04:27 14 November 2019
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    Technologien, China (Symbolbild)

    Kauft China den Technologiestandort Deutschland auf?

    © REUTERS / Kim Kyung-Hoon
    Wirtschaft
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    Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt vor Wirtschaftsspionage durch Unternehmenskäufe. Besonders die chinesischen Investitionen in Deutschland bereiten Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen Sorgen. Alles halb so schlimm, sagt Chinakenner und Wirtschaftsjournalist Frank Sieren: Schließlich braucht Deutschland auch den chinesischen Markt.

    „Man braucht keinen Spionageangriff mehr durchzuführen (…), wenn man das Unternehmen aufkaufen kann“, sagte Verfassungsschützer Hans-Georg Maaßen letzte Woche auf einer Konferenz in Berlin und wies besonders auf chinesische Konzerne hin, die in Deutschland einkaufen. Für Deutschland werde dies zur Gefahr. Der Abfluss von Know-how gehe „auf Kosten des technischen Vorsprungs“.

    Technologien brauchen Märkte

    Grundsätzlich sei es gut, wenn sich China und Deutschland oder Europa enger verzahnen, meint hingegen Frank Sieren. Der Chinakorrespondent für das Handelsblatt und Bestseller-Autor (Der China-Code) erklärt im Sputnik-Interview:

    „Es nützt keine Technologie, wenn man keinen Markt dafür hat. Beim Verkauf von Kuka war es so, dass sich Kuka damit den Zugang zum chinesischen Markt gewissermaßen erkauft hat und jetzt 30 Prozent mehr Aufträge hat als zuvor. Das muss man natürlich im Einzelfall sehen. Sicherlich gibt es Technologien, wo man sagen würde, die sollen lieber nicht nach China gehen. Aber in der Regel ist es gut, wenn sich deutsche Technologie mit dem chinesischen Markt zusammentut, weil davon beide etwas haben.“

    EU-Richtlinien gegen chinesische Einkäufe?

    Die EU-Kommission will noch dieses Jahr neue Richtlinien erlassen, die nationalen Behörden mehr Befugnisse bei der Prüfung von Unternehmenskäufen und —übernahmen aus dem Ausland einräumen. Diese Richtlinien seien schon im Zuge der chinesischen Einkäufe in Europa entstanden, meint Sieren. Man müsse aber abwarten, was da wirklich entschieden werden würde. Denn:

    „In Europa gibt es sehr unterschiedliche Ansichten darüber, inwieweit man den Zugang von ausländischen Unternehmen in Europa begrenzen soll. Da wird es allenfalls einen Kompromiss geben. Wie der aussieht, ist jetzt noch nicht abzusehen. Grundsätzlich ist das natürlich sinnvoll zu überprüfen. Aber man sollte es nicht übertreiben und eine Situation entstehen lassen, wo in Deutschland und Europa Technologiefirmen entstehen, die dann nicht weiter wachsen können, weil sie keinen Zugang zum chinesischen Markt haben.“

    „Was Herr Maaßen so denkt“

    Die Bedenken europäischer Wirtschaftspolitiker würde man in China schon zur Kenntnis nehmen. Doch habe das Land auch andere Sorgen und Themen, um die es sich eher kümmern müsse als um die Frage, „was Herr Maaßen so denkt oder nicht denkt“, meint Sieren. Deutsche Politiker tragen sich demnach schnell mit der Vorstellung, man müsse nur irgendetwas sagen oder Spielregeln in die Welt werfen, damit diese dann „sofort hab acht steht und zuhört“.

    Im realen Alltag hingegen sei es eher so, dass man sich zusammensetzen und dann versuchen müsse, gemeinsame Spielregeln zu entwickeln. Im Alleingang vorzugehen und Dinge zu fordern, die vor allem den eigenen Interesse entsprechen, bringe relativ wenig.

    Standortfaktor Innovation

    Grundsätzlich komme es vor allem darauf an, auch in Zukunft innovativ zu bleiben, meint Sieren:

    „Wenn wir nicht mehr innovativ genug sind, dann sind wir auch nicht mehr interessant für die Chinesen. Selbst wenn ein Unternehmen übernommen worden ist, muss es weiter innovativ sein. Und wenn es innovativ ist, dann stellt sich gar nicht die Frage, ob man den Standort in Deutschland abbaut. Sondern man wird natürlich ausbauen und man wird versuchen, noch mehr dieser intelligenten Köpfe in dieses Unternehmen zu integrieren. Wir haben nur dann ein Problem, wenn wir nicht mehr innovativ sind. Dann wird es natürlich gefährlich. Wenn nichts Neues kommt und wir unsere alte Technologie verkaufen, kommen wir irgendwann in die Situation, dass wir mit leeren Händen dastehen bei den Verhandlungen: Wieviel Technologie geben wir den Chinesen, damit wir einen Anteil an deren Markt bekommen?“

    Das komplette Interview mit Frank Sieren zum Nachhören:

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    Tags:
    Technologien, Unternehmen, Spionage, Industrie, EU, Hans-Georg Maaßen, Deutschland, China