17:10 13 November 2018
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    Eisbrecher in der Arktis (Archivbild)

    Chinas neue Arktis-Politik: Wie Russland davon profitieren könnte

    © Sputnik / Wera Kostamo
    Wirtschaft
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    Da China für mehr Arktis-Kooperation plädiert, könnte auch Russland neue Vorteile bekommen. Denn ausgerechnet die Transportader entlang der russischen Arktis-Küste – der sogenannte Nördliche Seeweg – ermöglicht es, Schiffstransporte aus Asien nach Europa effizienter zu gestalten, wie ein russischer Experte erläutert.

    „Die Möglichkeit lag auf der Hand – und China macht sich an alle Möglichkeiten, die nach seiner Ansicht wirtschaftlich aussichtsreich sind. China sah sich Russlands Erfolge an, lernte das Potenzial des Nördlichen Seewegs zu schätzen und schuf ein Konzept zu seiner eigenen Beteiligung an der Erschließung dieses Raums“, sagte Iwan Andrijewski, Vizepräsident des Verbands der Ingenieure Russlands, nach Angaben der Onlinezeitung vz.ru.

    Am Freitag hatte die chinesische Führung ein Weißbuch zu ihrer neuen Arktis-Politik veröffentlichen lassen. Sie plädiert für eine internationale „Arktische Seidenstraße“ und bekundet ihre Absicht, mit anderen Ländern in der Arktis zu kooperieren.

    Arktischer Eisbrecher Arctic Express (Archivbild)
    © Sputnik / Alexander Kryaschew
    Der Nördliche Seeweg, den Russland jetzt aktiv erschließt, wäre für China tatsächlich sehr attraktiv, wie vz.ru erläutert: Er ermöglicht es, Güter von Asien nach Europa deutlich schneller zu transportieren im Vergleich zu den bewährten südlichen Routen.

    Als erster chinesischer Frachter hatte die „Yong Sheng“ noch im Jahr 2013 den Nördlichen Seeweg benutzt, um von Dalian nach Rotterdam zu kommen. Jener Transport nahm zwei Wochen weniger in Anspruch als eine entsprechende Fahrt über den Suezkanal, die üblicherweise 48 Tage dauert. Im Sommer 2017 passierten bereits sechs chinesische Frachter den Nördlichen Seeweg.

    Andrijewski kommentierte nun weiter: „China verfolgt natürlich seine eigenen Interessen und versucht, bei Transporten Geld zu sparen. Deshalb nehmen die chinesischen Transportvolumen auf dem Nördlichen Seeweg zu.“

    „Mancher sichtet sogar eine Bedrohung durch diese Expansion. Theoretisch wären künftig Konflikte möglich, falls die Eisdecke wesentlich schmilzt und Chinas militärische Ambitionen zunehmen. Doch im Moment sind diese Bedrohungen übertrieben“, so der Experte. 

    „Was am wichtigsten ist: China wird in eine Weiterentwicklung des Nördlichen Seewegs investieren. Das Land ist ein großer Partner Russlands und braucht Handel, Transit, Bodenschätze. Die vernünftigste Option für Russland wäre derzeit eine Zusammenarbeit mit China zu einer Weiterentwicklung des Nördlichen Seewegs, der Arktis und der eigenen Technologien“, meinte Andrijewski.

    Go Peiqing, Arktis-Experte der Chinesischen Ozean-Universität, hatte zuvor gegenüber Sputnik gesagt, arktische Routen wie der Nördliche Seeweg und die Nordwestpassage seien in der Lage, das chinesische Projekt One Belt, One Road strategisch zu ergänzen. Der wichtigste Vorteil der arktischen Routen bestehe darin, dass sie über keine Konfliktgebiete verliefen. Mit arktischen Seetransporten könne die eurasische Wirtschafts-Integration kräftige Impulse bekommen, so Go Peiqing.

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    Tags:
    Konfliktzone, Handel, Schiffe, Lieferungen, Transport, Seidenstraße, Russland, Arktis, China