06:29 16 Dezember 2018
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    Finanz-Experte im Visier der CIA: „So wollte US-Bank Russland übernehmen“ – EXKLUSIV

    © REUTERS / Larry Downing
    Wirtschaft
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    Er gehörte früher zur Weltspitze der Wall-Street-Banker: Zahlengenie Martin Armstrong. Mit seiner mathematischen Formel hat er wirtschaftliche Ereignisse korrekt vorausgesagt. Im 2. Teil des Exklusiv-Interviews spricht er über US-Geheimdienste und über einen „Finanz-Putsch“ gegen Russland. Und erklärt, wofür er im Gefängnis landete.

    Der frühere russische Präsident Boris Jelzin (1991-1999) sei Opfer einer Finanz-Intrige durch US-Banker geworden, erklärte Martin Armstrong im Sputnik-Interview. „Jelzin wurde erpresst, so war es einfach. Er tritt im russischen Präsidentschafts-Wahlkampf für das Jahr 2000 an. Und plötzlich tritt er zurück – und übergibt das Amt an Putin. Warum?“ Er kenne die Hintergründe, so der Finanzanalytiker und ehemalige Wall-Street-Banker.

    Im 1. Teil des Exklusiv-Interviews beschrieb er, wie er durch seine eigens entwickelte Finanz-Formel wirtschaftliche Ereignisse korrekt vorhersagen kann. Das hatte er in der Vergangenheit oft genug unter Beweis gestellt. Bereits 1998 sagte er die Finanzkrise ab 2007 voraus. Er gehörte in den 80er und 90er Jahren zu den gefragtesten Finanzanalytikern auf dem US-Finanzmarkt. „Ich war zum Beispiel einmal als ‚Hedge Fonds Manager des Jahres‘ nominiert und habe auch als Manager Geld für die Deutsche Bank verwaltet“, nannte Armstrong einige seiner beruflichen Erfolge. Viele Finanzinstitutionen hätten seine Expertise und Vorhersagen eingekauft. Er sagte – fast auf den Tag genau – den finanziellen Kollaps Russlands Ende der 90er Jahre vorher. Das wurde ihm wohl zum Verhängnis, wie er heute glaubt. Denn daraufhin trat der US-Geheimdienst CIA an ihn heran.

    „CIA wollte meine Formel haben“

    Noch kurz vor dem finanziellen Zusammenbruch Russlands von 1998 bis 1999 – auch als „Rubel-Krise“ bekannt – beschrieb Armstrong laut eigenen Angaben mit seiner Finanzprognose- und Beratungsfirma „Princeton Economics“: „Wir sahen, dass 180 Milliarden US-Dollar nach Russland hineingingen und dass kurz darauf 180 Milliarden wieder das Land verließen.“ Also sagte er damals öffentlich auf einer Konferenz Ende Juni 1998 in London: „Russland steht vor einem finanziellen Kollaps. Ich gebe dem Land noch 30 Tage.“ Am 17. August 1998 wurde dann in Moskau von der russischen Regierung und der Zentralbank der Kollaps verkündet.

    Einem Journalisten der Wirtschaftszeitung „Financial Times“ gelang es damals, an der Konferenz teilzunehmen. „Es landete sogar auf dem Titelblatt“, erinnerte sich Armstrong. „Als Russland dann kurz darauf wirklich finanziell einbrach, trat die CIA an mich heran und sagte: ‚Also gut: Wir wollen Ihr Modell!‘ Wir baten alternativ an, dass wir Vorhersagen für die CIA machen. Das lehnten sie ab und sagten: ‚Nein, wir wollen das Modell haben.‘“ Der Analytiker weigerte sich, seine eigens entwickelte Formel mit dem Geheimdienst zu teilen.

    US-Komplott zur Übernahme Russlands?

    Armstrong berichtete, dass es Ende der 90er Jahre eine Verschwörung durch New Yorker Investment-Banker gegeben hat, um Russland zu übernehmen. Es sollte langfristig von US-Geld abhängig gemacht werden. Was er beschreibt, erinnert an das Vorgehen der „Economic Hitmen“, wie es John Perkins unlängst gegenüber Sputnik erläuterte. Der Finanzanalytiker stützt sich nach seinen Angaben auf Quellen aus der US-Finanzwirtschaft. Der russische Milliardär und Oligarch Boris Beresowski  habe dabei eine Rolle gespielt. Dieser sei zur Zeit Jelzins eng mit der politischen Elite in Moskau verbunden gewesen. Als weiteren Akteur nannte Armstrong den Banker Edmond Safra, Chef der „Republic National Bank“ in New York und des US-Fonds „Hermitage Capital“, der das Ganze finanziert habe.

