14:27 13 Dezember 2018
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    Produktion des Bosch-Konzerns (Symbolbild)

    25 Jahre in Russland: Bosch wieder im Plus - EXKLUSIV

    © AFP 2018 / THOMAS KIENZLE
    Wirtschaft
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    Natalia Pawlowa
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    Der Umsatz der Bosch-Gruppe in Russland hat im Geschäftsjahr 2017 insgesamt 1,2 Milliarden Euro betragen – 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Russland ist einer der wichtigsten Märkte für den Konzern. Hansjürgen Overstolz, Präsident von Bosch in Russland, zieht im Sputnik-Interview Bilanz.

    Die Lokalisierung der Produktion bleibt ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs der Bosch-Gruppe in Russland. Mehr als die Hälfte aller hergestellten Produkte werden in europäische Länder exportiert. „Dies unterstreicht die hohe Produktqualität in russischen Werken“, so Overstolz.

    Von Anfang an hat sich Bosch nicht nur am Verkauf von Fertigprodukten orientiert, sondern auch an der Herstellung eigener Produkte in Russland. Heute ist Bosch hier mit sieben Werken vertreten. In der Stadt Engels (Gebiet Saratow) hat Bosch vier Produktionsstätten. Zwei Drittel der Produkte aus dem Werk zur Herstellung von Zündkerzen mit 70 Millionen Stück gehen nach Europa. Im Werk in Samara werden 1,2 Millionen Antiblockiersysteme ABS und elektronische Stabilitätsprogramme ESP für Autos hergestellt, 50 Prozent davon werden exportiert. „Die Produktion in Samara wurde im Juli 2015, im Hochlauf der Krise, trotzdem eröffnet. Darin verstehen wir langfristiges Commitment“, sagt Overstolz.

    25 Jahre der Bosch-Gruppe in Russland
    © Foto : Natalia Pawlowa
    25 Jahre der Bosch-Gruppe in Russland

    Die Bosch-Gruppe plant, im Jahr 2018 die Gewinne um zwei bis drei Prozent zu steigern. “Wir erwarten weiteres Wachstum, wenn sich die politische Situation stabilisiert.“ Laut Wirtschaftsforschern sind deutsche Unternehmen am stärksten von den Sanktionen gegen Russland betroffen. In Beantwortung der Frage, ob auch Bosch die Auswirkung der Sanktionen spüre und was unternommen werde, um eigene wirtschaftliche Interessen zu schützen, sagte der Bosch-Geschäftsführer:

    „Die Sanktionsfrage ist eine wichtige Frage. Wir können betroffen sein. Natürlich machen wir Umsatz mit Gas Group, und Gas Group ist auf der SDN-Liste (Specially Designated Nationals List). Wenn sich das bestätigen würde, wären wir betroffen. Die Interventionen auf politischer Ebene sind sehr wichtig. Sowohl in Deutschland als auch auf der europäischen Ebene gegenüber den USA setzen wir sehr auf die Zusammenarbeit mit der Botschaft des Landes, mit der AHK (Deutsch-Russische Auslandshandelskammer) und mit der AEB (Assoziation des europäischen Business in Russland). Es gibt einen Schulterschluss zwischen dem RSPP (Verband der Industriellen und Unternehmer Russlands), dem Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft. Das nenne ich Zusammenwirken. Auch die Presseerklärung von Präsident Putin nach dem Besuch von Angela Merkel (in Sotschi am 18. 05. 2018) ist ermutigend, weil er bestätigt hat, dass wir da sorgfältig nachdenken sollen, um nicht der Wirtschaft sowohl Russlands als auch der Ausländer Schaden zuzufügen.“

    >>Mehr zum Thema: E&Y: Deutschland nicht mehr größter Wirtschaftspartner Russlands

    Laut Hansjürgen Overstolz vertritt heute jede Seite auf dem Weltmarkt ihre eigenen Interessen: die Amerikaner, die Europäer, die Russen. Man müsse im Dialog zu einem Ergebnis kommen. In seiner Einschätzung der Beziehungen zwischen Westeuropa und Russland einerseits und den USA andererseits machte Overstolz einen Exkurs in die Geschichte:

    „Im 9. Jahrhundert wurde im Westen das Ostfränkische Reich gegründet, im 10. Jahrhundert das Römische Reich. Zur gleichen Zeit wurde die Kiewer Rus gegründet, und Wladimir der Heilige führte das Land zum orthodoxen Glauben. Es gab schon zu der Zeit vielfältige diplomatische Beziehungen, Verträge, Beistandspakte. Wann wurde Amerika gegründet? Wir haben ein ganz anderes geschichtliches Fundament zwischen unseren Ländern. Wenn wir die Kommunikation finden, wenn wir mit der richtigen inneren Einstellung darangehen, wenn wir das breite historische Fundament ernst nehmen, können wir zur Lösung kommen.“

    Das Bussines-Viertel Moskwa-City
    © Sputnik / Ewgenia Nowoschenina
    Ein wesentliches Ergebnis der 25-jährigen Tätigkeit von Bosch in Russland sieht Hansjürgen Overstolz in der Kontinuität: „Wir spüren, dass wir akzeptiert, dass wir etabliert auf dem russischen Markt sind.“

    In Wirklichkeit kamen Bosch-Produkte 1904 in Russland auf. Zum Motto der deutschen Firma wurden die Worte von Robert Bosch, dem Gründer des Unternehmens, aus dem Jahr 1919: „Lieber Geld verlieren als Vertrauen.“

    „In Wirklichkeit geht es um den Wert seiner Waren, die Integrität seiner Versprechung und sein Ehrenwort. Es hat sich daran nichts geändert, das ist das größte Kapital bei Bosch“, erläutert Hansjürgen Overstolz.

    Hansjürgen Overstolz leitet seit dem 1. Februar 2016 die Bosch-Gruppe in Russland, der Ukraine, Weißrussland, Zentralasien, der Mongolei und im Kaukasus. Zudem ist er Präsident und Geschäftsführer von Robert Bosch OOO in Russland und Robert Bosch Ltd. Georgia.

    Das international führende Technologie- und Dienstleistungsunternehmen bietet in Russland Heizung und Kühlung, Sicherheitstechnik, Elektrowerkzeuge, BSH-Hausgeräte aus eigener Produktion an.

    >>Mehr zum Thema: So antwortet Russland auf Trumps Handelskrieg

    25 Jahre der Bosch-Gruppe in Russland
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    Produktion, Dialog, Investitionen, Sanktionen, Deutschland, Russland