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    Investitionsforum in Sotschi 2018

    Russische Autobahnen auf deutsche Art und der nördlichste Tee der Welt: Sotschi-Forum

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    Wirtschaft
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    Nikolaj Jolkin
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    Eine Autobahn mit deutschen Parametern wird im Gebiet Rostow in Südrussland gebaut. Russische Straßen sollen europäischen Standards angepasst werden. Das Projekt ist während des Investitionsforums in Sotschi am 15. und 16. Februar präsentiert worden.

    Mit Hilfe der deutschen Fachleute Bernhard Blum und Dr. Wenzel (BMW) wurde das Projekt anhand der Normen gestaltet, die für deutsche Autobahnen gelten, wie der Autor des Projekts Alexander Kussik im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin berichtete. „In Russland gibt es Straßen der Ordnung 1A, bei denen die Fahrgeschwindigkeit auf 110 km beschränkt ist. Bei den Autobahnen in Deutschland ist sie nicht beschränkt, aber die Anforderungen an unsere Straßen sind strenger, und damit ist auch der Umfang der Tiefbauarbeiten zweimal so groß.“

    Autor des Projekts der ersten russischen Autobahn Alexander Kussik
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Autor des Projekts der ersten russischen Autobahn Alexander Kussik

    "Ohne Geld keine Autobahn“

    Auch sei die sogenannte Straßendecke für 20 Jahre ausgelegt, während es in Deutschland 30 seien, so Kussik weiter.

    „Die Deutschen haben also eine dauerhaftere Konstruktion, folglich wird weniger repariert, was für die Autofahrer bequemer ist. Dies alles haben wir auch bei unserem Projekt, zunächst mal für 20 km, umgesetzt. Es sind aber Investitionen notwendig, rund 78 Mrd. Rubel (etwa 10 Mrd. Euro) Ohne Geld lässt sich auch in Deutschland keine Autobahn bauen.“

    Iwan Kablukow, „Hudway“-Chef aus Ischewsk, der Hauptstadt der Teilrepublik Udmurtien, hat sich überlegt, wie die Fahrer besser zu schützen wären, die gern am Lenkrad telefonieren, simsen oder auch einfach von der Handy-Navigationssoftware Gebrauch machen. Das Produkt seiner Firma wird bereits in 16 Länder geliefert, wobei Deutschland unter den drei ersten rangiert.

    „Deutschland ist ein Automobilland, und viele benutzen ihr Handy am Steuer und schauen nicht auf den Weg.“

    Bei 100 Stundenkilometern fahre man bekanntlich, wenn man sich für eine Sekunde ablenke, 30 Meter blind, führt der Firmen-Chef Studienangaben an. „Ein junger Mann vor 35 Jahren braucht beispielsweise bis zu zwei Sekunden, um sich am Handy ein Wegekreuz anzusehen. Ältere Menschen brauchen dazu drei bis vier Sekunden. Eine solche Ablenkung von der Straße ist gleichbedeutend mit einem Verkehrsunfall, denn das Risiko, dass es dazu kommt, ist 24 mal höher.“

    Iwan Kablukow, „Hudway“-Chef erklärt Vorzüge seines Produktes
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Iwan Kablukow, „Hudway“-Chef erklärt Vorzüge seines Produktes

    Exportschlager: Projektoren für gesprächslustige Fahrer

    Kablukow hat sich einfallen lassen, wie man beim Handy online bleiben und alle seine Funktionen im abgesicherten Modus nutzen kann.

    „Wir verwenden einen Projektionsbildschirm, der vor den Augen des Fahrers angebracht wird. Die gesamte Information vom Handy erscheint direkt über der Straße, auf der man fährt, und man kann, ohne sich abzulenken, SMS lesen und das Telefon per Spracheingabe betätigen: Die Hände sind dabei am Steuer, und der Blick ist auf die Straße gerichtet.“

    Ein BMW-X5 hat diese Option, die 1500 Euro kostet, als Standardausstattung. Allerdings ist der Markt für billigere bzw. gebrauchte Wagen ziemlich groß, und Kablukow bietet ihren Fahrern diese Option für 250 Dollar an: ein Gerät, das einfach am Armaturenbrett befestigt wird und mit jedem Handymodell funktioniert.

    Eine ähnlich originelle Lösung bietet er auch den deutschen Motorradfahrern an, die mit Schutzhelm und Handschuhen fahren, was die Benutzung eines Handys ausschließt. „In diesem Fall verwenden wir eine Linse mit Projektor für ein Auge. Man blickt also auf die Straße, im Projektor hat man zugleich das Handy, das die Gespräche mit der Gruppe ermöglicht, mit der man eben zusammen fährt. Wir machen eine Garnitur, die an jeder Art Helm befestigt werden kann und am Markt ca. 600 Dollar kosten wird.“

    Der nördlichste Tee der Welt

    Serafim Timtschenko, Generaldirektor der Vereinigung „Krasnodarski Tschai“ aus der Region Krasnodar, präsentierte auf dem Forum in Sotschi den nördlichsten Tee der Welt. Er hat sich die Aufgabe gestellt, nicht so sehr Investitionen zu sichern, sondern bei dem großen internationalen Forum in der Heimatregion „Flagge zu zeigen“, für sein Produkt zu werben, vor allem in Russland, da der Umfang der Produktion noch nicht für Ausfuhren ausreiche.

    Serafim Timtschenko (r.), Generaldirektor der Vereinigung „Krasnodarski Tschai“ (Region Krasnodar) präsentiert den nördlichsten Tee der Welt
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Serafim Timtschenko (r.), Generaldirektor der Vereinigung „Krasnodarski Tschai“ (Region Krasnodar) präsentiert den nördlichsten Tee der Welt

    Das Besondere am „russischen Tee“ sei laut Timtschenko, dass er herb ist, ähnlich dem Tee aus der Provinz Assam. „Er eignet sich bestens für den russischen Verbraucher. Bei uns in Russland trinkt man nämlich gern kräftigen Schwarztee, sogar einen etwas bitteren. Mit der Zeit werden wir uns aber auch die Möglichkeit überlegen, nach Europa, darunter auch nach Deutschland zu liefern. Dort leben ja viele unsere Landsleute.“

    Jede Region Russlands ist einmalig

    Zentral war beim Sotschi-Forum die Gelegenheit für viele russische und ausländische Geschäftsleute, sich hinter den Kulissen mit Chefs russischer Regionen, Ministern und internationalen Experten zu treffen, um sie auf ihre Projekte aufmerksam zu machen. Die staatlichen Institutionen Russlands haben ihr eigenes Interesse an solch einer Form des Austauschs. Er bietet die Möglichkeit, für die Wirtschaft in den jeweiligen Regionen Kapital einzuwerben. Denn jede von ihnen ist auf ihre Art einmalig, jede hat ihre starken Seiten: Naturverhältnisse, Arbeitskräfte, Infrastruktur. Deswegen auch lautet das Motto des Forums: „In russische Regionen investieren heißt in Russlands Zukunft investieren.“

    • Investforum Sotschi 2018
      Investforum Sotschi 2018
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    • Sputnik-Reporter vor der Live-Sendung
      Sputnik-Reporter vor der Live-Sendung
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    • Investitionen in Rostow-Gebiet
      Investitionen in Rostow-Gebiet
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    • Tee aus der Region Krasnodar
      Tee aus der Region Krasnodar
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    • Vize-Premier Olga Golodez erörtert neue Projekte am Rande des Forums
      Vize-Premier Olga Golodez erörtert neue Projekte am Rande des Forums
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