19:07 20 Juni 2018
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    Nord Stream 2 (Archivbild)

    Entscheidung von Gazprom im Gasstreit mit der Ukraine war richtig – Energieexperte

    © Foto: Nord Stream 2 / Wolfram Scheible
    Wirtschaft
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    Natalia Pawlowa
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    Die Entscheidung vom russischen Energiekonzern Gazprom, Gaslieferverträge mit dem ukrainischen Gasversorger Naftogaz zu kündigen, bezeichnet der Ex-dena-Chef Stephan Kohler als richtig, weil das Urteil des Stockholmer Gerichtes zugunsten der Ukraine politisch motiviert war.

    „Wenn man das Urteil liest, hat man den Eindruck, dass es nicht nur an Fakten orientiert war, sondern dass es auch teilweise eine politische Argumentation ist und ein politisch gefälltes Urteil. Von daher finde ich es richtig und verständlich, dass Gazprom Revision dagegen eingelegt hat“, sagte der Energieexperte im Sputnik-Gespräch.

    Die Verträge hätten sowieso geändert werden müssen, meint der Geschäftsführer  von EnergyEfficiencyInvest-Eurasia. Er bezweifelt gleichfalls, dass eine gänzliche Kündigung der Verträge richtig wäre. Jedoch hob er hervor, dass Gazprom deutlich gemacht hätte, dass die Transitlieferungen nach Europa  nicht betroffen seien.

    Die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 würde dazu beitragen, Transitrisiken durch die Ukraine zu vermeiden.

    „Wir müssen feststellen, und das löst in Europa und in Deutschland immer mehr Sorge aus, dass die zur Verfügung gestellten Finanzmitteln für die Sanierung der Pipelines von der Ukraine nicht entsprechend eingesetzt werden. Europa stellt der Ukraine Investitionsmittel für die Modernisierung der Pipelinesysteme zur Verfügung, da die Systeme nicht mehr auf dem neuesten technischen Stand sind. Daher gibt es auch eine Diskussion in Brüssel, warum in der Ukraine die Mittel nicht richtig eingesetzt werden. Und deshalb denke ich, ist Nord Stream 2 schon eine notwendige Maßnahme, um eine Versorgungssicherheit zu garantieren, wenn es wirklich zum Ausfall der ukrainischen Pipelinesysteme kommen würde. Man hätte durch Nord  Stream 2 eine Alternative, um die Versorgungssicherheit in Europa zu garantieren.“

    Stephan Kohler wies darauf hin, dass Europa in den nächsten Jahren mehr Energie brauchen würde. Deutschland plane einen Ausstieg aus der Kernenergie. Es gebe auch eine intensive Diskussion über den Ausstieg aus der Nutzung von Kohle. In der neuen Koalition der Bundesregierung sei ein diesbezüglicher Plan festgeschrieben. In Holland gehe die Gasförderung zurück. Auch in Norwegen sei die Erdgasförderung rückläufig.

    „Wir brauchen einen stärkeren Erdgas-Import nach Europa. Da stellt natürlich Russland einen großen starken Partner dar, damit wir auch kostengünstiges Gas bekommen können. LNG (Flüssiggas) aus den USA ist viel teurer als Gas aus Russland. Um weiterhin wirtschaftlich wettbewerbsfähig zu sein ist es deshalb für Europa notwendig, Erdgasmengen für einen konkurrenzfähigen Preis zu bekommen. Ich denke, dass es verschiedene Pipelinesysteme geben muss.“

    Dass Europa weiterhin russisches Gas brauchen würde, steht laut dem Energieexperten außer Frage.

    „Europa kann nicht ohne Gas aus Russland die Energieversorgung sicherstellen. Das ist unmöglich. Da kann die LNG-Lieferung aus den USA nicht helfen. Man muss berücksichtigen, dass es nicht nur in Europa einen kalten Winter gibt, sondern auch in Nordamerika und in Kanada. Russische LNG-Tender sind nicht nur nach England, sondern auch während der Kältewelle in Nord-Amerika in die USA gefahren. Von daher ist die USA physisch nicht in der Lage, den Erdgasbedarf Europas und Deutschlands zu decken. Deshalb sind wir darauf angewiesen, Erdgas aus Russland zu beziehen. Wir müssen für die Schaffung eines freien Marktes sorgen.“

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    LNG, Lieferungen, Energie, Nord Stream 2, Naftogas, Gazprom, Europa, USA, Russland, Ukraine
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