03:48 21 Oktober 2018
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    Initiative für Wirtschaftsraum Lissabon-Wladiwostok gegründet – deutscher Top-Manager

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    Wirtschaft
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    Für eine Vereinheitlichung der technischen Normen und der Zollverfahren der Eurasischen Wirtschaftsunion und der Europäischen Union plädierte Ulf Schneider, Managing Partner der SCHNEIDER GROUP (früher Russia Consulting) während des Gaidar-Forums in Moskau, das am 18. Januar zu Ende ging.

    Es sei unrealistisch anzunehmen, sagte Ulf Schneider im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin, „dass wir die Zölle abschaffen. Das ist langfristig die Zielsetzung, einen Freihandel von Lissabon bis Wladiwostok zu haben. Es ist aber durchaus realistisch, die Verfahren zu vereinheitlichen. Und die dritte Initiative, die wir ergreifen, ist: Wir setzen uns für einen visafreien Raum von Lissabon bis Wladiwostok ein.“

    Ein satirisches Dollar-Bild (Archiv)
    © AP Photo / Daniel Roland
    Es gebe noch einige weitere Ideen, etwa für einen einheitlichen Energiemarkt der Eurasischen Wirtschaftsunion und der Europäischen Union, führt der Generaldirektor der SCHNEIDER GROUP fort. „Auch wenn ich an die Frage der Digitalisierung, Industrie 4.0 denke, dann haben wir sehr viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit des russischsprachigen Raums, nicht nur Russlands, sondern der gesamten Eurasischen Wirtschaftsunion mit der Europäischen Union.“

    Laut Schneider laufen diese beiden Integrationsprozesse teilweise parallel, teilweise in verschiedene Richtungen.

    „Wir sind zwei Unionen, die sehr gut zusammenpassen. Die Europäische Union hat sehr viele Technologien zu bieten, die Eurasische Wirtschaftsunion mit Russland und Kasachstan sehr viele Rohstoffe. Russland und Belarus, aber auch die Ukraine, die jetzt zwischen den beiden Unionen liegt, also der russischsprachige Raum hat auch sehr viel Informationstechnologie und IT-Experten zu bieten.“

    Kooperation zwischen EU und Eurasischer Union

    Aus Schneiders Sicht stehe einer Kooperation nichts im Wege. Es gebe aber einige Länder, Personen und Verbände, „die nicht unbedingt ihr erstes Interesse darin sehen. Wir haben allerdings mit einigen deutschen und russischen Wirtschaftsverbänden eine Initiative gegründet, um die Idee des gemeinsamen Wirtschaftsraums von Lissabon bis Wladiwostok voranzutreiben. Und wir sehen, dass es gewisse Fortschritte gibt. Die EU-Kommission in Brüssel und die Kommission der Eurasischen Wirtschaftsunion in Moskau haben zwar nicht vor, auf politischer Ebene Gespräche miteinander zu führen, aber auf Arbeitsebene sehen wir, dass die Gespräche intensiver werden. Und das ist sehr positiv zu beurteilen.“

    Wie stark stören Sanktionen und Gegensanktionen?

    Schneider meint: „Bei unserem Projekt,Wirtschaftsraum Lissabon–Wladiwostok‘ spielen die Sanktionen keine Rolle. Wir versuchen einen Kommunikationskanal, eine Initiative zu entwickeln, die gerade das Thema Sanktionen umschifft, weil wir mit den Sanktionen, scheint mir persönlich, in eine Sackgasse gelaufen sind. Es schadet sowohl der russischen Wirtschaft, es schadet der westlichen Wirtschaft, und wir sehen, dass wir in einer Sackgasse gelandet sind, aus der wir nur herauskommen, wenn es Initiativen gibt, die das umschiffen. Das versuchen wir gerade mit dieser Initiative,Lissabon–Wladiwostok‘.“

    Wirtschaftsraum von Lissabon bis Shanghai

    Die Idee eines Wirtschaftsraums von Lissabon bis Shanghai sei ein paralleles Projekt, urteilt der Top-Manager. „Hier geht es um das Projekt,Neue Seidenstraße‘. Ob das bis Lissabon geht, weiß ich nicht genau. Es ist ein Projekt, das sehr stark von China geführt wird. Das ist aber eine andere Idee als Lissabon–Wladiwostok.  Die,Neue Seidenstraße‘ hat eher etwas mit Leuchtturmprojekten zu tun, wo große Projekte an vereinzelten Standorten entlang der Seidenstraße entstehen.“

    Ulf Schneider während des Gaidar-Forums
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Ulf Schneider während des Gaidar-Forums

    Das Gaidar-Forum ist eine der bedeutendsten wirtschaftspolitischen Veranstaltungen Russlands, auf der Minister, Unternehmer und Experten über die wirtschaftliche Zukunft Russlands und seinen Platz in der Weltwirtschaft diskutieren.

    Nikolaj Jolkin

    Das komplette Interview mit Ulf Schneider zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
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    Tags:
    Forum, Visa-Freiheit, Zusammenarbeit, Handel, Sanktionen, Gaidar-Forum, Eurasische Wirtschaftsunion (EAEU), EU, Russland