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23:45 16 Oktober 2019
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    Flughafen in China (Symbolbild)

    Hoffnung auf Ende des Handelskonflikts USA-China – und die Frage nach dem Gewinner

    © REUTERS / Carlos Barria
    Wirtschaft
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    Nachdem die USA und China Fortschritte bei ihren Handelsgesprächen gemeldet haben, indem sie vorerst keine neuen gegenseitigen Strafzölle einführen wollen, beschäftigen sich russische Experten mit den Zwischenergebnissen. Welches der beiden Länder hat im Konflikt die Nase vorne?

    Alexander Danilzew, Direktor des Instituts für Handelspolitik der in Moskau ansässigen Higher School of Economics, schreibt in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Iswestija“ im Hinblick auf die Zwischenergebnisse der amerikanisch-chinesischen Handelsgespräche: „Die Erhöhung von Zöllen ist zumindest aufgeschoben – dank der Vereinbarung über eine Reduzierung des Handelsungleichgewichts zwischen den USA und China (…) Der US-Export nach China soll zunehmen – laut einigen Informationen um 200 Milliarden US-Dollar.“

    Danilzew kommentiert: „Die USA und China sind seit mehr als 20 Jahren aktive Handelspartner. Im Jahr 2017 machte China mehr als 20 Prozent des US-Imports aus (…) Für China sind die USA eine Quelle moderner technischer Lösungen. Also brauchen die Partner einander sehr und sind ein klassisches Beispiel für eine Nutzung von Vorteilen aus der internationalen Arbeitsteilung.“

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    All dies beseitige zwar nicht die bestehenden Widersprüche, schaffe aber eine Grundlage für die Suche nach gegenseitig nutzbringenden Lösungen: „Angesichts seiner Abhängigkeit von Exportmärkten ist China wie kaum jemand sonst an einer nachhaltigen Fortbewegung der Weltwirtschaft interessiert. Offensichtlich begreift man dort gut, dass jegliche Konflikte unter Beteiligung solcher großen Wirtschaften wie China und Amerika das globale Wirtschaftswachstum gefährden würden.“

    Laut Danilzew werden die beiden Länder vermutlich einen Kompromiss erzielen: „Im Ergebnis werden die USA ihre Positionen auf dem chinesischen Markt festigen, während chinesische Unternehmen die Möglichkeit bekommen, für eine Festigung ihrer Positionen auf Drittmärkten amerikanische Technologien breiter zu nutzen, ohne dabei allerdings zu vergessen, Gewinne mit US-Rechtsinhabern zu teilen. Bei der Nutzung von Ressourcen der USA und Chinas wird es zu einer Optimierung kommen, von der die beiden Länder im Rahmen der Weltwirtschaft profitieren könnten.“

    Alexander Duschkin, Experte der russischen Finanzfirma Meschdunarodny Fond Tschastnych Inwestizij, sieht eher Vorteile für die USA. Er sagte dem Radiosender BFM: „China ist gezwungen, sich mit Washingtons Forderungen abzufinden, denn die gegenwärtige US-Administration kennt sich in Wirtschaft und Business deutlich besser aus als die vorige. Die Vorgänger waren Politiker, während Trump vor allem ein Geschäftsmann ist. Er begreift gut, wie viel die Chinesen an den USA verdienen und wie wichtig dies derzeit für die USA ist. Aus diesem Grund kommt China ihnen entgegen. Mehr noch: Im Allgemeinen hatte China darauf zugesteuert, sich der Welt zu öffnen, deshalb entspricht dies momentan gewissermaßen den Interessen von China selbst. Hauptsächlich ist dies aber natürlich für die US-Interessen förderlich.“

    Stanislaw Maschagin, Geschäftsführer der Investitions-Partnerschaft Van Der Black, sagte gegenüber BFM: „Für China ist das derzeit politisch ein guter Zwischensieg, glaube ich (…) Die Versprechen, verschiedene Waren im Gesamtwert von 200 Milliarden Dollar zu kaufen, sind vorerst eine Absicht (…) Die Aufhebung von Restriktionen bzw. das Ausbleiben neuer Restriktionen gegen Zwischenhändler, gegen Waren aus China ist indes jetzt wichtig. Und China hat jetzt zwischenzeitlich gewonnen.“

    US-Finanzminister Steven Mnuchin hatte jüngst bei Fox News von „sehr wesentlichen Fortschritten“ in den Verhandlungen mit China gesprochen und mitgeteilt, es sei vereinbart worden, die Einführung von Zöllen auszusetzen. Kurz zuvor hatte auch der chinesische Vizepremier Liu He laut Xinhua nach seinen Gesprächen in Washington gesagt, China und die USA hätten sich darauf verständigt, keinen Handelskrieg zu führen und die Verhängung gegenseitiger Zölle zu stoppen.

    Im März hatten die USA neue Importzölle auf Stahl und Aluminium verhängt – zu den betroffenen Ländern zählte auch China. Im Gegenzug beschloss die Regierung in Peking Strafzölle auf eine Reihe von US-Waren, darunter Schweinefleisch und Obst. Später stellten die USA massive Strafzölle auf eine Palette von Hightech-Waren aus China in Aussicht. Chinesische Amtsträger warnten die Vereinigten Staaten vor protektionistischen Schritten und versprachen, bei Bedarf Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

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    Zölle, Handelsstreit, Ende, Partner, Import, Steven Mnuchin, USA, China