bedingungen nicht ausgeschlossen, weil die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Deutschland seine Sanktionspolitik revidiert. Denn die Wirtschaft ist für Berlin derzeit wichtiger als die Politik“, betonte Antonow.

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    Tags:
    Industrie, Handelsumsatz, Sanktionen, EU, Deutschland, Russland, USA
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