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    Francesco Lo Iudice, Chef der Handelskammer der Maghreb-Länder und Russlands

    Italiener finden Weg zu legaler Umgehung der Russland-Sanktionen

    © Sputnik / Riccardo Pessarossi
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    Italienische Firmen finden nun offenbar eine Möglichkeit, die Anti-Russland-Sanktionen durch den Handel mit Drittländern wie beispielsweise Tunesien zu umgehen. Details erfuhr Sputnik von dem italienischen Unternehmer und Chef der Handelskammer der Maghreb-Länder und Russlands, Francesco Lo Iudice.

    Zurzeit führe Russland jährlich nach Tunesien Waren im Gesamtwert von 800 Millionen US-Dollar aus, Die tunesischen Exporte nach Russland, vor allem Fisch und Lebensmittel, würden nur noch 20 Millionen US-Dollar betragen, sagte Iudice, der das 4. Internationale Wirtschaftsforum in der Stadt Jalta auf der Krim besuchte. „Wenn Tunesien seine Ausfuhr von 20 Millionen auf zumindest 40 Millionen erhöhen würde, wäre dies ein großer Erfolg für das Land".

    Er wollte auch das Ziel seiner Reise nach Jalta nicht verheimlichen: „Ich besuche das Forum in Jalta, um die Exporte nach Russland zu vergrößern", sagte Iudice und betonte unter anderem die Wichtigkeit des religiösen Faktors: Tunesien sei ein Land des sunnitischen Glaubens, und in Russland würden auch 20 Millionen sunnitische Muslime leben.

    Francesco Lo Iudice, presidente della Camera di Commercio Magreb-Russia.
    © Sputnik / Riccardo Pessarossi
    Francesco Lo Iudice, presidente della Camera di Commercio Magreb-Russia.

    Da Tunesien „kein Teil des strengen Schemas der EU-Länder" sei, die immer wieder ihre antirussischen Sanktionen verlängern würden, könnte es zu einem „neutralen Gebiet" für den italienisch-russischen Handel werden. Die Sanktionen könnten umgangen werden, ist Iudice überzeugt: „Nun könnten Wein, Käse und landwirtschaftliche Produkte aus Italien über Tunesien nach Russland exportiert werden. Dabei schaffen wir nichts Neues, wir nutzen nur die bestehenden Möglichkeiten".

    Bei dem Interview mit Sputnik ging der Handelskammerchef sogar auf einige Details der Überwindung des Handelsverbots ein: „Alle zwei Wochen kommt ein Frachtschiff mit italienischen Lebensmitteln aus (der tunesischen Hafenstadt — Anm. d. Red.) Sfax nach Noworossijsk. Alles ist legal, denn gegen Tunesien ist kein Embargo verhängt, und wir haben Zertifikate des russischen Amtes für tierärztliche und phitosanitäre Kontrolle".

    Heutzutage komme der Großteil der russischen Fleisch- und Geflügelimporte aus Brasilien und Argentinien, betonte Iudice. Einmal hätten hier ganz andere Länder die wichtigste Rolle gespielt wie Frankreich, „wo viele Fabriken geschlossen wurden, weil ihnen der Weg zu den Märkten abgeschnitten wurde", so Iudice. Er machte unter anderem darauf aufmerksam, dass die Auswirkungen der Sanktionen unumkehrbar seien:

    „Es ist vor allem für die italienischen Unternehmer wichtig zu verstehen: Was verloren ist, ist verloren. Die Exporteure, die die Märkte nach der Einführung der Sanktionen besetzt haben, bieten Waren guter Qualität zu guten Preisen an", warnte er.

    „Es ist daher naiv, darauf zu hoffen, dass wir direkt nach der Aufhebung der Sanktionen die verlorenen Märkte wieder erobern werden. Es wird sehr schwierig sein, das zu tun, weil die Kunden sich an andere Produkte gewöhnt haben". Selbst wenn die Italiener die russischen Märkte zurückbekommen würden, würden sie die Preise stark reduzieren müssen. Allerdings brauche niemand einen „Handel, bei dem Geld verloren wird".

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    Tags:
    Wirtschaftsforum, Handel, Umgehen, Sanktionen, Jalta, Krim, Tunesien, Italien, Russland
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