20:13 16 Oktober 2018
SNA Radio
    Die Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries

    „Russland sollte seine Märkte stärker öffnen“ – Bundeswirtschaftsministerin Zypries

    © AFP 2018 / John MACDOUGALL
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    Paul Linke
    427190

    Die Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries bemängelt die Verschlossenheit und geringe Rechtstaatlichkeit des russischen Marktes. In dem Zusammenhang erinnert der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Wirtschaftsallianz, Dr. Vitaly Shmelkov, an die Sanktionen der EU gegen die Russische Föderation.

    Die Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) machte in ihrer Rede vor Wirtschaftsvertretern auf der 5. Russland-Konferenz des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft und der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) deutlich, dass es trotz der Sanktionen im vergangenen Jahr eine Trendwende in den deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen gab. Die Exporte nach Russland stiegen 2017 um 19 Prozent. 36 Prozent der befragten Unternehmen rechnen auch für 2018 mit Zuwächsen. 57 Prozent erwarten immerhin stabile Umsätze.

    Doch Zypries kritisierte gleichzeitig „protektionistische Tendenzen“ und eine „fehlende Rechtssicherheit“ in Russland: „Wir würden uns wünschen, dass sich Russland als WTO-Mitglied für seine wirtschaftlichen Partner noch stärker öffnet. Umgekehrt sind Maßnahmen zur Lokalisierung und Importsubstitution, wie in jüngster Zeit, dafür nicht förderlich“, kritisierte Zypries. Die Erfahrung der deutschen Wirtschaft zeige „eindrucksvoll“, dass eine internationale Ausrichtung und ein klarer Kurs gegen Protektionismus und Abschottung langfristig von großem Vorteil seien, betonte die Ministerin.

    Der Ehrenvorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Wirtschaftsallianz e.V. (DRWA), Dr. Vitaly Shmelkov, erinnerte in diesem Zusammenhang: „Die Russen haben keine Sanktionen gegen Europa initiiert. Im Gegenteil. Deutschland tritt als Mitinitiator gegen Russland auf. Wir sehen für uns bestimmte unbegreifliche Ereignisse. Kontoschließungen von bestimmten russischen Firmen und Businessleuten. Und das geht nicht von einem deutschen Finanzinstitut aus.“

    Ausgehend von seiner alten Funktion als Leiter der russischen Handelsvertretung in Berlin sei Dr. Shmelkov einerseits zufrieden. „Andererseits hatten wir 2012 einen Warenumfang von circa 82 Milliarden Dollar. 2016 hatten wir 46 Milliarden Dollar. Das waren fast 50 Prozent weniger. Jetzt haben wir wieder ein Plus von fast 20 Prozent. Das ist eine gute Nachricht. Aber so eine unstabile Entwicklung ohne nachhaltige Basis macht mir Sorgen“, sagt der Vorstandvorsitzende der deutsch-russischen Wirtschaftsallianz.

    In der bilateralen wirtschaftlichen Zusammenarbeit wünsche sich Shmelkov eine gute Atmosphäre. Doch leider könne er hier keine Priorität der deutschen Entscheidungsträger und der deutschen Politik feststellen: „Wenn sich diese Situation in Richtung besser Atmosphäre und Herzlichkeit, wie früher, ändert, dann gewinnen beide Seiten nur.“

    Seit 2003 vermittelt die Deutsch-Russische Wirtschaftsallianz zwischen russischen und deutschen Unternehmen auf den Gebieten der Hochtechnologie und Innovation, Luftfahrt und der regionaler Zusammenarbeit.

    Das komplette Interview mit Dr. Vitaly Shmelkov zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Pariser Historikerin sieht Deutschland als Problem für Beziehungen zu Russland
    GroKo spricht sich für Atomwaffen in Deutschland aus - Russland als Vorwand
    Deutschland als Speerspitze der Nato? – „Keine Bedrohung für Russland“
    Tags:
    Sanktionen, Partnerschaft, Unternehmen, Handel, Brigitte Zypries, Russland, Deutschland