    „Ob bei dieser Aktion die US-Regierung selbst involviert war, da bin ich mir nicht hundertprozentig sicher“, erklärte der Analytiker. Aber laut ihm steckten die New Yorker Bank sowie der US-Finanz-Fonds dahinter. Armstrong beschrieb, wie Jelzin durch einen Trick erpresst werden sollte: „Ihnen gelang, Jelzin davon zu überzeugen, sieben Milliarden US-Dollar aus Mitteln des IWF zu stehlen, um den Kreml zu renovieren.“

    Jelzins Abwehr der US-Attacke

    Sobald der Transfer abgewickelt war, habe Safra die US-Regierung  und das FBI auf die angebliche Korruption Jelzins hingewiesen. Laut Armstrong drohte die US-Regierung dem damaligen russischen Präsidenten, der mitten im Wahlkampf stand, mit den Worten: „Ok. Sie treten jetzt mal zurück. Und lassen Boris Beresowski den Vortritt.“ Dieser sei ein Strohmann der Banker für die ganze Aktion gewesen. „Er sollte neuer russischer Präsident werden. Zu diesem Zeitpunkt realisierte Jelzin, dass das alles ein inszeniertes Komplott ist. Daher wandte er sich an den jungen Putin. Putin konfiszierte, also beschlagnahmte, den kompletten Besitz von Hermitage Capital.“ Das sei der Beginn der Ära Putin in Russland.

    Nach Putins Amtsantritt floh Beresowski nach London ins Exil, wo er 2013 unter immer noch ungeklärten Umständen starb. Der Anwalt Sergej Magnitski, der „Hermitage Capital“ rechtlich vertrat, starb 2009 in einem russischen Gefängnis. Das nahm der frühere US-Präsident Barack Obama den Vorfall zum Anlass, um 2012 die ersten anti-russischen Sanktionen der USA seit 1945 einzuführen, den sogenannten „Magnitsky-Act“.

    Ohne Urteil im Gefängnis

    Armstrong sei zuvor von New Yorker Bankern gefragt worden, ob er bei dem „Finanz-Putsch“ gegen Russland mitmachen wolle, berichtete er. „Sie hatten versucht, dass ich in Hermitage Capital investiere. Sie wollten, dass ich zehn Milliarden investiere. Ich wollte nicht das Geld meiner Kunden für diese Aktion verbrennen. Also lehnte ich ab und sagte: ‚Nein, Russland wird kollabieren. Das kann nicht funktionieren.‘ Danach gab ich der japanischen Presse ein Interview. Ich teilte dort die richtige Version der Ereignisse mit. Das brachte dann wohl die US-Regierung auf den Plan. Ich wurde zum Ziel.“

    Die US-Behörden warfen ihm „Ordnungsverstöße und Betrug“ vor. Er saß von 1999 bis 2011 im Gefängnis – in immer wieder verlängerter Beugehaft, ohne Urteil. Auch dort hätten staatliche Institutionen wiederholt versucht, ihm seine Formel, seinen Finanz-Code, herauszulocken. Seine Antwort: „Ihr bekommt ihn nicht, sorry.“ Das ist in der Dokumentation „The Forecaster“ über sein Leben zu sehen. „Ihr könnt mich töten, wenn ihr wollt, egal: Ihr bekommt ihn nicht“, erwiderte er immer wieder. In dem Film sagt Armstrong, weil er sich weigerte, mit dem Geheimdienst zu kooperieren, sei seine Haft immer weiter verlängert worden.

    „Die Regierung schützt die Banken“, kommentierte er gegenüber Sputnik die damaligen Ereignisse. Das scheine wohl ein Teil des Deals zwischen der Wirtschaft und der Politik zu sein. Das sei „standardisiertes Vorgehen“ gegen Abweichler in der Finanzindustrie. „Diese Banker waren hinter Gold, Diamanten und Erdöl her. Und sie dachten tatsächlich, sie hätten eine Chance, mit Beresowski Russland zu übernehmen. Dass sie tatsächlich Russland kontrollieren könnten. Dass sie damit Zugang zu den russischen Rohstoffen hätten.“ Es erwies sich letztlich als Bumerang. „Sie haben das Spiel verloren. So einfach.“ Vielleicht war die CIA an der Geschichte beteiligt, so Armstrong. Aber er denkt, erst Historiker könnten frühestens in 25 Jahren herausfinden, was tatsächlich geschah.

    Mehr Informationen zu Martin Armstrong und seiner Finanz-Formel unter der Homepage „Armstrong Economics“.

    Alexander Boos

    Teil 2 des Interviews mit Martin Armstrong zum Nachhören:

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