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03:28 20 Juli 2019
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    Steiler Aufschwung im Handel zwischen Russland und Thüringen – IHK Erfurt

    © AFP 2019 / ROBERT MICHAEL
    Wirtschaft
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    Armin Siebert
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    Nach Jahren der Krise ist der Handel zwischen Thüringen und Russland 2017 sprunghaft angestiegen. Exporte und Importe haben um ein Viertel zugelegt. Auch 2018 sind die Aussichten positiv. Es wird allerdings noch dauern, bis der Handel wieder den Stand vor den Russland-Sanktionen erreicht, so Mark Bremer von der Industrie- und Handelskammer Erfurt.

    Von Januar bis September 2017 sind die Exportlieferungen von Thüringen nach Russland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 32,1 Prozent auf 205 Millionen Euro gestiegen. Nach Hochrechnungen der Industrie- und Handelskammer Erfurt (IHK Erfurt) dürften sich die Ausfuhren bis zum Jahresende 2017 auf etwa 270 Millionen Euro belaufen. Das wäre dann rund ein Viertel mehr als 2016.

    Nicht nur Maschinenbau ist gefragt

    Am meisten gefragt sind in Russland Thüringer Produkte aus den Bereichen Automobil- und Zulieferindustrie, Produkte des Maschinenbaus sowie Metallerzeugnisse. Aber auch Produkte der Pharmaindustrie, Waren aus Kunststoffen und Werkzeugmaschinen werden nach Russland exportiert.

    Mark Bremer, Stellvertretender Abteilungsleiter für den Bereich International der IHK Erfurt, führt den Aufschwung im Handel mit Russland vor allem darauf zurück, dass die russische Wirtschaft wieder wächst. Das Bruttoinlandsprodukt hat in Russland 2017 um 1,8 Prozent zugelegt. Auch für den Import aus Russland verkündet Bremer positive Zahlen:

    „Im vergangenen Jahr hat sich der Import aus Russland von Januar bis September 2017 um 21,4 Prozent auf Waren im Wert von 49 Millionen Euro erhöht. Importiert werden vor allem Produkte aus Aluminium, Glas, Kunststoff und Metall“, so der Wirtschaftsexperte im Sputnik-Interview.

    „Es wird noch dauern, das Niveau von 2012 zu erreichen“

    Allerdings ist das Niveau der russisch-thüringischen Handelsbeziehungen noch nicht auf dem Niveau der Zeit vor der Krise. 2012 beliefen sich die Ausfuhren aus Thüringen nach Russland auf rund 421 Millionen Euro und hätten einen Anteil an den gesamten Exporten Thüringens von 3,3 Prozent ausgemacht. Bremer meint dazu:

    „Wir freuen uns, dass es hier wieder bergauf geht, und wir denken, dass das auch 2018 der Fall sein wird. Es wird allerdings noch eine Weile dauern, das Niveau von vor der Krise 2012 / 2013 zu erreichen.“

    Russland steht zurzeit auf Platz 12 der Länder, mit denen Thüringen den meisten Handel treibt. Auf den ersten Plätzen liegen die USA, Frankreich und Großbritannien.

    „Sanktionen sind immer ein Hindernis“

    Neben einer Wirtschaftskrise in Russland ist der Einbruch in den deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen vor allem auf die von der EU verhängten Sanktionen zurückzuführen. Besonders die ostdeutschen Bundesländer, die traditionell enge Handelsbeziehungen zu Russland pflegen, bekamen die Auswirkungen zu spüren. Laut Bremer betrifft dies in Thüringen allerdings vor allem spezialisierte Unternehmen:

    „Es gibt natürlich Rückgänge im Russlandgeschäft. Von den Sanktionen betroffen waren allerdings nur einzelne Bereiche, wie zum Beispiel Rüstungsgüter. In dieser Sparte gibt es relativ wenige Unternehmen, die aus Thüringen nach Russland liefern, wie verschiedene Firmen in Jena, die im Optikbereich auch an die Militärbranche liefern.“

    Die Ministerpräidenten der neuen Bundesländer, unter ihnen auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke), hatten sich im Januar in einer gemeinsamen Erklärung für eine Aufhebung der Russland-Sanktionen ausgesprochen. Die IHK Erfurt unterstützt diesen Aufruf generell, sieht solche Entscheidungen jedoch im Bereich der Politik:

    „Wir sehen natürlich, dass Sanktionen immer ein Hindernis sind, um Wirtschaftsbeziehungen aufrechtzuerhalten. Von daher würden wir es natürlich begrüßen, wenn die Sanktionen nicht vorhanden wären. Aber letztendlich ist das ein Primat der Politik. Eine Aufhebung der Sanktionen wäre sicherlich förderlich für die Geschäftsbeziehungen. Aber wie Sie wissen, sind die Sanktionen gerade erst wieder verlängert worden bis Juli 2018. Und es ist auch nicht abzusehen, dass sie schnell aufgehoben werden“, gibt der IHK-Abteilungsleiter zu bedenken.

    Die IHK Erfurt führt jedes Jahr Veranstaltungen zum Thema „Russland“ durch. Für dieses Jahr ist am 31. Mai ein Business-Roundtable „Russland“ in Zusammenarbeit mit den Deutschen Auslandshandelskammern (AHK) geplant. Thüringer Unternehmer sollen hier die Gelegenheit bekommen, sich über Marktchancen in Russland zu informieren.

    Das komplette Interview mit Mark Bremer (IHK Erfurt) zum Nachhören:

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    Tags:
    Partnerschaft, Handel, Waren, Import, Statistik, Aufhebung, Sanktionen, Maschinenbau, Thüringen, Deutschland, Russland