08:11 19 November 2018
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    Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko vor dem Kernkraftwerk in Rowno (Archivbild)

    Tod des Reaktors: Brennstäbe aus den USA löschen ukrainische Meiler aus

    © Sputnik / Pressedienst des ukrainischen Präsidenten/ Nikolaj Lasarenko
    Wirtschaft
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    Die meisten Brennelemente, die die ukrainischen Kernreaktoren verbrauchen, kommen heute aus Russland. Das Energieministerium in Kiew will das ändern: ab 2018 soll der US-Anlagenbauer Westinghouse 55 Prozent des nuklearen Brennstoffs in die Ukraine liefern. Experten warnen vor katastrophalen Folgen.

    Die Entscheidung birgt ein enormes Risiko für ukrainische Kernkraftwerke: Nicht nur, dass Westinghouse derzeit im Insolvenzverfahren stecke – die Brennelemente der US-Firma seien auf den Betrieb in den ukrainischen Atommeilern überhaupt nicht ausgelegt, sagte Volkswirt Iwan Kapitonow von der Russischen Akademie der Wissenschaften dem Portal „rueconomics“..

    „Wenn man die russischen Brennelemente gegen die amerikanischen austauscht, kann es passieren, dass die neuen Elemente zwar in den Reaktor eingesetzt, aber nicht mehr herausgefahren werden können. Dann wird die Sicherheitsautomatik den Reaktor einfach abschalten“, sagt der Experte.

    Ähnliche Fälle habe es bereits gegeben. Das Problem sei, dass die Brennelemente von Westinghouse an die Kühlsysteme in ukrainischen Kernreaktoren nicht angepasst seien. Ein Beispiel aus Tschechien: Dort habe es einen Vorfall gegeben, bei dem ein Teil der Brennelemente von Westinghouse abgebrochen und am Boden des Reaktors liegengeblieben sei.

    „Das Stück war nicht groß, es konnte wieder gehoben werden. Aber man musste den Reaktor drosseln. Sollte in einem ukrainischen Meiler ein größeres Stück abbrechen, führt das zum Tod des Reaktors. Die Folgen muss man wohl nicht erläutern. Es sei nur gesagt, dass 55 Prozent der ukrainischen Stromversorgung von der Kernkraft abhängen“, so der Analyst.

    In einem Gutachten von 2008 wurde offiziell festgestellt, dass die Brennelemente für die ukrainischen AKW ungeeignet seien, schreibt das Portal. Seit dem Putsch von 2014 werde dieses Gutachten jedoch ignoriert.

    Außerdem: Angesichts der jüngsten Insolvenz von Westinghouse könne es – entgegen den Erklärungen des US-Unternehmens – passieren, dass dieser Lieferant ganz ausfalle. „Die US-Firma wird höchstens noch die nächsten zwei bis drei Jahre Brennelemente in die Ukraine liefern können. Aber weiter denkt Kiew derzeit offenbar auch nicht, die ukrainischen Machthaber orientieren sich an der laufenden Politik.“ Die amerikanischen Brennelemente seien überdies rund 20 Prozent teurer als die russischen.

    „Kiew lässt sich nur von politischen Motiven leiten. Anders ist dieser leichtsinnige Umgang mit der ukrainischen Energiesicherheit nicht zu erklären“, betont der Experte. Dass es auch anders geht, zeigt wiederrum Tschechien: Prag habe dem Brennstoff aus den USA nach den negativen Erfahrungen eine Absage erteilt.

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    Problem, Bau, Atomkraftwerk, Russland, USA, Ukraine