14:13 14 November 2018
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    Goldbarren (Symbolbild)

    „Anzeichen für Misstrauen“: Warum die Türkei ihr Gold aus den USA abzieht

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    Wirtschaft
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    Nachdem die Türkei ihre Goldreserven aus den USA abgezogen hat, weisen russische Experten auf die Differenzen zwischen diesen beiden Ländern hin und kommentieren auch generell die Situation mit ausländischem Gold in den Vereinigten Staaten.

    Andrej Kotschetkow, Analyst von Otkritie Broker, sagte gegenüber Sputnik: „In letzter Zeit betreibt die Türkei eine ziemlich unabhängige Politik, die zum Teil den Interessen der USA widerspricht. Um sich eine höhere finanzielle Unabhängigkeit zu sichern, stockt die Türkei ihre Goldvorräte auf und konzentriert sie auf ihrem eigenen Territorium.“

    Dass die Türkei bereits im vergangenen Jahr ihr Gold aus den USA geholt hatte, geht aus dem jüngsten Jahresbericht der türkischen Zentralbank hervor. Demnach war gegen Ende 2017 kein türkisches Reserven-Gold mehr in den USA deponiert – im Gegensatz zu mehr als 28 Tonnen im Jahr zuvor. Insgesamt betrugen die türkischen Goldreserven gegen Ende 2017 rund 525 Tonnen.

    Nikita Maslennikow, Finanzexperte der russischen Denkfabrik INSOR, sagte nun dem Sender RT: „Das ist eine gewisse diplomatische Botschaft der Türkei an das Weiße Haus in Bezug auf die Syrien-Differenzen und den Beistand für die Kurden, den die Türkei als direkte Bedrohung für ihre nationale Sicherheit betrachtet.“

    Alexej Wjasowski, Vizepräsident des russischen Goldmünzenhändlers Solotoj Monetny Dom, wies in einem Gespräch mit der Onlinezeitung vz.ru darauf hin, dass sich die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA längst zugespitzt hätten: „Die türkischen Behörden denken zu Recht darüber nach, was mit ihrem Gold geschieht, falls alles den Siedepunkt erreicht. Dieses Gold könnte gesperrt, unter Arrest gestellt werden und so weiter. Deshalb ist es rational, um seine Rückgabe zu bitten, solange es noch geht.“

    Generell sagte Wjasowski: „Der aktuelle Status des Dollars als Reservewährung und Hauptwährung des Welthandels ist nicht zuletzt auf den Vorgang der Gold-Akkumulierung in den USA zurückzuführen.“

    Bei einem historischen Rückblick verwies vz.ru auf die einstigen Goldankäufe an der US-Börse durch westeuropäische Länder. Kirill Jakowenko von Alor Broker kommentierte: „Stellen Sie sich vor: Das Gold liegt in Fort Knox oder West Point und wird von einer der damals weltstärksten Armeen bewacht. Es wäre teuer und riskant gewesen, dieses Gold nach Europa zu transportieren und dort aufzubewahren. Deshalb landeten die Goldvorräte der meisten europäischen Länder mit ihrer eigenen Zustimmung eben in den USA.“

    In Bezug auf jene Staaten, die sich nun für eine Gold-Ausfuhr aus den USA entscheiden, sagte Kotschetkow weiter gegenüber Sputnik, jeder habe seine formalen Gründe dafür: „Doch wie auch immer dies bezeichnet wird, sind solche Maßnahmen ein Merkmal des Misstrauens gegenüber dem Hauptbewahrer von Werten der westlichen Welt. Zu oft greift Washington in seiner Politik mittlerweile zu finanziellem Druck: Mittel missliebiger Länder werden gesperrt, Banksysteme abgeschaltet und so weiter.“

    Die russische Zentralbank bewahrt ihre Goldreserven in Russland auf. „Wir vertrauen unser Gold niemandem an“, sagte Anatoli Aksakow, Chef des Finanzmarkt-Ausschusses der russischen Staatsduma.

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    Tags:
    Interessen, Goldreserven, Russlands Zentralbank, Russland, Syrien, USA, Türkei