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    US-Sanktionen: Deutsche Firmen in Russland rechnen mit Merkels Hilfe

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    Wirtschaft
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    Vor dem Besuch von Angela Merkel in Washington erwarten die in Russland tätigen deutschen Unternehmen, dass die Bundesregierung Erleichterungen für deutsche Firmen erreicht, die von den jüngsten Sanktionen betroffen werden können. Dies geht aus einer Pressemitteilung der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) hervor.

    In der am heutigen Donnerstag veröffentlichten Mitteilung verweist die AHK auf ihre im April 2018 durchgeführte Umfrage, an der 154 deutsche Unternehmen teilgenommen haben. Angesichts der am 6. April von den USA gegen Russland verhängten Sanktionen, von denen auch Bürger von Drittländern betroffen werden könnten, würden die in Russland tätigen deutschen Unternehmen „direkte Einschnitte" in ihrem Russland-Geschäft befürchten, heißt es im Kommentar zu der Umfrage.

    „Die befragten Unternehmen sehen sich etwa durch bestehende Geschäftsbeziehungen mit sanktionierten Firmen und Personen direkt betroffen und erwarten Umsatz- und Lieferausfälle bereits im laufenden Geschäftsjahr. Weitere Schäden entstehen bereits jetzt durch zurückgezogene Aufträge, eingestellte Projekte und die Rubelabwertung im Zuge der Sanktionseinführung", heißt es in der Mitteilung.

    Demnach fordern 79 Prozent der Firmen, dass „die Bundesregierung die neuen Sanktionen öffentlich kritisiert und darauf hinwirkt, dass deutsche Firmen und Firmenvertreter von amerikanischer Seite nicht wegen ihrer Russlandgeschäfte belangt werden". Weitere 19 Prozent würden der öffentlichen Kritik eine Lobbyarbeit vorziehen und wollen, dass die Bundesregierung diese Ziele hinter den Kulissen verfolge.

    68 Prozent der Firmen rechnen damit, dass sie „mittelstark bis sehr stark" von den neuen US-Sanktionen vom 6. April betroffen sein würden.

    Der gesamte kurzfristige Schaden durch die Sanktionen für das laufende Geschäftsjahr belaufe sich auf die Summe von 271 bis 377 Millionen Euro. Mittelfristig werde der gesamte Schaden auf 0,82 bis 1,5 Milliarden Euro geschätzt.

    „Hochgerechnet auf das Gesamtengagement der deutschen Wirtschaft in Russland drohen Milliarden-Einbußen, wenn deutsche Unternehmen von dritter Seite in Geiselhaft genommen werden", sagte der AHK-Vorstandschef, Matthias Schepp.

    Die AHK-Mitgliederunternehmen seien gebeten worden, negative Auswirkungen der Sanktionen konkret zu beschreiben, heißt es im Kommentar der AHK zu den Ergebnissen der Umfrage. Als Reaktion teilten die Befragten unter anderem mit, dass sie eine Umorientierung der russischen Wirtschaft mach Asien, schwindendes Vertrauen in deutsche Firmen seitens russischer Geschäftspartner sowie eine weitere Verschärfung der russischen Importersatz-Politik erkennen würden.

    Dennoch wollen die AHK-Mitgliedsfirmen am russischen Markt offenbar festhalten: Nur 10 Prozent würden eine Reduzierung ihres Engagements planen, 70 Prozent hätten sich bereit erklärt, ihre Aktivitäten und Investitionen auf dem gleichen Niveau beizubehalten, 20 Prozent hätten sogar eine Erhöhung von Aktivitäten und Investitionen im russischen Markt angekündigt.

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    Tags:
    US-Sanktionen, Auswirkungen, Unternehmen, Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK), Matthias Schepp, Deutschland, Russland