23:08 22 Januar 2018
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    Gaspipelines (Archivfoto)

    Rückflussgas aus Polen: Russland interveniert gegen Kiews Pläne

    © Sputnik/ Iliya Pitalew
    Wirtschaft
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    Seit Längerem versucht Kiew, mehr Gas aus Europa nach dem sogenannten Reverse Flow-Modus zu bekommen – also dem Betrieb der vorhandenen Pipelines, bei dem das Gas in die umgekehrte Richtung geleitet wird. Laut dem Vize-Chef des polnischen Energieunternehmens PGNіG, Maciej Wozniak, blockiert Gazprom allerdings die Umsetzung dieser Pläne.

    Kiew versucht zunehmend, das russische Gas zu ersetzen und will hier auf Gas aus Polen setzen. Hierfür können zwei Varianten des sogenannten Rückflusssystems (Reverse Flow) genutzt werden – der physische oder der virtuelle Rückfluss.

    Beim ersten soll das Gas in umgekehrter Richtung geleitet werden. Da Pipelines allerdings nicht gleichzeitig in zwei entgegengesetzte Richtungen funktionieren können, wollen Warschau und Kiew auf den sogenannten virtuellen Reverse Flow setzen – also eine Art virtuelles Swapgeschäft, bei dem ein Teil des Transitgases einfach in der Ukraine bleibt.

    Doch genau diese Option würde Gazprom verhindern, erklärte Wozniak.

    „Die bestehende grenzüberschreitende Kapazität könnte bereits ab morgen für zusätzliche Optionen, wie den virtuellen Rückfluss, verwendet werden. Diese Option wird aber kontinuierlich von Gazprom blockiert“, zitiert die Internetseite des polnischen Unternehmens Wozniak.

    Diese Reaktion des russischen Gasunternehmens ist allerdings wenig überraschend, da der virtuelle Reverse Flow rechtlich nicht unumstritten ist. Bereits im Jahr 2014 erklärte Gazprom-Chef Alexej Miller, dass der virtuelle Rückfluss in rechtlicher Hinsicht fraglich sei und von entsprechenden Gerichten auf ihre Rechtmäßigkeit überprüft werden müsse.

    Sollte die Rede von einem virtuellen Swapgeschäft sein, so müsste man sich dessen bewusst sein, dass das in der Ukraine zurückgebliebene Gas Eigentum des russischen Konzerns sei. Niemand außer Gazprom dürfe darüber verfügen, erklärte Miller damals.

    Dennoch gab sich der polnische PGNіG-Vertreter Wozniak mit dem Ergebnis des letzten Jahres zufrieden. 2017 konnte Warschau über eine Milliarde Kubikmeter Gas an Kiew liefern. Aus der polnischen Sicht kann die Kooperation auf diesem Niveau weiterbetrieben werden.

    Ohne die Zustimmung von Gazprom wird das Problem um das virtuelle Rückflussgas jedoch nicht endgültig gelöst werden können.

    Nicht zuletzt weil das Stockholmer Gericht entschied, dass die Ukraine nach der zweijährigen Pause wieder russisches Gas kaufen muss. 

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    Tags:
    Rückfluss, Gastransit, Gaslieferung, Gazprom, Alexej Miller, EU, Polen, Ukraine, Russland