18:02 21 September 2018
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    Aufhebung des Nationalen Volkskongress, Peking (Symbolbild)

    Wie China die Formel zur garantierten Vernichtung der USA fand

    © AP Photo / Ng Han Guan
    Wirtschaft
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    Das Reich der Mitte begeht in diesem Jahr ein wichtiges Jubiläum: Vor 40 Jahren, 1978, begannen die chinesischen Reformen, die den damals hungernden und bösen sozialistischen Staat in das verwandelt haben, was wir heute sehen.

    Die Schlussfolgerungen, die die Chinesen angesichts dieser Reformen machen, sind manchmal sehr überraschend: So dreht sich nach ihrer Auffassung schon seit 40 Jahren der wohl stärkste „Motor“ der globalen Entwicklung – die chinesische Mittelklasse. Eigentlich ist das eine der letzten Ideen, auf die man kommen könnte, wenn man dieses „Reformen-Experiment“ Jahr für Jahr beobachtete. Aber so ist das nun einmal.

    Der Beginn der Reformen wurde erst gar nicht bemerkt

    Eigentlich wird das große Jubiläum erst im Dezember begangen, aber es wird sicherlich mehrere Monate lange gefeiert – also muss die ganze Kampagne schon jetzt gestartet werden.

    In der Geschichte der chinesischen Reformen gab es viele Episoden, die mit der Sowjetunion bzw. Russland verbunden waren, aber in Peking interessiert sich jetzt kaum jemand dafür. Denn beispielsweise dachte man in Moskau 1978 gar nicht, dass mit dem Plenum des ZK der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) im Dezember 1978 der Zusammenbruch des ganzen damaligen Systems beginnen würde. Der Gerechtigkeit halber muss man allerdings sagen, dass auch die Chinesen damals selbst noch nicht begriffen. Es ging um kleinere Experimente in einzelnen Regionen der Volksrepublik: Den Bauern wurde beispielsweise erlaubt, aus Kommunen und Brigaden auszutreten und eine Art Familienbetriebe zu bilden, ihre Produkte auf Märkten selbstständig zu verkaufen, usw.

    Diese Reformen führten sehr schnell zur Überwindung der damals ziemlich typischen Hungersnot im Reich der Mitte – allerdings nicht gleich 1979. Und die damalige sowjetische Führung könnte dieses historische Ereignis durchaus übersehen haben, zumal Peking den Verzicht auf den Sozialismus gar nicht verkündete – auch wenn von der alten Ordnung nur äußere Merkmale geblieben waren: Begriffe wie „Sozialismus mit chinesischen Merkmalen“, der Name der führenden Partei, usw.

    Zweitens hatte man in Moskau im Winter 1978/1979 auch andere Sorgen in der chinesischen Richtung, und zwar den Krieg zwischen China und Vietnam, der als „erster sozialistischer Krieg“ bekannt werden sollte. Beide Länder hatten genügend Gründe für diese Auseinandersetzungen: So hatten die Vietnamesen viele ethnische Chinesen von ihrem Territorium verdrängt und dadurch eine große humanitäre Krise in den jeweiligen Regionen ausgelöst. Die Sowjetunion musste sich viel Mühe geben, um Peking und Hanoi zu zwingen, den Krieg zu beenden – hatte dabei aber Erfolg.

    vietnamesische Soldaten während des Krieges zwischen China und Vietnam
    © Sputnik / A.Sjusin
    vietnamesische Soldaten während des Krieges zwischen China und Vietnam

    Das war übrigens das vorerst letzte Mal, dass die chinesische Armee außerhalb der Volksrepublik zum Einsatz kam. Und jetzt begeht das Land 40 Jahre absolut friedlicher Entwicklung vom damaligen „Arbeitslager“ bis zum aktuellen Spitzenreiter der Weltwirtschaft. Zum Vergleich: Die USA beteiligten sich in dieser Zeit an etlichen Kriegen.

