22:07 06 Dezember 2019
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    DAX-Börse in Frankfurt am Main (Archivbild)

    Trumps neue Importzölle könnten Deutschland in Rezession stürzen

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    Wirtschaft
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    Das deutsche Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) vermutet, dass US-Präsident Donald Trump nicht nur Amerika und seine Arbeiter schützen, sondern vielmehr der Konkurrenz schaden will. Die Deutschen sind dabei vor allem um ihre eigene Wirtschaft besorgt, die in Rezessionsgefahr schwebt.

    Der Grund zur Sorge ist ziemlich groß: Erst im März hatten die IMK-Experten das Rezessionsrisiko auf 6,8 Prozent geschätzt. Jetzt aber, nur einen Monat später, ist die Wahrscheinlichkeit auf 32,4 (!!!) Prozent gestiegen.

    „Präsident Trumps Flirt mit dem Protektionismus sendet Schockwellen aus, die über die Finanzmärkte auch die deutsche Wirtschaft treffen“, sagte der IMK-Direktor Gustav Horn.

    Der aktuelle Boom der deutschen Wirtschaft dauert schon seit fünf Jahren, was ziemlich lang ist, wenn man die Wirtschaftsprobleme vieler anderer Länder der Alten Welt bedenkt. Die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik ist dermaßen gering, dass Unternehmen oft auf neue Aufträge verzichten müssen – aus Personalmangel. Erwähnenswert ist auch der jüngste Steuereinnahmen-Rekord der Bundesregierung.

    Doch es stellt sich plötzlich heraus, dass die Kraft der exportorientierten deutschen Wirtschaft sich gleichzeitig auch als ihre Schwäche entpuppen könnte. Denn der „Protektionist“ Trump ist mit den Ländern, mit denen die USA ein Handelsdefizit haben, sehr unzufrieden. Neben China und Japan griff der exzentrische Präsident auch Berlin öfter verbal an, dem er vorwirft, der US-Wirtschaft alle Säfte auszusaugen. Deutschland weist diese Vorwürfe jedoch zurück und verweist darauf, dass die deutschen Investitionen in Übersee Hunderttausende Arbeitsplätze schaffen.

    Trumps Beschuldigungen sind nicht gerade neu, aber früher gingen sie nicht über verbale Angriffe auf Twitter hinaus. Jetzt aber scheint er zu aktiven Schritten entschlossen zu sein. Die Erhöhung der Zolltarife für chinesische Waren lässt vermuten, dass er auch auf die deutsche Konkurrenz losgehen könnte.

    Aber wenigstens hat der US-Präsident keine gegen konkrete deutsche Firmen gerichteten Tariferhöhung wie gegen Unternehmen aus dem Reich der Mitte beschlossen. Allerdings glauben Finanzexperten, dass auch seine bloßen Aussagen Turbulenzen auf den Finanzmärkten auslösen können. Außerdem könnte Trump später auch Importzölle gegen Amerikas Verbündete einführen.

    Im Falle Deutschlands wird Experten zufolge der Zorn der europäischen Länder wegen der sinkenden Wirtschaftswachstumsprognosen eher gering sein. Allerdings teilen die europäischen Länder im Allgemeinen Trumps Besorgnis über die Stärke der deutschen Wirtschaft, und zwar vor allem, weil sie großenteils auf Kosten des ganzen europäischen Kontinents gewachsen ist. Das ist auch wahr: Die Bundesrepublik hat von der Bildung der Eurozone enorm profitiert, in der sie die einheitliche Währung gegen die Länder ausnutzt, die ihr wirtschaftlich unterlegen sind.

    Wenn Deutschland immer noch die D-Mark hätte, dann wäre sie jetzt viel teurer als der Euro. Und der Euro ist sehr günstig für Deutschlands exportorientierte Wirtschaft – im Unterschied beispielsweise zu den Wirtschaften der südeuropäischen Länder.

    Natürlich ist Trump nicht der erste US-Präsident, der über den (für die Deutschen) lukrativen Handel der Bundesrepublik, ihren positiven Handelssaldo und Berlins harte Sparmaßnahmen beunruhigt ist, zu denen es auch die anderen Europäer zwingt. Bereits Barack Obama hatte mit Angela Merkel gestritten und verlangt, dass Deutschland die Verbrauchernachfrage und den Import aus anderen europäischen Ländern fördert und nicht nur die deutsche exportorientierte Wirtschaft festigt, ohne auf die Nachbarländer zu achten.

    Angesichts ihrer Studienergebnisse rufen die IMK-Experten die Kanzlerin auf, die Ausgaben für die Festigung der deutschen Binnenwirtschaft auszubauen, ohne die instabilen exportorientierten Branchen weiter zu festigen.

    Die Förderung der Nachfrage auf dem deutschen und europäischen Binnenmarkt würde zwei positive Folgen haben, zeigte sich Gustav Horn überzeugt. Erstens würde das Wirtschaftswachstum dann weniger von Erschütterungen auf globalen Exportmärkten abhängen. Und zweitens würde die wachsende Nachfrage auf dem Binnenmarkt das deutsche Handelsprofizit senken und damit Trumps Pläne durchkreuzen, erläuterte der Ökonom.

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    Tags:
    Schwäche, Risiken, Rezession, Arbeitslosigkeit, Gefahr, Wirtschaft, Handelskrieg, Zölle, Export, Handelsdefizit, D-Mark, Twitter, Barack Obama, Donald Trump, USA, Deutschland