12:05 21 September 2018
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    Gold (Symbolbild)

    Goldpreis-Anstieg nach „Crash“ im Juni? – Warum Aktien und Silber nicht mithalten

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    Wirtschaft
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    Alexander Boos
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    Der Goldpreis: Seit einiger Zeit stagniert er. Dennoch sehen einige Experten einen baldigen Kursaufschwung. Sputnik hakt nach, auch aus Anlegersicht. „Bis Jahresende sehe ich einen Anstieg“, so Gold-Experte Dimitri Speck. „Wenn Aktien fallen, steigt Gold“, sagt Finanz-Fachmann Jochen Stanzl. „Silber als gute Ergänzung“, so Analytiker Martin Siegel.

    „Der Goldpreis ist aktuell weder besonders günstig noch besonders teuer“, sagt Martin Siegel, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft „Stabilitas“, gegenüber Sputnik. Aktuell steht der Preis je Unze bei etwa 1312 Dollar (rund 1099 Euro). „Der Preis ist fair bewertet, wenn man sich Alternativen wie Immobilien oder Aktien anschaut. Denn diese befinden sich auf einem Allzeithoch.“ Die Ursache hierfür liegt für den Experten in der gegenwärtigen „Explosion der Geldmenge“.

    Die Zentralbanken fluten den Geldmarkt, „um die ganzen Schuldentöpfe, siehe Bankenkrise, zu bewältigen.“ Gold wiederum sei derzeit von einem Allzeithoch noch weit entfernt. Doch das bedeutet laut ihm: Das Edelmetall habe ein gutes Aufwertungspotential und könne noch etwa 50 Prozent nach oben schießen. Gold werde dann wieder zu einer wirklichen Alternative. Auch weil Aktien wie auch Immobilien keine wirklichen Anlagealternativen zum Gold böten.

    Der Goldmarkt-Experte spricht in einem aktuellen Beitrag für ein Fach-Finanzmagazin von einer „Seitwärtsbewegung beim Goldpreis“. Der Preis setze sich markttypisch zusammen. „Der Goldmarkt wird von vielen sehr starken Interessen dominiert“, betont Siegel. Daher könne er keine Voraussage treffen, wo der Goldpreis in den nächsten Monaten oder bis Jahresende stehen werde.

    Magische Grenze: „Wenn der Goldpreis die 1350 Dollar knackt …“

    „Der Goldpreis ist in der Tat in einer Art Seitwärtsbewegung“, bestätigt auch Finanzanalytiker Dimitri Speck aus München im Sputnik-Interview. Allerdings mit deutlicher Tendenz: Seit Ende 2015 steige der Preis. „Er befindet sich aktuell an einem Widerstand bei etwa 1350 US-Dollar, und es wird interessant sein, zu sehen, was passiert, wenn er diese Marke durchbricht.“

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    Bullen-Markt und Bären-Markt

    Seit Ende 2013 gebe es eine „mögliche Bodenbildung im Goldpreis“. Das erklärte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalytiker für Deutschland und Österreich bei „CMC Markets“ in Frankfurt am Main, gegenüber Sputnik. „Wenn wir uns die gesamte Historie über die letzten 20 Jahre anschauen, dann hatten wir einen Bullen-Markt (ansteigender Preis) von September 1999 an. Damals hatten sich die westlichen Zentralbanken darauf geeinigt, eine Obergrenze für die maximale Verkaufsmenge von Gold einzuführen. Dann hatten wir ein Hoch im Herbst 2011 bei 1900 Dollar je Unze. Und seitdem eigentlich einen Bärenmarkt (fallender Preis).“

    In letzter Zeit gab es laut dem Fachmann jedoch eine Stabilisierung. Er sagt: „Wenn wir über 1360 Dollar je Unze nach oben ausbrechen – das versucht der Markt seit Januar diesen Jahres – könnten wir das technisch als Beginn einer neuen Aufwärtsbewegung sehen und einstufen.“ Dann würde der Preis nach oben gehen. Das wäre dann eine wirklich positive „bullische Bewegung“. Aktuell sehe er diese jedoch noch nicht. Ihm fehle bisher noch der Verkaufsdruck auf dem Goldmarkt, besonders noch ein Auslöser, eine Nachricht oder ein Ereignis, „um den Markt und den Preis nach oben zu bringen“. Dann werde Gold sicherlich auch wieder für mehr Marktteilnehmer interessant. Für Anleger hat Stanzl folgenden Tipp: „Achten Sie darauf, ob der Unzenpreis 1360 Dollar übersteigt.“

    „Silber für Anleger nicht riskanter als Gold“

    „Silber ist immer eine Ergänzung“, erklärte Gold-Experte Siegel im Gespräch mit Sputnik. „Silber ist für spekulative Anleger eine gute Alternative, weil bei einem steigenden Goldpreis auch das Interesse an Silber wieder wachsen wird.“ Er betonte, der Silberpreis steige immer schneller als der Goldpreis, denn es gebe eine sehr enge Wechselwirkung. „Einfach, weil der Silbermarkt kleiner ist. Etwa 90 Prozent der Faktoren, die den Silberpreis-Anstieg erklären, lassen sich allein auf den Goldpreis-Anstieg zurückführen.“ Silber steht aktuell bei etwa 14 Euro je Unze.

