08:53 25 April 2018
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    Trump killt den Dollar – zur Rettung der USA?

    Trump killt den Dollar – zur Rettung der USA?

    © AFP 2018 / Karen Bleier
    Wirtschaft
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    Die US-Administration hat dem Dollar „unerwartet den Krieg erklärt“, schreibt die Zeitung „Politico“. Unerwartet? Wer weniger auf die US-Propaganda als auf die Wirtschaftsentwicklung in den USA achtet, für den ist das keine Überraschung, schreibt der Wirtschaftsjournalist Iwan Danilow, Autor des Blogs „Crimson Alter“.

    Dass die Vereinigten Staaten einen schwachen Dollar brauchen, haben einflussreiche Persönlichkeiten aus dem Wirtschaftsflügel der US-Administration in aller Offenheit auf dem Wirtschaftsforum in Davos verkündet.

    „Es ist offensichtlich, dass ein schwächerer Dollar gut für uns ist, weil er mit dem Handel und anderen Möglichkeiten zusammenhängt“, sagte der US-Schatzmeister und ehemalige Goldman Sachs-Mitarbeiter Mnuchin laut dem Autor. Gleich nach dieser Erklärung zeigte der Dollarkurs auf den internationalen Währungsmärkten nach unten.

    Trump beruhigte: In einer ferneren Zukunft wolle er schon einen starken Dollar sehen. Doch ob die Märkte ihm glauben?

    Ein satirisches Dollar-Bild (Archiv)
    © AP Photo / Daniel Roland

    Schließlich wird Trumps Währungspolitik durch die Eigenlogik seines Wahlprogramms geradezu aufgezwungen. Denn ein starker Dollar macht jeden Versuch, Firmen und internationale Konzerne zum Produzieren wieder in die USA zu locken, absolut sinnlos: Die in den USA produzierten Waren wären auf den Weltmärkten unter solchen Umständen einfach nicht wettbewerbsfähig, schreibt der Fachjournalist.

    Mehr noch: Ein starker Dollar fördert den Import chinesischer und europäischer Waren in die Vereinigten Staaten – und begünstigt Produktionsverlagerungen ins Ausland.

    Überdies können weitere Zinsanhebungen der US-Notenbank Federal Reserve – des größten Treibers für das Erstarken des Dollars – dazu führen, dass Blasen auf den US-Finanzmärkten eine nach der anderen platzen.

    Für US-amerikanische Firmen, die sich daran gewöhnt haben, in Zeiten von Niedrigzinsen zu wirtschaften, wäre die Zinssteigerung ohnehin ein Problem. Eine Wirtschaft, die mit billigem Geld gespickt wird, verwandelt sich in einen Haufen von Tesla-ähnlichen Firmen: Konzerne, die laut dem Autor systematisch Verluste generieren und durch immer ausgefallenere Aktionen sich stets neues Billiggeld besorgen können.

    Dass die Trump-Administration beschlossen hat, auf einen schwachen Dollar hinzusteuern, ist jedoch auch eine erzwungene Maßnahme. Trumps Kritiker warnen zu Recht, so der Autor, vor den negativen außenpolitischen Folgen dieser Entscheidung.

    Zugegeben: Im Kampf gegen die Billigimporte aus China sei der schwache Dollar ein probates Mittel, schreibt Danilow.  Für die exportorientierte chinesische Wirtschaft sei das definitiv ein Rückschlag – dessen positive Effekte würden jedoch an anderen geopolitischen Fronten aufgerieben.

    Auf die Schattenseite dieser Trump-Strategie verweist laut dem Autor das renommierte Wirtschaftsblatt „The Wall Street Journal“: „Waren wie Öl oder Kupfer werden in Dollar gehandelt. Ein schwacher Dollar setzt voraus, dass mehr Dollar dafür ausgegeben werden müssen.“ Dies sei für Staaten wie Venezuela gut, für die US-Amerikaner indes eher weniger.

    Wenn das so weitergeht, schreibt der Blogger, dauert es nicht mehr lange, bis man Trump vorwirft, er betreibe eine Währungspolitik, die dem russischen Präsidenten Putin dazu verhelfe, Russland in eine Energie-Supermacht zu verwandeln.

    Aber zurück zum eigentlichen Punkt. Den Erklärungen Trumps und seines Finanzministers Mnuchin ist zu entnehmen, so der Autor, dass sie tatsächlich damit rechnen, zum starken Dollar zurückzukehren, wenn…

    Ja, wenn die US-Wirtschaft wieder in Gang, die Infrastruktur auf Vordermann und die transnationalen Konzerne zurück in die USA gebracht worden sind. Und nachdem die immensen Staatsschulden der Vereinigten Staaten durch die Dollarabwertung praktisch abgeschrieben worden sind, schreibt der Journalist.

    Auf lange Sicht bestehe die Kraft des Dollars in der Kraft der US-Wirtschaft – und darin, „dass der US-Dollar die Weltreservewährung ist und bleibt“, so der Finanzminister Mnuchin laut dem Autor.

    Wäre da nicht das Problem, dass der Kern von Trumps wirtschaftspolitischem Plan – massive Investitionen in die Infrastruktur – Ausgaben in Billionenhöhe erfordert. Diese Billionen würden voraussichtlich geliehen werden müssen – und zwar schnell, schreibt der Fachjournalist.

    Zudem hat ja schon Trumps Steuerreform eine Billion gekostet. Und dann sind da noch die laufenden Ausgaben des Staates: Dass im Weißen Haus das Licht brennt und die US-Soldaten ihr Sold bekommen, dafür nehme das US-Finanzministerium auch Schulden auf, schreibt Danilow.

    Das sei ein Spiel mit dem Feuer, warnen Experte laut dem Journalisten.: „Die Ausländer werden die Staatsschulden der USA nicht finanzieren, wenn die USA eine Politik der Schwächung der Dollarstabilität betreiben“, sagte Dick Bove, Chef-Analyst beim Vermögensverwalter Vertical Group, dem Fachblatt „Politico“.

    Es könnte also sein, dass die frohe Zukunft mit dem starken Dollar, die die US-Administration verheißt, niemals eintreten wird, schreibt Danilow. Angesichts dessen, dass die deutsche Bundesbank ihr Gold aus den USA abzieht und den chinesischen Yuan als Reservewährung einkauft, und angesichts dessen, wie schnell Russland und China ihre Goldreserven aufstocken, könnte es durchaus sein, dass die Verdrängung des Dollars schon eingesetzt hat.

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    Tags:
    Zinsen, Wirtschaft, Politik, Währung, Dollar, The Wall Street Journal, US-Administration, Politico, Weißes Haus, US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Donald Trump, USA
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