04:51 13 Dezember 2018
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    Schmelzung von Goldbarren (Archiv)

    Rekordreserven: Russland deckt sich massiv mit Gold ein – aber warum?

    © Sputnik / Pawel Lisitsyn
    Wirtschaft
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    Der Goldanteil an den Finanzreserven Russlands hat den historischen Rekordwert von 18 Prozent erreicht. Allein im Januar hat das Land fast 19 Tonnen des Edelmetalls eingekauft und damit China in diesem Bereich überholt. Experten erklären, wofür Russland das ganze Gold braucht.

    Im Moment belaufen sich die akkumulierten Finanzreserven Russlands auf stolze 454 Milliarden Dollar. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass die Anteilsstruktur der russischen Reserven sich im Laufe der letzten Jahre erheblich verändert hat. Innerhalb von nur zehn Jahren hat sich die aufbewahrte Goldmenge vervierfacht.

    Im Moment besitzt die russische Zentralbank 1857 Tonnen Gold mit einem Marktwert von 80 Milliarden Dollar.

    Damit gehört das Land zu den Top fünf Staaten mit den größten Sicherheitsreserven des Edelmetalls.

    Mehr Gold besitzen nur vier westliche Staaten – die USA, Deutschland, Italien und Frankreich.

    Insgesamt merken Experten an, dass vor allem Industriestaaten dazu neigen würden, ihre Finanzreserven in Gold aufzubewahren.

    Sinkende Abhängigkeit

    Vom Gold erhoffen sich die Staaten, die Abhängigkeit von den Schwankungen der Leitwährungen der Welt – allen voran dem Dollar und dem Euro – zu senken sowie sich vor möglichen Zahlungsausfällen bei hochverschuldeten Ländern wie etwa den USA abzusichern.

    „Das Gold ist in erster Linie eine Diversifikation der Risiken. (…) Im Falle eines Zusammenbruchs des Dollar-Systems wird Gold definitiv seinen Wert behalten“, erklärte der Finanzexperte Alexander Razuwajew in einem Interview für Sputnik.

    Die enormen Mengen des Edelmetalls könnten Russland also die notwendige Unabhängigkeit vom Dollar und dem Euro gewähren und somit die finanzielle Souveränität des Landes stärken.

    Potentielles Gegenmittel zu westlichen Sanktionen

    Auf der anderen Seite wäre es auch das Endargument für den Fall, dass der Westen seine größte Sanktionsdrohung ausführen sollte: Russland vom internationalen SWIFT-System abschalten.

    Das SWIFT-System (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) ist eine internationale Organisation, die den weltweiten Nachrichten- und Transaktionsverkehr zwischen Banken und Finanzinstitutionen gewährleistet.

    Die Abschaltung Russlands vom System würde bedeuten, dass das Land praktisch vom internationalen Finanzsystem isoliert wäre.

    Genau in diesem Fall aber könnte Russland bei seinen internationalen Handelsaktionen auf die Goldumrechnung umsteigen, so die Experten im Interview.

    „Das Gold ist in diesem Fall eine gute Alternative. Das ist ein Aktivposten, den sie immer schnell verkaufen können. Das ist ein Aktivposten, den Sie kontrollieren. (…) Wenn Ihre Goldbarren in der ‚Prawda-Straße‘ (Straße in Moskau, wo das Zentrallager der russischen Zentralbank beheimatet ist) liegen, hat Ihnen kein Amerika was zu sagen“, so Alexej Wjasowskij, Vize-Präsident des „Zolotoy Monetny Dom“ (zu Deutsch etwa: Goldmünzenhaus), einer russischen Goldinvestitionsgesellschaft.

    Ein Beispiel hierfür habe bereits der Iran geliefert. Als das Land unter strengste Finanzsanktionen geraten sei, habe es seine Goldreserven genutzt, um weiterhin Ölhandel zu treiben.

    Reaktion auf Emissionspolitik

    Die neue starke Nachfrage nach Gold seitens zahlreicher Staaten sei aber auch durch die starke Emissionspolitik verschiedener Länder hervorgerufen. Ob USA, Großbritannien, Europa, Japan oder China – sie alle würden immer öfter die Geldpresse anschmeißen und dadurch dem „Wert“ des Geldes schaden.

    Eine verstärkte Nachfrage nach dem stabilen Posten Gold sei daher logisch, meint auch der Leiter des Lehrstuhls für Finanzmärkte und Finanzingenieurswesen an der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Öffentlichen Dienst, Konstantin Korischenko.

    Wjasowskij wiederum unterstreicht in diesem Zusammenhang, man solle auch nicht vergessen, dass der Goldwert selbst immer weiter steige.

    Seit Januar 2017 sei der Wert des Edelmetalls in den russischen Reserven um 27 Prozent gestiegen.

    Und nicht zuletzt werde durch das Setzen auf Gold auch einer ganzen Wirtschaftsbranche in Russland neues Leben eingehaucht – der Goldminenindustrie.

    „Dieser Markt entwickelt sich schnell, große Golderzlagerstätten werden ausgebaut, Investmentprojekte werden ausgeführt. Trotz der Sanktionen zeigen ausländische Investoren großes Interesse an der russischen Goldminenindustrie“, betonte Wjasowskij abschließend.

    /NG/JÖ

     

     

     

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    Tags:
    Finanzreserven, SWIFT, Goldreserven, Golderzfeld, Ölhandel, Goldmine, Abhängigkeit, Gold, Dollar, Leitwährung, Euro, Souveränität, Sanktionen, russische Zentralbank, Japan, Iran, Italien, Großbritannien, Deutschland, USA, Frankreich, Russland, China