14:35 24 April 2018
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    Das Transportflugzeug An-225 mit dem sowjetischen Shuttle Buran (Archivbild)

    Flugzeugriese vor dem Aus? Experte: „Antonow hat keine Chancen mehr“

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    Nach dem Bruch mit Russland fristet der ukrainische Konzern Antonow (Antonov) laut seinem ehemaligen Vize-Chefkonstrukteur Anatoli Wownjanjko ein kümmerliches Dasein. Politikexperte Alexander Dudtschak erklärt, warum der traditionsreiche Kiewer Flugzeugbauer kaum noch gerettet werden kann.

    Vor drei Jahren hatte Antonow, weltweit bekannt durch die gigantischen Frachter An-124 und An-225, sämtliche Verbindungen zu den Kunden und Partnern in Russland gekappt und musste selbst die Produktion einstellen. 2017 wurde das 1946 gegründete Unternehmen de-jure liquidiert und vom Rüstungskonzern Ukroboronprom übernommen.

    Ende März dieses Jahres veröffentlichte der frühere Stellvertreter des Antonow-Chefkonstrukteurs, Anatoli Wownjanjko, einen Artikel, in dem er die jetzigen Zustände in dem Betrieb beschreibt. In seinem Beitrag mit dem Titel „Wie Antonow stirbt“ geißelt Wownjanjko insbesondere die Personalpolitik der letzten Jahre.

    „Seit 2015 wird die Leitung mit Managern besetzt, die keinerlei Bezug zur Luftfahrt haben. Das Einzige, wo sie erfolgreich sind, ist Selbst-PR“, schrieb Wownjanjko. Den Stand der ukrainischen Flugzeugbauindustrie bezeichnet er als eine „Katastrophe“.

    Auch Politologe Alexander Dudtschak sieht kaum Chancen, dass das weltweit bekannte Unternehmen gerettet wird.

    Das Schlimmste ist, dass die Tradition verlorengeht und die Erfahrungen nicht mehr von Generation zu Generation weitergegeben werden. Konstrukteure wandern aus: nach Russland, nach China, nach Europa“, sagte Dudtschak im Gespräch mit Sputnik. Das habe nach dem Maidan-Putsch begonnen und dauere schon vier Jahre. 

    „Vor dem Maidan hatte die Ukraine nämlich sehr vielversprechende Verträge mit Russland geschlossen, unter anderem einigte man sich auf den Bau von Dutzenden Flugzeugen. Die neue Regierung in Kiew hat diese Pläne durchkreuzt", so Dudtschak weiter.

    „Wenn ein Unternehmen keine Flugzeuge mehr baut, und nicht einmal aus den noch vorhandenen Teilen, so hat es keine Chancen mehr." Die neuen Aufträge, die die ukrainische Regierung herbeisehne, seien nichts weiter als Worte. „Denn die Kunden würden wohl einsehen, dass die Ukraine keine Flugzeuge im Alleingang bauen kann – ohne Kooperation mit Russland.“

    Wenn man das alles sofort stoppen könnte, könnte die Zerstörung des Unternehmens theoretisch noch verhindert werden. „Doch bei der jetzigen Politik hat Antonow keine Chancen mehr“, resümierte der Experte.

    Dollar und Griwna Banknoten
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    Nach dem Umsturz in der Ukraine 2014 hatte die neue, prowestliche Regierung in Kiew sämtliche Industrie- und Handelsbeziehungen mit dem damals noch wichtigsten Handelspartner Russland kappen lassen, um sich der EU zuzuwenden.

    Zwei Jahre später legte der Konzern Antonow, einst einer der bekanntesten Flugzeugbauer der Sowjetunion, die Produktion still. Topmanager Andrej Chaustow erklärte den Produktionsstopp mit dem Fehlen russischer Bauteile. Ende 2016 beantragte Antonow bei der Regierung in Kiew Subventionen in Höhe von 703,2 Millionen US-Dollar, um die eigenen Produktionskapazitäten zu sanieren und die russischen Zulieferteile zu ersetzen.

    Mitte 2017 beschloss die ukrainische Regierung die Auflösung des Antonow-Konzerns und seine Übernahme durch den staatlichen Rüstungskonzern Ukroboronprom.

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    Tags:
    Antonov, Flugzeugbauer KB Antonow, Petro Poroschenko, Russland, Ukraine
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