12:51 17 November 2018
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    Diesel-Betankung

    Aus für billigen Dieselkraftstoff? – „Mehrheit bezahlt für Minderheit“

    © AFP 2018 / DPA/ Marijan Murat
    Wirtschaft
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    Marcel Joppa
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    Immer weniger Privatpersonen nutzen ein Diesel-Fahrzeug. Zu den größten Kunden von Diesel-Pkw gehören dagegen staatliche Behörden und Unternehmen. Der renommierte Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer fordert deshalb, die steuerlichen Subventionen für Dieselkraftstoff abzuschaffen. Das würde gleich mehrere grundlegende Vorteile mit sich bringen.

    Der Dieselkraftstoff an deutschen Tankstellen ist nur deshalb günstiger, weil er staatlich subventioniert wird. Man bezahlt also auf normales Benzin höhere Steuern. Nun könnte aber auch der Diesel teurer werden – zumindest wenn es nach dem Automobilexperten Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen geht.

    Firmen profitieren – noch

    Sein Institut hat ausgerechnet, dass nur rund jeder fünfte Kunde eines Neuwagens mittlerweile ein Diesel-Fahrzeug wähle. Die größte Kundengruppe seien dabei staatliche Behörden und Unternehmen, die die Fahrzeuge als Dienstwagen nutzen. Durch die staatlichen Vergünstigungen des Dieselkraftstoffes würden dem Finanzminister laut Dudenhöffer außerdem rund 8 Milliarden Euro jährlich entgehen:

    „Jetzt sehen wir, dass immer weniger Privatkunden Diesel fahren. Also bezahlt der Rest der Republik die Diesel-Subventionen überwiegend für die Firmenwagen. Firmenwagen sind zu fast 60 Prozent mit Diesel ausgestattet.“

    Deshalb sei sinnvoll, möglichst bald über eine Abschaffung dieser staatlichen Subventionen nachzudenken.

    Im Ausland bereits Praxis

    Aber würde die Wirtschaft und vor allem die Automobilbranche nicht Sturm laufen, sollten die Subventionen des Dieselkraftstoffs ein Ende haben? Dudenhöffer winkt ab:

    „In der Schweiz, in England und Amerika existiert diese Subventions-Praxis gar nicht. In Ländern wie Frankreich schafft man es aktuell Stück für Stück ab. Das würden die Firmen in Deutschland auch erkennen, denn die Last der Firmen wäre nicht so, dass sie morgen Insolvenz anmelden müssten.“

    Demnach wäre die Mehrbelastung durch teureren Dieselkraftstoff für Unternehmen kaum spürbar.

    Diesel auf absteigendem Ast

    Generell habe der Diesel ausgedient, glaubt der Experte. Autobauer wie Volvo lassen ihre Diesel-Modelle auslaufen, auch Toyota habe sich von der Diesel-Technologie distanziert. Der Diesel tue sich generell sehr schwer:

    „Millionen von Autofahrern sind extrem demotiviert dadurch, dass ihre Dieselfahrzeuge an Wert verloren haben, dass wir bald in Stuttgart ein flächendeckendes Diesel-Fahrverbot haben, dass wir in Hamburg ein Fahrverbot haben, dass noch mehr Diesel-Fahrverbote kommen werden.“

    Außerdem hole der Benziner in der Beliebtheit der Käufer stark auf. Vor allem neue Hybrid-Technologien, die den Kraftstoffverbrauch deutlich drosseln, seien auf dem Vormarsch. Auch für die Elektromobilität seien die Diesel-Subventionen laut Dudenhöffer reines Gift, denn sie würden die Bevölkerung davon abhalten, über die Anschaffung eines Elektroautos nachzudenken.

    Jeder Euro für Deutschlands Straßen

    Dudenhöffer spricht sich dafür aus, die Steuervorteile für den Dieselkraftstoff in Deutschland innerhalb eines Jahres abzuschaffen. Das vom Staat dann eingesparte Geld sei an anderer Stelle besser aufgehoben:

    „Wenn wir sehen, wie heute unsere Infrastruktur zum Beispiel im Straßennetz aussieht, dann brauchen wir jeden Euro, um in die Stabilität dieser Infrastruktur zu investieren. Deshalb wäre es richtig, wenn die Diesel-Fahrer auch einen Beitrag – so wie die Benziner – für die Infrastruktur leisten würden.“

    Die Infrastruktur sei das, was ein Auto spannend mache. Ohne Infrastruktur sei das Auto langweilig. Man dürfe nicht an falscher Stelle sparen und Subventionen aufrechterhalten, die wirklich völlig sinnlos seien.

    Das Interview mit Prof. Ferdinand Dudenhöffer zum Nachhören:

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    Tags:
    Benzinpreise, Dieselgate, Autoindustrie, Diesel, Straßenbau, Benzin, Ölpreis, Auto, Volvo, Toyota, Ferdinand Dudenhöffer, Deutschland, Frankreich