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01:30 22 September 2019
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    Wladimir Mau, Rektor von der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Öffentlichen Dienst beim Präsidenten der Russischen Föderation (L) und JP Morgan Chase-CEO Jakob Frenkel

    Gaidar-Forum in Moskau: „Dieser Trend wird sich fortsetzen…“

    © Sputnik / Ilja Pitalew
    Wirtschaft
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    Das Gaidar-Forum der intellektuellen Elite, das am heutigen Dienstag in Moskau begann, ist laut seinem Initiator Wladimir Mau vor einiger Zeit nach links eingerückt, weil in den normalen, friedlichen Verhältnissen nicht radikaler Reformen vorwiegend linke Intellektuelle in der russischen Metropole zusammenkommen.

    Als ein besonders interessantes Thema des Wirtschaftsevents, das bis zum 18. Januar dauert, hob er das Problem des Alterns in den entwickelten Ländern hervor, darunter auch in Russland. Während im vorigen Jahr „Banking Services without Banks“ diskutiert wurden, eine Situation, in der es wohl Bankendienstleistungen, aber keine Banken gibt, werden Wirtschaftsexperten in diesem Jahr Zentralbanken ohne Währungen erörtern.

    Im Euroraum sei dieser Zustand heute schon geschehene Tatsache, meinte Mau. „Nach dem Aufkommen von Kryptowährungen wird sich dieser Trend fortsetzen, obwohl wir uns dessen bewusst sein müssen, dass der Bitcoin sich von den kommenden Kryptowährungen unterscheidet, so wie das Flugzeug der Brüder Wright von einer modernen Boeing. Sollte aber die Idee von Privatgeld, von der rechtsliberale Wirtschaftsexperten Mitte des 20. Jahrhunderts viel geschrieben haben, die Oberhand gewinnen, erleben wir wirklich eine Situation, in der es zwar Zentralbanken gibt, die aber keine Währung emittieren.“

    Des Weiteren hat Wladimir Mau eine Diskussion über die digitale Welt erwähnt, bei der die Experten sowohl auf die digitale Gesellschaft als auch auf den digitalen Staat und die kulturell-ethischen Auswirkungen der Digitalisierung eingehen werden.

    „Letzteres wird sonst wenig diskutiert, trotz der großen Bedeutung“, so der angesehene liberale Ökonom. „Auch soll das Thema einer gesunden Gesellschaft aufgegriffen werden — nicht im Sinne des Gesundheitswesens, sondern im Sinne von unterschiedlichen Komponenten einer gesunden Gesellschaft und der Verantwortung eines jeden für die eigene Gesundheit.“

    Die Teilnehmerzahl des diesjährigen Gaidar-Forums ist auf 15.500 gestiegen, also um anderthalb Mal im Vergleich zum Vorjahr. Das Interesse daran seitens ausländischer Teilnehmer lässt nicht nach. Sie wollen erfahren, worüber heute in Russland diskutiert wird. Der Geschäftsführer des Forums Iwan Fedotow bemerkte, dass sich die Geographie der Experten von den USA und Kanada Richtung Europa und China versetze. „Dabei haben wir für die Teilnahme am Forum nie jemanden bezahlt und werden es auch künftig nicht tun, nehmen aber auch kein Geld für die Beteiligung an unseren intellektuellen Gesprächen. Sie sind gratis.“

    Das Forum „kluger praktizierender Experten“, wie es Wladimir Mau nennt, ist nach Jegor Gaidar benannt. In den 1990er Jahren gehörte Gaidar zu den Leitern und Ideologen der Wirtschaftsreformen in Russland. Auf dem Forum, das seit 2010 jährlich in Moskau stattfindet, werden die Haupttendenzen der sozial-wirtschaftlichen und politischen Entwicklung sowie der Zustand des Geschäftsmilieus und des Investitionsklimas in Russland und in der Welt diskutiert.

    Nikolaj Jolkin

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    Tags:
    Digitalisierung, Experten, Kryptowährung, Gaidar-Forum, Russland