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    Tesla Model S im Werk Fremont (Archivfoto)

    Kein Aprilscherz mehr: Bankrott von Tesla früher als erwartet

    © REUTERS / Noah Berger/File Photo GLOBAL BUSINESS WEEK AHEAD
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    Natalja Dembinskaja
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    Mit dem Bankrott des von Elon Musk gegründeten Elektroautokonzerns Tesla rechnen die Analysten zum Jahresende, doch der US-amerikanische Hersteller riskiert, noch früher aus dem Rennen geworfen zu werden.

    Nach Abschluss des ersten Quartals hat sein Unternehmen Verluste in Rekordhöhe zu verbuchen – 710 Millionen Dollar. Nach der Veröffentlichung des Quartalsberichts sind seine Aktien um sieben Prozent gefallen, die Kapitalisierung – um fast 3,5 Milliarden Dollar. Die Produktion des Wagens Tesla Model 3, die das Unternehmen in ein Plus führen sollte, hat die Erwartungen nicht erfüllt.

    Elon Musk bei der Tesla-Präsentation (Archivbild)
    © AP Photo / Marcio Jose Sanchez

    Ehrgeizige Pläne

    Die gegenwärtigen Einbußen sind die größten in der Tesla-Geschichte, die übrigens nie gewinnbringend gewesen ist. Die  superteuren Elektro-Sportmobile Tesla Roadster, Tesla Model S und Tesla Model X sind ein weit von der Rentabilität entferntes Nischenprodukt. Dennoch hatten die Aktionäre an dieses ambitiöse kalifornischen Startup geglaubt und Milliarden Dollar investiert.

    Tesla Roadster

    Musk versicherte den Aktionären, sie bräuchten nicht mehr lange zu warten. Er werde ein Auto schaffen, dass den Massenmarkt erobern und dem Unternehmen Gewinn bringen werde. Dies sollte der Wagen Tesla Model 3 zum Preis von 35.000 Dollar werden, dessen Serienfertigung im Juli 2017 gestartet war. 

    Tesla Model 3, das wohl für alle erschwinglichste „Auto der Zukunft“, war die gewiss am meisten erwartete Neuheit in der Geschichte der Automobilindustrie. Schon ein halbes Jahr vor Produktionsstart hatte es fast eine halbe Million Vorbestellungen gesammelt – wer es erwerben wollte, hatte als Sicherheitsleistung eintausend Dollar angezahlt, wobei sich die Warteschlange auf über anderthalb Jahre erstreckte.

    Auf der Welle der hohen Erwartungen hatte Tesla hinsichtlich des Marktpreises solch bewährte und erfolgreiche Akteure des globalen Automarktes wie die US-Konzerne Ford und General Motors übertrumpft. Der Tesla-Chef hatte versprochen, bis Ende 2017 etwa 20.000 Fahrzeuge Model 3 auf den Markt zu bringen.

    Produktionspläne scheitern

    Aber nicht alles lief so wie vorgesehen. Die Finanz- und Produktionspläne versetzten die Investoren in Schrecken: Im Jahr 2017 hatte das Unternehmen Einbußen in Höhe von 2,2 Milliarden Dollar hinnehmen müssen, und es waren lediglich 360 Fahrzeuge vom Fließband gelaufen.

    Tesla Motors Model 3

    Wie Musk erläuterte, soll es unvorhersehbare Probleme bei der Montage der Akku-Module gegeben haben. Allerdings versprach er, alles in kürzester Frist zu beheben und bereits im ersten Quartal 2018 die Produktion von Model 3 auf 3.000  bis 5.000 Wagen pro Woche zu steigern. Aber schon damals wiesen Experten darauf hin, dass dies unmöglich zu erreichen sei.

    Der Tesla-Gründer klagt über die übermäßige Automatisierung der Model-3-Fertigungslinie in Fremont (US-Bundesstaat Kalifornien). Um die Produktionsprozesse zu verbessern, hat das Unternehmen das Fließband im April gestoppt – bereits zum zweiten Mal seit Jahresanfang.

