09:42 23 April 2018
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    Droht nun wieder ein Gaskrieg? – Kiew warnt vor Gasmangel in der Ukraine

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    Wirtschaft
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    Die krisengeschüttelte Ukraine dürfte am kommenden Wochenende mit einem Mangel an Erdgas konfrontiert sein. Wie der Chef des ukrainischen Versorgers Naftogaz, Andrej Kobolew, am Donnerstag in Kiew sagte, hatte sich der russische Gasgigant Gazprom geweigert, die Versorgung der Ukraine wiederaufzunehmen.

    Zuvor hatte Gazprom-Vizevorstandschef Alexander Medwedew bestätigt, dass die Ukraine für die März-Lieferungen verrechnet hatte. Aber Gazprom habe den Betrag zurückerstattet, weil ein Zusatzprotokoll zum Gasversorgungsvertrag immer noch nicht abgestimmt sei.

    Kobolew wies in einer Sitzung des Rates für nationale Sicherheit und Verteidigung darauf hin, dass vom 1. bis 4. März in der Ukraine extrem niedrige Temperaturen erwartet werden. „Deshalb dürfte es täglich an etwa 20 Millionen Kubikmeter Gas mangeln, die Naftogaz bei Gazprom kaufen wollte. Nach der Weigerung der russischen Seite wird Kiew versuchen, den Bedarf durch höhere Gaseinfuhren vom europäischen Markt zu decken. Aber auch in diesem Fall würde der Mangel nur zur Hälfte behoben.“

    Kobolew zufolge haben Betriebe den Gasverbrauch im Ernstfall zu senken und sich auf alternative Energieträger umzustellen, wie eine Anordnung des Energieministeriums vom 2. November 2015 vorsieht. Zudem sollten Wärmekraftwerke den Gasverbrauch um fünf bis zehn Prozent senken. „Ich schlage vor, diesen Plan vom Samstag, dem 3. März an, in Kraft zu setzen“, sagte der Konzernchef.

    Die Entscheidung von Gazprom, im März kein Gas an die Ukraine zu liefern, wurde von Naftogaz als ein Verstoß gegen den jüngsten Beschluss des Stockholmer Schiedsgerichtshofs gewertet. Somit mache die russische Seite die Erfüllung des Gerichtsbeschlusses unmöglich, wonach die Ukraine minimale Gasmengen in Russland kaufen müsse, hieß es in Kiew.

    Im vergangenen Dezember hatte das Stockholmer Gericht die Forderungen von Naftogaz und Gazprom gegenseitig aufgerechnet. Demnach hat Gazprom rund zwei Milliarden Euro an Naftogaz zu zahlen. Zugleich wurde die Ukraine verpflichtet, 2018 mindestens fünf Milliarden Kubikmeter Gas in Russland zu kaufen.

    Der Dauerstreit zwischen Russland und der Ukraine um die Gaspreise und Gasschulden hatte bereits früher mehrmals ernsthafte Konflikte zur Folge gehabt. So drehte Gazprom am 1. Januar 2009 den Gashahn für die Ukraine zu, weil Kiew Schulden in Milliardenhöhe immer noch nicht beglichen hatte. Kiew musste die in die EU führende Exportpipeline anzapfen, was zu Engpässen in mehreren europäischen Ländern geführt hatte.

    Schwere Gaskonflikte hatte es auch im Winter 2005/2006, 2007/2008 und 2014 gegeben.

     

    Tags:
    Lieferstopp, Engpässe, Naftogaz, Gazprom, Andrej Kobolew, Russland, Ukraine
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