02:21 23 November 2019
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    Freiherrliches Wappen Rothschild

    Rothschild-Imperium geht an jungen Kumpel Trumps

    CC BY-SA 3.0 / Mathieu CHAINE / Grandes armes de la famille Rothschild
    Wirtschaft
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    Der Erbe des Rothschild-Finanzimperiums steht offenbar fest. Im Mai wird der 75-jährige David Rothschild zurücktreten und die Führung seinem 37-jährigen Sohn, Alexander, überlassen. Dieser ist unter anderem dafür bekannt, dass er schon seit langem gemeinsame Geschäfte mit Donald Trump machte.

    Und dafür, dass er die Familientraditionen quasi wiederhergestellt hat, indem er eine Jüdin heiratete. Sein Vater David hatte in der Familie als „Rebell“ gegolten, als er eine Christin heiratete.

    Um die Rothschild-Dynastie, die fast 300 Jahre alt ist, gibt es viele Legenden und Gerüchte, die teilweise aber von der Familie selbst verbreitet werden, der Dutzende Bankiers, Unternehmer, Industrielle und Philanthropen angehören. Als stärkster der insgesamt fünf Zweige dieses Clans gilt der französische, an dessen Sputze bis zuletzt David René James de Rothschild stand.

    Alexander Rothschild, Vertreter der siebten Generation der Familie (seit dem späten 17. Jahrhundert, als sie zum ersten Mal reich wurde), zitierte in einem Interview seinen Vater: „Sohn! Du bestimmst deinen Lebensweg selbst. Tu das, was du willst: Wenn du Tennis spielen willst, dann tu das einfach.“ Und bis vor kurzem war der Eindruck wirklich so, dass statt Alexander irgendein anderer Rothschild an die Spitze der Dynastie gestellt werden könnte.

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    Alexander studierte an der ESCE International Business School in Paris, aber seine Karriere begann nicht in den Rothschild-Unternehmensstrukturen. Er ging nämlich nach Großbritannien und arbeitete dort bei Unternehmen wie Jardine Matheson und Argan Capital. Dann zog er über den Großen Teich und arbeitete dort bei der Bank Bear Steans und der Bank of America. Sein junges Alter hinderte ihn nicht an der Anknüpfung von wichtigen Kontakten in den politischen und wirtschaftlichen Kreisen der Neuen Welt.

    Unter anderem lernte Alexander Rothschild Donald Trump kennen, der damals „nur“ Großunternehmer war. Mit der Bank Bear Steans, die wegen der Hypothekenkrise in den späten 2000er-Jahren große Verluste tragen musste, ist der jetzige US-Präsident durch viele Momente verbunden. Allerdings gehört Alexander Rothschild nicht zu seinem engeren Umfeld.

    Also war Alexander Rothschild damals ein „weißer Rabe“ und für fremde Unternehmen aktiv. Dem Familiengeschäft – Rothschild & Co. – schloss er sich erst 2008 an, als er schon viel älter war als viele seiner Verwandten (auch sein Vater), als sie diesen Schritt gemacht hatten.

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    Eigentlich könnten David und Alexander  Rothschild in einiger Hinsicht nicht noch unterschiedlicher sein. Rothschild Sr. gilt als Traditionszerstörer. So verstieß er beispielsweise gegen eine der wichtigsten Regeln: nur Jüdinnen heiraten. Seine Gattin Olimpia Aldobrandini stammt aus einer alten Adelsfamilie aus Florenz, der so genannten „aristocrazia negra“.  So werden 22 italienische Familien bezeichnet, die mit Päpsten verwandt sind.

    Alexander ist nun zu den Ursprüngen zurückgekehrt: Seine Auserwählte ist wieder Jüdin – Olivia Bordeaux-Groult. Ihrer Familie gehört die Gruppe Tipiak, einer der größten Nahrungskonzerne der Welt. Die beiden haben sich dank ihrem gemeinsamen Hobby kennengelernt: dem Reitsport. Man muss sagen, dass die ganze Familie Rothschild eine Schwäche für diese Sportart hat und viele internationale Wettbewerbe sponsert.

    Seit 2014 ist Alexander Vizepräsident der Rothschild & Co. Die Finanzholding erlebt gerade sehr gute Zeiten – nicht zuletzt dank dem hervorragenden Management, das riskante Anlagen lieber vermeidet.

    Das ist der Stil Alexander Rothschilds, der trotz seines relativ jungen Alters als sehr vorsichtiger Finanzier gilt.

    Die Aktiva der Rothschild & Co. werden auf etwa zehn Milliarden Dollar geschätzt, und insgesamt beläuft sich das Kapital des sich auf fünf Zweige verteilenden Clans auf ungefähr eine Billion Dollar. Dabei sind die Familienmitglieder nur selten ganz oben im "Forbes"-Ranking zu finden – ihr persönliches Kapital betrug fast nie mehr als „nur“ eine Milliarde Dollar.

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    Man muss sagen, dass die Einheit des Rothschild-Clans eher ein bedingter Begriff ist. Die fünf Zweige haben völlig unterschiedliche  Interessen. Das wohl einzige, was sie gemeinsam haben, ist, dass sie den Kampf gegeneinander lieber vermeiden.

    Innerhalb des Clans gibt es eine gewisse Konkurrenz zwischen dem britischen und dem französischen Zweig.

    Alexander vertritt den französischen Zweig, und der andere potenzielle Anwärter auf den Posten des Oberhauptes der Rothschild & Co., der in der Schweiz ansässige 46-jährige Nathaniel Philip Victor James Rothschild, stammt von der Insel.

    Gerade mit den „Briten“ ist eine im Jahr 2012 geschlossene „Union“ verbunden, die diversen Verschwörungstheoretikern einige Denkanstöße gab. Damals hatte Nathaniels Vater, der 76-jährige Jacob Rothschild, mit seinem alten Bekannten, dem 96-jährigen David Rockefeller, eine strategische Geschäftsallianz vereinbart. Dadurch wickelten die beiden wohl bekanntesten Unternehmensfamilien, die mehr als 100 Jahre lang gegeneinander konkurriert hatten, plötzlich einen Deal ab.

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    Es wird erwartet, dass Alexander in einer Geschäftsratssitzung am 17. Mai zum Chef von Rothschild & Co. ernannt wird.

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    Tags:
    Unternehmen, Business, Imperium, Finanzen, Erbe, Forbes, David Rockefeller, Donald Trump, Alexander Rothschild, Frankreich