    300 Millionen Verbraucher

    Es ist wohl zwecklos, all die fantastischen, aber wahren Zahlen anzuführen, die die Errungenschaften Chinas in diesen 40 Jahren illustrieren. Damit beschäftigen sich seit vielen Jahren Tausende Menschen im Reich der Mitte und auch außerhalb. Interessant war aber die Idee der damaligen chinesischen Propagandisten, die vor allem für das westliche Publikum bestimmt war.

    Die Idee war folgende: 1978 war China ein absolut abgeschlossenes und eigenständiges (und äußerst armes) Land, das keine Rolle in der Weltwirtschaft spielte. Jetzt aber zählt die chinesische Mittelklasse gut 300 Millionen Menschen (wobei die Gesamtbevölkerung der Volksrepublik bei 1,3 Milliarden Menschen liegt) und ist die wichtigste Kraft für die wirtschaftliche Entwicklung der ganzen Welt.

    Man könnte übrigens auch sagen, dass die chinesische Arbeiterklasse noch wichtiger ist, denn gerade sie stellt Produkte her, mit denen Lagerhäuser und Ladentische weltweit gefüllt werden.

    300 Millionen chinesische Verbraucher machen Experten zufolge aber etwa ein Drittel der ganzen globalen Mittelklasse aus. Und diese Menschen – die Verbraucher – gehen im Vorfeld eines Feiertags einkaufen und kaufen eben französisches Rindfleisch, deutsches Bier und skandinavischen Fisch. (Das ergab eine Studie in einer chinesischen Kleinstadt.) Chinas Import allein aus Griechenland ist in den letzten Jahren um 40 Prozent gewachsen. Güter aus Europa werden mit Tausenden und Tausenden Zügen nach China transportiert. Und auch mit Flugzeugen.

    Viele Chinesen gehen kaum einkaufen und bevorzugen den Online-Handel – und haben im vergangenen Jahr Importwaren für insgesamt 8,76 Milliarden Dollar bestellt.

    Dieser Import schadet keineswegs der Wirtschaft und der Handelsbilanz der Volksrepublik, vor kurzem haben die Behörden die Importzölle für viele im Ausland hergestellte Produkte zusätzlich gesenkt. Der innere Verbrauch – und nicht der Export samt Investitionen – hat zum chinesischen Bruttoinlandsprodukt 58,8 Prozent beigetragen. Die Staatsführung hatte sich um diesen Übergang vom Export zum inneren Verbrauch sehr bemüht – und es ist ihr gelungen.

    Chinesen im Einkaufszentrum Sanlitun Soho, Peking
    © Sputnik / Ilja Pitalew
    Chinesen im Einkaufszentrum Sanlitun Soho, Peking

    Jetzt verweisen die Chinesen darauf, dass allein die weltweiten Festlichkeiten am chinesischen Neujahrsfest einen riesigen Beitrag zum globalen BIP ausmachen.

    Demnächst sind wohl etliche neue Zahlen zu erwarten, die „beweisen“ sollen, dass der chinesische Import die wichtigste Triebkraft der Weltwirtschaft im Allgemeinen und einzelner Länder bzw. Regionen im Besonderen sei.

    Dabei geht es natürlich um nichts als Propaganda. Dadurch wird die These vorangetrieben, dass die Idee zur Beschränkung der Kontakte mit China, die in einigen Ländern, die ihre Führungsrolle gerade verlieren, ziemlich populär ist, für diese Länder den wirtschaftlichen Selbstmord bedeuten würde. Zugleich wird auch die Idee vorangebracht, dass niemand es wagen sollte, Peking zu militärischen Konfrontationen zu provozieren: Das wäre angesichts der aktuellen Struktur der Weltwirtschaft sowieso unmöglich. Ja, das ist Propaganda. Aber das ist auch die Wahrheit, die sich auf reale Fakten stützt.

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    Tags:
    Vernichtung, Krieg, Reformen, Bevölkerung, Bilanz, Handel, Import, Vietnam, UdSSR, USA, China