20:38 20 Februar 2018
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    Robotisierte Laufbahn eines Autowerkes (Archivbild)

    3,4 Millionen Arbeitsplätze in Gefahr? Digital- und Unternehmerverbände uneins

    © AFP 2018/ Toshifumi Kitamura
    Wirtschaft
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    Paul Linke
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    Die Digitalisierung soll Millionen Arbeitsplätze gefährden, warnt der IT-Verband Bitkom. Der DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben widerspricht dem vehement.

    Der Digitalverband Bitkom e.V. hat auf Grundlage seiner Umfrage unter 500 Unternehmen davor gewarnt, dass in den kommenden fünf Jahren im Zuge der Digitalisierung 3,4 Millionen Stellen wegfallen könnten. Seit Mitte der neunziger Jahre seien in der deutschen Kommunikationstechnik 90 Prozent der Arbeitsplätze verloren gegangen. Ähnliches drohe nun Banken, Versicherungen und der Pharmabranche, warnte Bitkom-Präsident Achim Berg: „Wir haben die Unternehmen gefragt, wie fit sie sich für die Digitalisierung fühlen. Ungefähr 25 Prozent der Unternehmen mit über 20 Mitarbeitern haben gesagt, sie fühlen sich nicht fit dafür. Dadurch sind wir auf 3,4 Millionen Stellen gekommen, die wegfallen könnten“, sagte Berg gegenüber Sputnik.

    „Keine Panik“

    „Halt, Stop! Noch herrscht hier der Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt“, bemerkt Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). „Als ich anfing zu arbeiten, gab es keine Computer im Büro. Und als dann die Computer kamen, haben viele Sekretärinnen gesagt: Was wird mit meinem Job? Heute suchen wir händeringend nach Assistenten. Es gibt eine Umschichtung auf dem Arbeitsmarkt, aber es gibt überhaupt keinen Grund, in Panik zu verfallen“, sagt Wansleben im Sputnik-Interview.

    Aber das sei kein Erwartungsoptimismus „nach dem Motto: Wird schon werden“, sondern Aktionsoptimismus. „Wenn man nichts tut, wird es im Zweifel noch schlimmer, als Bitkom gesagt hat. Wenn man was tut, haben wir jede Chance, es hinzukriegen. Das ist uns in der Vergangenheit immer geglückt: Roboter, Computer bis hin zur Veränderung in der Landwirtschaft“, betont der DIHK-Geschäftsführer.

    Bitkom gehe es bei dem Thema nicht darum, Zukunftsängste zu schüren, sondern eine Warnung an Politik und Gesellschaft auszusprechen: „Digitalisierung mag Risiken haben, aber sie hat auch jede Menge Chancen. Es geht um grundsätzliche Veränderungen. Das ist die Aufgabe, die uns als Gesellschaft und Politik gerade ansteht. Dass wir genau diese Themen aktiv angehen. Und das war auch unsere Intention, als wir gesagt haben: Achtung, wenn wir nichts tun, gehen Arbeitsplätze verloren“, erklärt der Bitkom-Präsident.

    „Unternehmen brauchen Steuererleichterungen“

    Deswegen sei es auch dringend geboten, das Thema Steuern viel klarer zu verhandeln, fordert Wansleben im Hinblick auf die Regierungsbildung: „Denn am Ende sind es die Unternehmen, die investieren müssen in eine Zukunft, die heute ungewiss ist. Und deswegen brauchen sie Geld und eine gute Begleitung, um diese Risiken einzugehen.“

    Den Wachstumseffekten der Digitalisierung seien durch die bislang unzureichende Infrastruktur Grenzen gesetzt. Zudem verschärfe der vielerorts schlechte Zustand der Straßen sowie Schienen in Deutschland die Engpässe in der Verkehrswirtschaft. Diese Infrastrukturprobleme stellen perspektivisch auch Modelle der vernetzten Produktion infrage, bemängelte der DIHK-Hauptgeschäftsführer und forderte die Koalitionäre auf, hier zu handeln.

    Interview mit Martin Wansleben (DIHK) zum Nachhören:

    Stellungnahme von Achim Berg (Bitkom) zum Nachhören:

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    Tags:
    Wirtschaftswachstum, Wirtschaft, Arbeitsplätze, Arbeit, Computer, Roboter, Digitalisierung, Bitkom, Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Achim Berg, Martin Wansleben, Deutschland
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