16:33 22 Oktober 2018
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    Scharfschützen bewachen Gäste des internationalen Wirtschaftsforums in Davos

    „Weg in eine Great Depression 2.0“: In Davos wird von Abschottung abgeraten

    © REUTERS / Denis Balibouse
    Wirtschaft
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    Donald Trump setzt im Wirtschaftsbereich auf mehr Abschottung. Diese Position wird beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos offenbar reichlich Kritik ernten. Russische Experten liefern Prognosen und berichten über aktuelle wirtschaftliche Besorgnisse auf globaler Ebene.

    Wie die russische Onlinezeitung gazeta.ru schreibt, hatten Angela Merkel und Emmanuel Macron vor dem Auftakt des Forums telefonisch gesprochen: „Offenbar wollen sie sich gegen US-Präsident Donald Trump wehren, der vorhat, das Publikum mit einem Thema in Aufregung zu versetzen, das nicht im Geringsten dem Geist und dem Buchstaben von Davos entspricht.“

    „Trump wird versuchen zu beweisen, dass nationale Interessen höher stehen können als globale Handels- und Integrationspläne. Diese Position setzt er bereits um. Trump hat einen Ausstieg aus dem Transatlantischen Freihandelsabkommen sowie aus dem Pariser Klimaabkommen initiiert. Er ist sogar bereit, das NAFTA-Freihandelsabkommen mit Kanada, dem nächsten und loyalsten US-Partner, zu revidieren“, so der Kommentar. 

    Die Onlinezeitung zitiert den Chefökonomen der Eurasischen Entwicklungsbank, Jaroslaw Lissowolik, mit den Worten: „Von Industrieländern, von reichen Ländern gehen immer öfter Initiativen zu Restriktionen im Handelsbereich aus. Die Toleranz geht vor dem Hintergrund des sinkenden Lebensstandards der Bevölkerung zurück, was auf Ungleichgewichte in der Wirtschaft hinausläuft, aber auch auf eine zunehmende Migration. Trump wird versuchen zu beweisen, dass die Politik der verschlossenen Tür und der Abschottung erfolgreich sein kann.“

    Die Agenda von Davos sende indes das Signal, dass die Möglichkeiten des Wirtschaftswachstums durch Vereinzelung und Isolierung von Wirtschaften drastisch eingeschränkt würden und dass eine Politik der Desintegration unzulässig sei, so Lissowolik.

    „Möglicherweise wird es Trump sogar schaffen, ein Wachstum und eine Prosperität Amerikas für einen kurz andauernden Zeitraum zu demonstrieren. Doch im Grunde genommen ist das eine Sackgasse – und ein Weg zu einer Great Depression 2.0“, sagte der Experte.

    Natalia Orlowa, Chefökonomin der russischen Alfa-Bank, berichtete über mögliche Schwerpunkte der diesjährigen Diskussionen in Davos. Dem russischen Auslandssender RT sagte sie: „Die Schlüsselfrage ist jetzt eine Normalisierung der monetären Politik in der Welt – besonders im Hinblick darauf, dass die wichtigsten Zentralbanken aktiver von einer Erhöhung der Zinssätze sprechen. Deshalb besteht derzeit eine der Hauptfragen der Wirtschaftspolitik darin, ob der aktuelle Zustand der Weltwirtschaft für solch eine Verschärfung der monetären Politiken gut genug ist.“

    Bei einem weiteren thematischen Schwerpunkt von Davos handle es sich um geopolitische Veränderungen, vor allem mit Blick auf das amerikanisch-chinesische Verhältnis. Es interessiere die Experten, inwieweit die USA ihrer Rolle als Welt-Spitzenreiter derzeit gewachsen seien und wie sich die Situation am globalen Devisen- und Rohstoffmarkt weiter entwickeln werde, so Orlowa.

    Das jährliche Treffen der Wirtschafts- und Politikelite im Rahmen des Weltwirtschaftsforums (WEF) im Schweizer Ski-Ort Davos findet in diesem Jahr vom 23. bis zum 26. Januar statt.

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    Wirtschaftselite, Warnung, Krise, Wirtschaftsforum, Davos-Forum, IWF, Donald Trump, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Schweiz, Davos, Deutschland, USA, Frankreich