     „Die Pause ist notwendig zur Vervollkommnung der automatisierten Systeme und zur Beseitigung der Engpässe, um das Produktionsvolumen zu erhöhen“, hieß es bei Tesla.

    Produktionshölle

    Wie Musk ausführte, habe die übermäßige Automatisierung im Tesla-Werk zu einer „Produktionshölle“ geführt: zu einer kritischen Verlangsamung der Montage eines Wagens für den Massenmarkt.

    „Wir hatten dieses irre, komplizierte Netz von Fließbändern …. Und es hat nicht funktioniert“, gab der Tesla-Gründer in einem Interview mit CBS zu.

    Ausschnitt aus dem Sci-Fi-Film Terminator
    © Sputnik / Sony Pictures Releasing CIS
    Beobachter sind der Ansicht, dass das Unternehmen die Inbetriebnahme der Fertigungslinie in ihrem Bestreben, möglichst schnell auf den Markt zu kommen, übereilt habe. Daher auch die Probleme, was kaum erstaunlich sei. Im Unterschied zu den traditionellen Autoherstellern wie Toyota und General Motors, die auf eine jahrzehntelange Erfahrung zurückblicken können, ist Tesla unfähig, seine Modelle ebenso effektiv auf den Markt zu bringen.

    Maschine zum Geld-Verbraten

    Im Jahr 2017 hatte Tesla pro Minute etwa 8.000 Dollar ausgegeben, d.h. fast eine halbe Million Dollar pro Stunde.

    Bei einem derartigen Tempo würde dem Unternehmen um zwei Uhr nachts am 6. August 2018 das Geld ausgehen, wie Analysten der Agentur Bloomberg im vergangenen Herbst ausgerechnet hatten. Nun scheint dieser Tag X noch viel näher gerückt zu sein.

    Musk lässt dennoch den Mut nicht sinken. Er betont, dass das Unternehmen einen wesentlichen Fortschritt erzielt habe: Im April seien jede Woche 2.000 bis 3.000 Wagen Model 3 vom Band gelaufen. Und sollte diese Zahl bis auf 5.000 gesteigert werden, so könne bereits im dritten oder vierten Quartal Gewinn erzielt werden.

    Tesla Roadster 2
    © REUTERS / Tesla/Handout
    Aber diesen Versprechungen glaubt kaum noch jemand: Das Unternehmen gibt Geld mit ungeheuerlicher Geschwindigkeit aus – allein im vergangenen Quartal sollen 745 Millionen Dollar „verbraten“ worden sein.

    Am 1. April hatte Musk auf Twitter Tesla im Scherz für bankrott erklärt, indem er meinte, dass selbst der Verkauf von Ostereiern das Unternehmen nicht mehr werde retten können. Allerdings riskiert dieser Scherz, sich als prophetisch zu erweisen.

    Die gegenwärtige  Größenordnung der Verluste und das Tempo, mit welchem Geld „verbraten“ wird, lässt die Analysten daran zweifeln, ob das Unternehmen seine Rechnungen wird bezahlen können, ohne neue Anleihen in Anspruch zu nehmen oder zu einer nächsten Runde des Aktienverkaufs zu schreiten.

    Mittel von Investoren heranzuziehen, wird immer schwieriger – keiner glaubt mehr an die Perspektiven des Unternehmens. „Wenn die Leute wegen der Schwankungen besorgt sind, brauchen sie zweifellos unsere Aktien nicht zu kaufen“, sagte der verärgerte Tesla-Gründer bei einer Konferenz mit Analysten nach der Publikation des Quartalsberichts.

    Ende April hatten die zwei großen Ratingagenturen Moody’s  und S&P die Tesla-Schuldverpflichtungen auf das Ramschniveau herabgestuft und sie als „hoch spekulativ“ charakterisiert. Wie es bei Moody’s hieß, benötige das Unternehmen mindestens vier Milliarden Dollar „für die Fortsetzung seiner laufenden Tätigkeit, für Kapitalkosten und den Schuldendienst“. Dieses Geld fehlt jedoch.

    Der Beitrag erschien zuerst auf Russisch auf ria.ru.

     

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    Tags:
    Tesla, Tesla, Elon Musk, USA
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