20:53 21 November 2018
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    „Viele Konfliktpunkte“: USA und EU kurz vor Handelskrieg

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    Wirtschaft
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    Dass die USA Importzölle auf Stahl erwägen, ist ein Beleg für stärkere protektionistische Trends in ihrer Politik, wie ein russischer Wirtschaftsexperte erläutert. Washingtons Pläne schüren Differenzen mit Europa – eine Verschlechterung der Beziehungen im Handelsbereich wäre nach Ansicht des Experten möglich.

    Igor Kowaljow von der in Moskau ansässigen Higher School of Economics wies in einem Gespräch mit Sputnik darauf hin, dass es regelmäßig zu Handelsstreiten zwischen den USA und der EU kommt.

    „Einmal ebben diese Streite ab, dann entbrennen sie erneut. Im Moment geschieht dies im Zusammenhang mit der Politik von Donald Trump, und zwar mit dem Versuch, sein Wahlkampfmotto umzusetzen, wonach Arbeitsplätze und Wohlstand für die Amerikaner gesichert werden sollen. Das läuft auf eine deutliche Verstärkung protektionistischer Elemente in der Politik der US-Administration hinaus.“

    „Dass die Bereitschaft erklärt wird, Importzölle auf Stahl einzuführen, ist eine Bestätigung dieser These. Die Chancen einer Verschlechterung beziehungsweise einer Zuspitzung der Handelsbeziehungen zwischen den EU-Ländern und den USA sind deshalb aus meiner Sicht ziemlich hoch“, so Kowaljow.

    Der US-Handelsminister, Wilbur Ross, hatte kürzlich mehrere Optionen vorgeschlagen, um amerikanische Hersteller zu schützen. In Betracht kommen insbesondere Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium. Margaritis Schinas, Sprecher der EU-Kommission, sagte im Gegenzug: „Wir sind bereit, schnell und angemessen zu reagieren, falls unser Export von irgendwelchen US-Handelsrestriktionen betroffen sein wird.“ Nach Angaben der „FAZ“ könnte die EU binnen Tagen Gegenzölle auf US-Waren beschließen, falls die geplanten US-Restriktionen doch europäische Unternehmen treffen. Beispielsweise könnten Motorräder und Bourbon-Whiskey mit diesen Gegenzöllen belegt werden, hieß es.

    Kowaljow kommentierte nun weiter, die Konkurrenz zwischen Amerika und Europa sei in vielen Bereichen sehr hart: „Zu erwähnen wären etwa komplizierte Beziehungen zwischen Boeing und Airbus im Flugzeugbau oder schwierige Verhandlungen über das Transatlantische Freihandelsabkommen, das offenbar wegen der ernsthaften Differenzen ausbleiben wird. Spaltungs- und Konfliktpunkte zwischen den USA und der EU im Außenhandelsbereich gibt es also ziemlich viele.“

    Der russische Experte Kirill Jakowenko von Alor Broker sagte der Onlinezeitung vz.ru: „Mit Hilfe einer Erhöhung von Importzöllen versucht Amerika, die Auslastung seiner eigenen Produktionskapazitäten zu steigern. Es ist allerdings unklar, wie dies erzielt werden soll, denn die Rohstoffproduktion in den USA verfällt. Noch dazu ist Amerika stark von Rohstoffimporten aus Kanada, der EU, Russland und Asien abhängig.“

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    Tags:
    Wahrscheinlichkeit, Embargo, Zoll, Streit, Konflikt, Sanktionen, Handelskrieg, US-Administration, EU, Donald Trump, Deutschland, Europa, USA