08:06 22 August 2018
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    Schutz vor US-Stahl: Werden Zölle zum Bumerang für die EU?

    © AP Photo / Martin Meissner
    Wirtschaft
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    Alexander Boos
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    Die von der Europäischen Union verhängten Zölle auf US-Stahl- und Aluminiumprodukte könnten negative Folgen für die deutsche und europäische Wirtschaft haben. Zu diesem Ergebnis kommt das „Ifo“-Wirtschaftsinstitut in München. Das sei auch „schlecht für Verbraucher“. Die deutsche Stahl-Industrie indes begrüßt die Brüsseler Entscheidung.

    Die von der Europäischen Union (EU) geplanten Schutzzölle auf ausländische Stahl- und Aluminiumprodukte sind aus Sicht des „Ifo“-Wirtschaftsinstituts eine kontraproduktive Maßnahme, die der EU-Wirtschaft sowie dem Welthandel insgesamt schadet. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung der Münchner Forschungseinrichtung hervor, die der Redaktion vorliegt.

    Als Antwort auf Importzölle, die Washington auf EU-Stahl- und Aluminiumprodukte erhoben hat, führe Brüssel nun ebenfalls Sonderabgaben auf Stahl ein. Das teilte die EU-Kommission am Mittwoch mit. Damit solle die Industrie in den EU-Mitgliedsstaaten vor einer „Stahlschwemme“ geschützt werden, wie die Tagesschau berichtet. Im Mai hatte die US-Regierung beschlossen, auf Stahlprodukte aus der EU zusätzliche Zölle in Höhe von 25 Prozent und auf Aluminium zehn Prozent zu erheben.

    „Leidtragende sind die Verbraucher“

    „Leidtragende sind die stahlverbrauchenden Industrien und die Verbraucher, weil die Schutzzölle die Stahl- und Aluminiumpreise in die Höhe treiben“, erklärte Gabriel Felbermayr, Leiter des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft. „Die EU-Schutzzölle sind keineswegs Ausdruck ökonomischer Vernunft, sondern der Lobbystärke der Stahlbranche. Sie richten mehr Schaden an als Nutzen.“

    Speziell im Stahlbereich gebe es bereits eine Reihe von Maßnahmen, um die europäische Industrie vor Billigstahl aus dem Nicht-EU-Raum zu schützen. Die EU sollte weiter daran arbeiten, gemeinsam mit den anderen Stahlproduzenten die globalen Überkapazitäten abzubauen. Das wäre ein konsequenter Schritt, so das Institut.

    Schwächung von WTO und „Anti-Trump-Allianz“

    Brüssel argumentiert, durch die neuen Zölle den EU-Wirtschaftsraum vor einer „Importflut von Stahlprodukten“ schützen zu wollen. „Das Argument lässt sich mit aktuellen Zahlen nicht belegen“, so das „Ifo-Institut“. „Weder die Mengen noch die Importwerte der von Trump mit Zöllen belegten Produkte haben sich im Vergleich zu vergleichbaren Produkten auffällig entwickelt.“ Es sei auch kein systematischer Preisverfall bei Stahl- und Aliminium-Importen zu erkennen.

    Zudem schwäche die EU „die WTO und die Anti-Trump-Allianz mit diesen Schutzzöllen. Gleichzeitig provoziert die EU, dass auch andere Länder Schutzzölle nach derselben Argumentation erlassen. Es käme zu einer de facto Renationalisierung des globalen Stahl- und Aluminiumhandels.“ Die Folge könnte eine in Gang gesetzte „Zoll-Spirale“ sein, unter der dann alle Volkswirtschaften zu leiden hätten. Zu dieser Einschätzung kommt das renommierte Wirtschaftsinstitut.

    Deutsche Stahl-Industrie warnt

    Die „Wirtschaftsvereinigung Stahl“ hält nach Medienberichten die Sorge vor einer „Stahlschwemme“ für begründet: Ihren Angaben zufolge sei der Importdruck von Stahl in die EU seit Jahresbeginn massiv angestiegen. Die Wirtschaftsvereinigung mit Sitz in Düsseldorf ist der wirtschaftspolitische Verband der Stahlindustrie in Deutschland.

    „Die US-Zölle auf Stahlprodukte verursachen eine Umlenkung der Handelsströme, die europäischen Stahlproduzenten und Arbeitern ernsthaften Schaden zufügen könnte.“

    Mit diesen Worten begründete EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström am Mittwoch gegenüber Medien Brüssels Entscheidung. Der Zusatzzoll von 25 Prozent greife erst dann, wenn Stahl-Importe die Durchschnittsmenge der vergangenen drei Jahre übersteigen. Bei den Schutzzöllen handle es sich um „vorläufige Maßnahmen“, die maximal für 200 Tage gelten. Danach müssten die Zölle offiziell verlängert werden.

    Aktuell kostet eine Tonne Stahl aus US-amerikanischer Produktion umgerechnet etwa 860 Euro auf dem Weltmarkt. Der 25-prozentige Strafzoll auf importierten US-Stahl würde den Preis entsprechend auf rund 1075 Euro hochtreiben.

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    Tags:
    Freihandelszone, Welthandel, Stahl, US-Zölle, Zölle, WTO, EU, Cecilia Malmström, Donald Trump, Gabriel Felbermayr, Brüssel, Washington, USA