    Aus Anlegersicht sei immer wichtig zu wissen, dass Silber an Gold gekoppelt ist, stellte auch Edelmetallmarkt-Analyst Speck klar. „Wenn man sich an diesem Kurs-Band orientiert, dann ist das Risiko einer Silber-Investition im Verhältnis zu einer Gold-Investition nicht höher. Umgekehrt hat Silber die Tendenz, prozentual deutlich stärker zu steigen als Gold. Insgesamt sehe ich bei Silber aber ein deutlich besseres Chancen-Risiko-Verhältnis als bei Gold selbst. Aus dieser Sicht würde ich Silber vorziehen, obwohl Silber natürlich auch andere Nachteile hat.“ Darunter fallen weitere Kosten wie die Umsatzsteuer, die „zum Teil anfallen“, oder auch die Lagerung des Silbers, die teurer sei. Letztlich könne Silber das Gold niemals schlagen.

    Wohin steuert der Gold-Preis?

    „Jeder Silber-Fan wird jetzt schimpfen“, bemerkte der Frankfurter Finanzanalytiker Stanzl süffisant. „Aber für mich ist Silber immer so ein bisschen ein Hebel-Produkt auf das Gold. Wir haben bei Silber vor ein paar Tagen gesehen, dass es schön nach oben ausgebrochen ist. Alles ganz toll, es sah super aus, als würde es genau so weiterlaufen. Allerdings: Vom Gold ist dieser Ausbruch nach oben nicht bestätigt worden. So rennt man öfters in eine Falle, wenn man nur das Silber im Blick hat. Also: Immer auch dabei auf den Goldpreis achten.“ Der Goldmarkt sei der bei weitem liquidere, auf dem viel stärker gehandelt werde.

    „Ich bin recht positiv zum Goldpreis eingestellt“, verriet Markt-Analytiker Speck im Interview. „Sowohl mittel- als auch langfristig. Langfristig liegt das an der Geld- und Wertaufbewahrungsfunktion des Goldes.“ Damit habe das physische Edelmetall im Vergleich zu Währungen, die in einer „überschuldeten Weltwirtschaft“ durch eine „internationale Überschuldungs-Politik“ der Zentralbanken immer weiter an Wert verlieren, klare Vorteile. „Wenn man das eben beschriebene Szenario hat, dann steigt typischerweise Gold.“ So sei es auch in den 1970ern oder seit 2001 gewesen. „Das waren alles Fälle, wo die Zinsen zu niedrig waren im Vergleich zur Inflationsrate. Wenn dann Gold im Preis fällt – so wie im Zeitraum zwischen 2011 und 2015 – dann geschieht das nur, weil andere Anlageformen sehr gut laufen. Das sind die Aktien gewesen, auch die Immobilien.“ Diese Anlageklassen hätten ihre Hochs bereits hinter sich, wie auch Siegel feststellte. Daher müsste es beim Goldpreis bald eine Bewegung nach oben geben, glaubt Dimitri Speck. Preistreiber seien auch staatliche Zentralbanken. „Diese sind eher auf der Käufer-Seite. Russland kauft beispielsweise recht fleißig.“

    Kurzzeitiger Einbruch im Juni?

    Jedoch sieht der Finanz-Fachmann „für Mitte Juni ein kurzzeitiges Tief des Goldpreises“ voraus. Danach werde der Preis wohl weiter steigen. „Die Grenze von 1350 Dollar halte ich für sehr wichtig. Auch die Entwicklung am Aktienmarkt: Erst wenn hier der Wettbewerb zurückgeht und die Aktien zu fallen beginnen, sehe ich Gold sehr stark steigen.“

    Dimitri Speck gilt als einer der wenigen deutschsprachigen Experten für Manipulationen beim Goldpreis auf den internationalen Märkten. Bereits 2013 beschrieb er in seinem Buch „Geheime Goldpolitik: Warum die Zentralbanken den Goldpreis steuern“, wie manipuliert wird. Sputnik hakte nach, wie es diesbezüglich momentan auf den wichtigen Goldmärkten wie London aussehe. „Der Goldpreis wird weiterhin künstlich gedrückt“, so der Autor. „Allerdings haben sich die Motive und Methoden für die Manipulation geändert.“ So gebe es die von ihm enttarnte Fixing-Manipulation nicht mehr. „Die verbliebene Methode, die Gold-Anleger zu verunsichern, indem man kurzfristig die Goldpreise über die Termin-Märkte drückt, kann den Goldpreis nicht dauerhaft drücken. Insofern wird diese Art der Drückung den langfristigen Anstieg des Goldpreises nicht verhindern.“

    Die Interviews mit Martin Siegel (Stabilitas Fonds) und Jochen Stanzl (CMC Markets):

    Das Interview mit Dimitri Speck (Buchautor: „Geheime Goldpolitik“, 2013):

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