04:11 23 September 2018
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    „Flash Crash“ an der Wall-Street – Was war an der Börse los?

    © REUTERS / Brendan McDermid
    Wirtschaft
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    Bolle Selke
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    Historischer Absturz an der Börse: Am vergangenen „Black Monday“ hat der Dow Jones Index fast 1600 Punkte an einem einzigen Handelstag verloren. Experten sehen ein technisches Phänomen als Erklärung, aber auch die Zinspolitik des Federal Reserve System (Fed) der USA. Den Börsen stehen turbulente Tage bevor, meint ein Finanzexperte.

    „Wir hatten im Bereich der Messungen der Volatilität – der Beweglichkeit an den Märkten – eine dramatische Verwerfung“, erklärt der ehemalige Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, gegenüber Sputnik.

    „Die sogenannten Volatilitäten waren auf historisch niedrigen Niveaus. Die sind wichtig im Rahmen des algorithmischen Handels. Neunzig Prozent an den Aktienmärkten sind heute computergesteuerter Handel. Diese Verwerfungen bei der Bewertung der Volatilität haben dann zu automatischen Verkäufen geführt. Das heißt, wir haben ein technisches Phänomen, das maßgeblich für diese Verwerfungen an den Märkten verantwortlich ist.“

    Für Hellmeyer steht eine Ineffizienz der technischen Ausstattung im Vordergrund der Korrektur. Mit Blick auf die Zukunft ist er ganz entspannt. Die Weltwirtschaft laufe gut. Der Internationale Währungsfonds (IWF) habe gerade die globalen Wachstumsprognosen nach oben korrigiert, auf 3,9 Prozent. Hierzulande würden sie sogar leicht über vier Prozent liegen. Dies sei das höchste Wachstum seit circa sieben oder acht Jahren. Damit ergebe sich auch für die Bilanzen der Unternehmen „kein Krisenszenario, das einen massiven fortgesetzten Einbruch hier erlauben würde.“

    Euro-Zone als Wachstumskatalysator?

    Hellmeyer verweist  darauf, dass gerade die Euro-Zone „mit wiederkehrendem Einkommen als maßgeblichen Katalysator des Wachstums“ positive Akzente setze. 

    „Ich denke an Projekte wie Seidenstraße ‚One Belt, One Road‘. Das ist auch strukturell starkes Wachstum, was uns da weiter erwartet, weil die Projekte weiter umgesetzt werden. 82 Prozent der Weltwirtschaft ist in trockenen Tüchern. Was Sie gesehen haben, war eine Verunsicherung durch steigende Zinsen am Kapitalmarkt in den westlichen Ländern, in den USA bei den Treasuries und auch in Europa. Das ist aber in meinen Augen kein Hinderungsgrund für die fortgesetzte positive Entwicklung der Weltwirtschaft und auch die positive Entwicklung der weiteren Unternehmensgewinne in einer Gesamtbetrachtung.“

    Anders bewertet der Ökonom Marc Friedrich vom Autoren- und Beraterteam „Friedrich und Weik“ die Situation. Es handle sich zwar um eine Korrektur, aber insgesamt sei die Situation doch brandgefährlich. Nun werde klar: „Der Kaiser steht eigentlich ohne Kleider da. Dieser unglaubliche Boom im Aktienmarkt in den letzten Jahren kam daher, dass viel billiges Geld gedruckt wurde. Wir haben eine historisch tiefe Zinsphase erlebt. Deswegen war alles inflationär aufgeblasen. Die Krise entstand in den letzten Jahren durch niedrige Zinsen und billiges Geld.“

    „Der finale Kollaps kommt noch“

    Der Versuch, das durch noch niedrigere Zinsen und noch mehr billiges Geld zu lösen, sei gescheitert – „live und in Farbe“. Das sei „nur ein Vorgeschmack auf das, was dann tatsächlich kommen wird“. Die Fed werde relativ schnell doch wieder die Zinsen senken und die Druckerpresse anschmeißen, um die Märkte zu stabilisieren, meint Friedrich. „Aber ein zweites Mal wie 2008/2009 wird meiner Ansicht nach nicht gelingen.“

    Zwar gebe es aktuell eine Korrektur, die „okay, gesund und wichtig“ sei. Aber der finale Kollaps, von dem Buchautor Friedrich („Sonst knallt’s“)  ausgeht, sei noch nicht da. Kommen werde er aber, ist sich Friedrich sicher. Alleine das Zeitfenster werde nicht größer, eher kleiner. Am Ende des Jahres werde die Börse deutlich niedriger stehen als aktuell, erwartet der Ökonom:

    „Wir werden ein schlechtes Börsenjahr erleben, wir werden Preisrückgänge erleben. Wenn natürlich die Notenbanken wieder planwirtschaftlich manipulierend eingreifen, die Zinsen in den Negativbereich senken und die Geldpressen wieder anschmeißen – wovon ich auch ausgehe –, dann kann man das vielleicht noch einmal stabilisieren und ein bisschen nach oben pushen. Aber die Zeit der riesengroßen Kursgewinne ist erstmal vorbei.“

    Das komplette Interview mit Marc Friedrich zum Nachhören:

    Das komplette Interview mit Folker Hellmeyer zum Nachhören:

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    Tags:
    Analyse, Kollaps, Finanzkrise, Absturz, Börse, US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Dow Jones, USA