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    Siemens Turbinenwerk (Archiv)

    Warum der Krimturbinen-Skandal Siemens sehr zustatten kommt - Experte

    © AP Photo / Matthias Rietschel
    Wirtschaft
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    Der deutsche Konzern Siemens ist im Laufe des letzten Jahres immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Die wohl medienwirksamste Auseinandersetzung betraf die Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit den Siemens-Turbinen auf der Krim. Der Energieexperte Alexander Frolow erklärt, warum Siemens dennoch den russischen Markt nicht verlassen wird.

    Der Turbinenbauer Siemens musste bei einem Schiedsgericht in Moskau eine medienwirksame Niederlage im Turbinenstreit einstecken.

    Wie das Gericht in Moskau entschied, hat die Siemens AG bei der Klage gegen „Technopromexport“ (eine Tochterfirma des russischen Konzerns Rostech) keine Beweise darüber vorlegen können, dass ihre Tochtergesellschaft „Siemens Gasturbinen-Technologie“ beim Abschluss des Vertragss über die Lieferung von Gasturbinen betrogen wurde.

    Wie der stellvertretende Generaldirektor des russischen Instituts für Nationale Energiewirtschaft Alexander Frolow in einem Interview für das russische Nachrichtenportal rueconomics.ru erklärte, wird diese gerichtliche Niederlage den Konzern dennoch kaum dazu veranlassen, den russischen Markt zu verlassen.

    Das Interesse der Siemens AG an russischen Aufträgen sei schließlich enorm und die Teilnahme des deutschen Unternehmens an verschiedenen Projekten in Russland nicht zu übersehen.

    Viel Medienwirbel – viele Investitionen

    Laut Frolow stehen für das Unternehmen gute Profite an erster Stelle. Ein freiwilliger Rückzug vom russischen Markt sei da kaum zu erwarten, „außer man wird es ihnen direkt verbieten“.

    Die aktuelle Situation rund um die Niederlage beim Gerichtsverfahren sei für das Unternehmen nur aus der Sicht eines Reputationsschadens unangenehm. Wobei selbst hier die Situation von zwei Seiten betrachtet werden könne, betont der Fachmann.

    Die gesamte Geschichte zeige den Kunden ja auch, dass Siemens „auch trotz schwieriger politischer Bedingungen seinen Verpflichtungen nachkommt“.

    „Das Unternehmen macht viel Lärm rund um diese Lieferungen, es zieht vor Gericht und gleichzeitig tauchen Meldungen über die Fortsetzung der Arbeit in Russland und, mehr noch, über neue Investitionen auf“, unterstreicht der Experte.

    In der Tat, erst Anfang Dezember kündigte der Präsident von Siemens Russland, Dr. Dietrich Möller, an, der Konzern sei bereit, allein in der Region St. Petersburg weitere 420 Millionen Rubel zu investieren.

    Auch andere neue Projekte des Konzerns nach dem Turbinenskandal in Russland dringen zunehmend in die öffentliche Aufmerksamkeit.

    Somit ist die Gesamtsituation für Siemens laut Frolow durchaus positiv: Die Technik ist eingekauft und geliefert, die Vorwürfe von EU-Funktionären sind aber mit dem Gerichtsverfahren ausgekontert.

    „Ich erkenne keinen ernsten Schaden für Siemens in dieser Geschichte. Ich sehe, dass das Unternehmen versucht, seine Interessen zu wahren, schließlich ist der russische Markt sehr vielversprechend. Wir haben eine große Zahl von Kraftwerken, die modernisiert werden müssen“, betont der Energieexperte.

    Außerdem sei Siemens nicht nur ein Turbinenhersteller, sondern im Prinzip ein „Bindeglied zwischen der russischen und der deutschen Wirtschaft“.

    „Diese Kooperation ist ein Mosaikstein, der hilft, gute Beziehungen zwischen den beiden Ländern aufrechtzuerhalten und große Projekte umzusetzen, wie etwa „Nord-Stream-2“, sagte Frolow abschließend.

    Bei dem Gerichtsverfahren hatte Siemens ausgesagt, vier seiner Turbinen, die eigentlich für ein Projekt auf der russischen Halbinsel Taman hergestellt worden seien, seien illegal auf die Krim gebracht worden.

    Das deutsche Unternehmen kündigte zunächst an, alle Lizenzvereinbarungen mit seinen russischen Partnern möglicherweise abzubrechen.

    Angesichts der neuen Projekte des Unternehmens in Russland scheint dies jedoch unwahrscheinlich zu sein.

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    Tags:
    Turbinen, Gerichtsbeschluss, Sanktionen, Nord Stream 2, Siemens, EU, Krim, Deutschland, Russland