17:03 19 Oktober 2018
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    Möglichst schnell und möglichst genau: Die hohe Kunst der Krisenkommunikation

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    Wirtschaft
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    Andreas Peter
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    Krisenkommunikation gehört zu den schwierigsten Aufgaben für Politik und Unternehmen. Bei einer Konferenz dazu in Berlin hat Sputnik Alexander Jefimow interviewt, der für das russisch-niederländische Öl-Unternehmen Salym Petroleum arbeitet.

    Krisenmanagement: Eine der Situation angemessene Reaktion in Tat und Wort zu finden, wird für Akteure in Wirtschaft und Politik immer wichtiger. Wie wichtig, belegt die Vielzahl von Konferenzen, die sich mit Krisenkommunikation befassen. Die zuletzt von der Quadriga Privatuniversität ausgerichtete Konferenz in Berlin hatte erkennbar den Schwerpunkt der angemessenen Krisenreaktion von Unternehmen in sozialen Medien. Dennoch ergaben sich auch einige Schnittstellen zu aktuellen Diskussionen über Krisenmanagement in der Politik. Für Alexander Jefimow von der Firma Salym Petroleum Development gibt es sowieso kaum Unterschiede im Krisenmanagement für Politik oder Unternehmen:

    „Wenn wir über Krisen reden, dann reden wir meiner Meinung nach über zwei Dinge. Erstens: Wir können nicht agieren, als wäre nichts geschehen, sondern wir müssen damit umgehen. Und zweitens geht es um Vertrauen. Und daran gemessen ist sich Krisenmanagement in Politik und Unternehmen ziemlich ähnlich.“

    Alexander Jefimow ist Mitglied des Krisenkommunikation-Teams von Salym Petroleum Development, kurz SPD. Die SPD ist ein russisch-niederländisches Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in Moskau, das operativ in Sibirien tätig ist. Jefimow berät das Management in allen Fragen, die für eine angemessene Kommunikation im Krisenfall beantwortet werden müssen. In seinem Gastvortrag auf der Konferenz in Berlin stellte Jefimow die These auf: Manchmal braucht es eine Krise, um Herausforderungen in Möglichkeiten zu verwandeln. Im Fall von Salym Petroleum war das die Möglichkeit, im Krisenfall anders zu handeln als in der Branche üblich:

    „Meine Präsentation war dem speziellen Fall eines ernsten Defektes an einer Pipeline unseres Unternehmens gewidmet, die im schlimmsten Fall zu einer Ölverschmutzung mit Schäden für die Umwelt und das Image des Unternehmens hätte führen können. Im Gegensatz zu anderen Firmen, die normalerweise versuchen, sich bedeckt zu halten, wenn etwas schief läuft, führen wir unser Unternehmen nach den Prinzipien Vertrauen, Ehrlichkeit und Offenheit. So haben wir ein Video produziert, das alle Maßnahmen zeigt, die wir zur Behebung der Schäden und zur Bewältigung der theoretisch möglichen Probleme ergriffen haben. Das Video ist auf große Wertschätzung bei Interessenvertretern, zum Beispiel den regionalen Behörden gestoßen.“

    Dieses Video ist nach wie vor im Internet abrufbar. Für Alexander Jefimow ist eine solche Reaktion mehr wert, als in Geld auszudrücken ist. Denn Vertrauen aufzubauen, dauert manchmal Jahre – es zu zerstören, manchmal nur Sekunden. Deshalb ist Offenheit, um Vertrauen aufzubauen, für ihn in der Krisenkommunikation das A und O, gleichermaßen für Politik oder Unternehmen, einerlei ob auf den klassischen Kommunikationswegen oder in den sozialen Medien:

    „Sie haben tagtäglich Vertrauen aufzubauen zwischen dem Unternehmen und den Interessenvertretern. Es ist ein langer Weg, ein solches Vertrauen zu erlangen. Das Zweite ist die Geschwindigkeit und Genauigkeit der Informationen, die Sie gegenüber den Interessenvertretern zum Beispiel in den Sozialen Medien ausgeben. Die Welt ändert sich sehr schnell, und Information muss genauso schnell erfolgen, aber eben auch korrekt sein.“

    Genau darin schult Jefimow die Mitglieder des Krisenmanagement-Teams von Salym Petroleum. Denn neben seinen Standardaufgaben in der Geschäftsführung, alle für eine angemessene Krisenkommunikation notwendigen Unterlagen auf dem aktuellsten Stand zu halten, wie etwa Kontaktadressen, Handbücher, Pläne, Antworten auf immer wiederkehrende Fragen usw., bietet Jefimow auch spezielle Übungen an. Diese Aufgabe bezeichnet er im Gespräch mit Sputnik auch als seine bislang größte berufliche Herausforderung. Denn es sind Menschen, die Krisen bewältigen müssen. Es sei nicht nur schwierig und herausfordernd, eine Krise zu meistern, sondern vor allem, den Menschen, die das tun sollen, auch die dafür nötigen Fähigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln.

    Natürlich war auch Alexander Jefimow klar, dass eine Konferenz mit dieser Thematik in Berlin und mit einem russischen Gastreferenten in diesen Tagen angespannter Beziehungen zwischen Russland und Deutschland die Frage aufruft, ob die gegenwärtige Krise in den bilateralen Beziehungen auf der Konferenz eine Rolle spielte:

    „Wir hatten keine Diskussionen mit den Kollegen auf der Konferenz über dieses Thema. Aber natürlich kennen alle die Situation. Wir hatten schwierige Zeiten, und wir können damit umgehen. Die Situation wird besser werden. Mein Beitrag war rein fachlich, und ich habe meine Präsentation ganz an der Thematik ausgerichtet, die ich bereits beschrieben habe.“

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    Sicherheit, Pipeline, Kommunikation, Krise, Öl, Ölförderung, Deutschland, Russland