16:43 25 September 2018
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    Angela Merkel (l.) und der chinesische Premier Li Keqiang in Berlin

    „China ist nicht die Zukunft, China ist schon die Gegenwart“ Ex-BDI-Präsident Henkel

    © AFP 2018 / Tobias Schwarz
    Wirtschaft
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    Matthias Witte
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    China bietet den USA bei den Strafzöllen die Stirn. Auf der anderen Seite wirbt Peking in Deutschland für engere Zusammenarbeit. Wie soll die deutsche Wirtschaft reagieren? Die Schotten dicht machen? Für Ex-BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel ist die Antwort klar.

    „Es ist schon eine seltsame Situation, dass sich China und Deutschland gegenüber den Vereinigten Staaten zum Vorreiter für den Freihandel machen müssen“, sagt Henkel, der für die liberal-konservativen Reformer (LKR) im Europaparlament sitzt. Aber die Annäherung an China sei im Moment die richtige Strategie.

    Vorbehalte wie der heutige BDI-Präsident, der erklärte, China betreibe eine protektionistische Wirtschaftspolitik und wolle in fremde Märkte eindringen, den eigenen Markt aber gegen ausländische Unternehmen abschotten, hat Henkel nicht. Er gesteht zwar: „Bei den Urheberrechten halten die Chinesen sich wahrscheinlich nicht an die Regeln. Und unbestritten ist, dass die beim Stahl ‚dumpen‘ – das heißt, die WTO-Regeln verletzen. Aber ebenso unbestritten ist, dass man bei der World Trade Organisation dagegen vorgehen kann.“

    Bloß nicht „die Schotten dichtmachen“

    Henkel hält es für grundlegend falsch, „die Schotten dicht zu machen“ und chinesischen Investoren den Weg nach Europa zu erschweren: „Wir sollten uns darauf konzentrieren, dass die Chinesen ihrerseits ‚die Schotten wieder öffnen‘ für noch mehr Handel mit uns und noch leichtere Investitionen mit den Deutschen. Denn China ist nicht nur die Zukunft, sondern schon die Gegenwart.“ Es gebe eine Reihe von Branchen, in denen China bereits der größte Abnehmer ist. Etwa für die Autoindustrie.

    US-Präsident Donald Trump (L) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (Archiv)
    © AP Photo / Pablo Martinez Monsivais

    Die Wirtschaftspolitik von Donald Trump, der mit seinen Strafzöllen auf viele Nicht-US-Waren einen Handelskrieg gegen die ganze Welt verursacht hat, bleibt für Henkel ein Rätsel: „Es gibt die eine Möglichkeit, dass der US-Präsident großen Wert darauf legt, anderen Völkern und deren politischen Führern Überraschungen zu bereiten. Da ist er sehr erfolgreich. Die andere Möglichkeit ist, dass er tatsächlich eine Strategie hat. Dass er jetzt die EU, China, Mexiko und Kanada angreift und am Schluss alle auf eine Idee kommen, die vielleicht gar nicht so schlecht ist: Lasst uns die Zölle weltweit auf null reduzieren. Dann hätte er mit dieser verrückten Strategie etwas erreicht.“ Henkel ist allerdings skeptisch, ob Trump dieses Ziel tatsächlich verfolgt.

    Das komplette Interview mit Hans-Olaf Henkel hören Sie hier:

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    Tags:
    Zölle, Stahl, Wirtschaftskrieg, Protektionismus, Handelskrieg, Strafzölle, Import, Export, Autoindustrie, Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), WTO, EU, Hans-Olaf Henkel, Donald Trump, Mexiko, Deutschland, Kanada, USA, China, Europa