22:54 17 August 2018
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    Fabrik von Volkswagen Group Rus in Kaluga (Russland)

    Russlands Wirtschaftsminister zieht Bilanz: „EU-Unternehmen haben Chancen verpasst“

    © Sputnik / Grigory Sysoev
    Wirtschaft
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    Das scheidende Jahr hat laut Russlands Wirtschaftsminister Maxim Oreschkin viele Hindernisse für europäische Unternehmen parat gehabt. Bei einem Treffen mit Wirtschaftsvertretern aus der EU zieht er Bilanz.

    Die Regierung tue ihr Bestes, um den russischen Markt für ausländische, insbesondere europäische Investoren zugänglich zu machen, sagte Wirtschaftsminister Maxim Oreschkin jüngst bei einem Treffen mit europäischen Unternehmern in Moskau. Die EU-Länder machen ihm zufolge etwa die Hälfte des russischen Außenhandels und 70 Prozent der ausländischen Investitionen aus. Hunderte Projekte im ganzen Land würden die russische Wirtschaft vorantreiben. Bereits in diesem Jahr dürfte das Haushaltsdefizit unter zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen.

    „Das ist ein sehr guter Kennwert, da die Ölpreise auf einem deutlich niedrigeren Niveau liegen als noch in den Jahren 2012 und 2013. Tatsächlich ist Russland eines der wenigen rohstoffexportierenden Länder, die sich an die veränderten Bedingungen auf den Außenmärkten anpassen konnten“, so Oreschkin.

    Mitte des Vorjahres habe Russlands Wirtschaft zu wachsen begonnen. In einigen Sektoren, beispielsweise in der Landwirtschaft, liege das Wachstum bei drei Prozent. Auch werde die Investitionstätigkeit wiederhergestellt.

    „Wir sind gegenüber der Ankunft ausländischer Investitionen immer positiv eingestellt, insbesondere derjenigen, die neue Technologien mit sich bringen.“

    Das habe sich auch trotz der schwierigen politischen Situation nicht geändert, versicherte der 34-jährige Minister. Firmen, die auf dem russischen Markt tätig seien, würden national geregelt. Die Sanktionen hätten jedoch einen negativen Einfluss auf ihre Wettbewerbsfähigkeit.

    „Laut Statistik ist das Wachstum von Russlands Handel mit östlichen Ländern – APEC und ASEAN – höher als mit europäischen Ländern. Das sind natürlich verpasste Chancen für Unternehmen aus der EU. Ich vergleiche die Situation, in der europäische Unternehmen mit chinesischen Firmen konkurrieren müssen. Der Wettbewerb findet in den Fesseln statt, die Politiker den europäischen Unternehmen angelegt haben. Und jetzt verlieren sie die Chancen, die der wachsende russische Markt bietet.“

    In den kommenden Jahren werde Russland seine Wirtschaft offen halten und ausländische Unternehmen im Land weiter unterstützen, versicherte Oreschkin. Die wirtschaftlichen Barrieren müssten auf beiden Seiten überwunden werden. Falls europäische Geschäftsleute ihre Interessen aktiv verteidigen, werde dies eine positive Auswirkung sowohl auf die russische als auch auf die europäische Wirtschaft haben, so der Minister. Was die US-Sanktionen betreffe, so würden unter ihnen die europäischen Unternehmen stärker als die amerikanischen leiden. Aber das sei schon eine Frage der Beziehung zwischen der Europäischen Union und den USA.

    Volkswagen Group Rus: „Sehr zufriedenstellend“

    Bei seinem Treffen mit Unternehmern hatten diese die Möglichkeit, ihm im direkten Dialog Fragen zu stellen. Oreschkin wurde unter anderem zum Zugang ausländischer Unternehmen zu staatlichen Auktionen und Tender, zur Verbesserung des Investitionsklimas, der Senkung der Hypothekenzinsen sowie Privatisierung und Steuern befragt. Marcus Osegowitsch, Generaldirektor der Volkswagen-Gruppe in Russland, zeigte sich mit den Antworten des Ministers sowie der Bilanz von 2017 zufrieden.

    „Wir haben dieses Jahr eine sehr gute Entwicklung geschafft, wir sind in Summe um 15 Prozent gewachsen mit allen unseren Marken. Das ist nach vier Jahren Krise sehr zufriedenstellend für uns“, resümierte er gegenüber Sputnik.

    Auch für 2018 hoffe er auf eine gute Prognose:

    „Ich denke, auch nächstes Jahr  werden wir eine positive Entwicklung sehen. Die Fußball-WM schafft immer viele positive Emotionen. Vom Minister haben wir heute gelernt, dass die Inflation auf dem niedrigsten Niveau ist, das wird so auch bleiben, das heißt die Zinsen sind gut, um Fahrzeuge zu finanzieren. Und wenn jetzt auch die Stimmung gut wird, dann bin ich sicher, dass auch nächstes Jahr der Automobilmarkt noch weiter wächst.“

    Das Treffen des russischen Wirtschaftsministers Maxim Oreschkin mit europäischen Wirtschaftsvertretern wurde von der Assoziation des Europäischen Business (AEB) in Russland organisiert.

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    Tags:
    Krise, Sanktionen, Markt, Investitionen, Öl, Volkswagen AG, EU, Russland
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