05:19 21 Oktober 2018
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    „Business geht seinen Gang“: Genehmigungen für Nord Stream 2 in Deutschland

    © Foto: Nord Stream 2
    Wirtschaft
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    Alle notwendigen Genehmigungen für die geplante Gaspipeline Nord Stream 2 in Deutschland liegen nach Angaben der zuständigen AG vor. Nach Ansicht eines russischen Experten soll das Projekt allen Teilnehmern Vorteile bringen. Ein anderer Analyst beschäftigt sich unterdessen mit den US-Einwänden.

    Sergej Prawossudow, Chef der russischen Denkfabrik National Energy Institute, sagte gegenüber Sputnik im Hinblick auf die kürzlich erteilten Genehmigungen für Nord Stream 2 in Deutschland, das Projekt sei für alle Beteiligten vorteilhaft, zumal Nord Stream 1 bereits funktioniere und Profite bringe. Eine Verweigerung sei also kaum zu erwarten gewesen, so der Kommentar.

    Die neue Pipeline soll mehr Gaslieferungen aus Russland nach Europa ermöglichen. Die Nord Stream 2 AG hatte am Dienstag mitgeteilt, sie habe die Genehmigung für den Bau und Betrieb des Pipelinesystems in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone erhalten. Diese Genehmigung sei vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie erteilt worden, hieß es. Das Bergamt Stralsund hatte nach Angaben der AG bereits zuvor den Bau und Betrieb in deutschen Territorialgewässern und im Anlandebereich genehmigt.

    Jens Lange, Manager Genehmigungen Deutschland der Nord Stream 2 AG, unterstrich: „Wir freuen uns, dass nunmehr alle notwendigen Genehmigungen für den insgesamt 85 Kilometer langen deutschen Trassenabschnitt vorliegen.“

    Prawossudow wies darauf hin, dass das Projekt trotz des aktuellen politischen Zerwürfnisses zwischen dem Westen und Russland allmählich voranschreitet. „Skandale mit Diplomaten nehmen da keinen Einfluss. Das Business geht seinen Gang“, so der russische Experte. Am Montag hatten 16 EU-Länder sowie die USA, Kanada, Norwegen, die Ukraine und einige weitere Staaten beschlossen, russische Diplomaten auszuweisen, und zwar im Zusammenhang mit dem Fall Skripal. Die Regierung in London wirft Russland vor, in den mutmaßlichen Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia in Salisbury verwickelt gewesen zu sein. Moskau weist den Vorwurf strikt zurück.

    Ein weiterer Analyst der russischen Denkfabrik, Alexander Frolow, beschäftigte sich unterdessen mit den Einwänden der USA gegen Nord Stream 2. US-Außenamtssprecherin Heather Nauert hatte kürzlich gesagt, das Projekt werde Europas Energiesicherheit und Stabilität untergraben und Russland ermöglichen, europäische Länder stärker unter Druck zu setzen.

    Frolow schrieb in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Iswestija“, das Problem bestehe eigentlich nicht darin, dass die USA darauf aus seien, ihr Flüssigerdgas an die EU zu liefern und russisches Pipeline-Gas zu verdrängen: „Erstens stehen den USA keine ausreichenden Produktionsmengen zur Verfügung, und auch in den nächsten Jahren sind sie nicht zu erwarten. Zweitens bevorzugen, wie die Erfahrungen zeigen, die amerikanischen Gaslieferanten den lateinamerikanischen und asiatischen Markt – dort werden gute Preise geboten, die die Europäer nicht bieten können und nicht bieten wollen.“

    „Die negative Haltung der USA gegenüber Nord Stream 2 geht eher darauf zurück, dass die neue Gaspipeline der EU ermöglichen wird, unabhängige und für sie selbst günstige Entscheidungen zu treffen. Buhrufe aus Übersee könnten deshalb nur das Gegenteil bewirken, und zwar eine schnellere Umsetzung des Nord Stream 2-Projekts. Denn im Kampf zwischen politischen Losungen und der objektiven wirtschaftlichen Notwendigkeit siegt gewöhnlich die letztere “, so Frolow.

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    Tags:
    Vergiftung, Projekt, Druck, Gaslieferung, Pipeline, Nord Stream 2, Sergej Skripal, Ukraine, Norwegen, Kanada, USA, Europa, Russland, Deutschland