20:58 24 September 2018
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    Chevron-Raffinerie in Kalifornien (Archivbild)

    Nothing personal, just business: US-Ölfirmen verteidigen Russland

    © AP Photo / Paul Sakuma
    Wirtschaft
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    US-amerikanische Ölkonzerne haben eine große Kampagne gestartet, um den Kongress zum Verzicht auf die weitere Verschärfung der Russland-Sanktionen zu überreden.

    Warum ExxonMobil, Shell und Chevron plötzlich Moskau unterstützen, welche Verluste US-Unternehmen wegen der politisch bedingten Wirtschaftssanktionen zu beklagen haben und warum diese ineffizient sind, erklärt Sputnik in diesem Beitrag.

    Diffuse Zweifel

    Als Vorwand für die mögliche neue Verschärfung der Russland-Sanktionen gilt die angebliche „russische Einmischung“ in die US-Präsidentschaftswahl 2016. Zum ersten Mal wurden diese Vorwürfe gegen Moskau noch Mitte Februar zum Ausdruck gebracht, und seitdem kann sich die Administration Donald Trumps offenbar immer noch nicht entscheiden, ob es sinnvoll wäre, weiterhin darauf zu bestehen, dass Russland die Wahlergebnisse beeinflusst haben könnte.

    So sagte Trump bei seinem Treffen mit dem russischen Amtskollegen Wladimir Putin am 16. Juli in Helsinki, er habe keinen Grund, seinem Gegenüber nicht zu glauben, Moskau hätte sich in die Präsidentschaftswahl in Amerika nicht eingemischt. Aber nur einen Tag später sagte er, er hätte sich versprochen und habe keinen Grund, den Schlussfolgerungen seiner Geheimdienste nicht zu glauben.

    Nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press wurde Trump nach seiner Heimkehr „überredet“, seine Worte in Helsinki zurückzunehmen. In Washington soll deswegen eine spezielle Beratung stattgefunden haben. Besonders aktiv redeten sein Sicherheitsberater John Bolton, der Stabschef des Weißen Hauses, John F. Kelly, und sein Vize Mike Pence auf ihn ein. Dennoch sagte Trump am 23. Juli erneut, die Behauptungen, Russland hätte sich in die US-Präsidentschaftswahl eingemischt, seien nichts als „Erfindungen“.

    Egal wie, aber in den Kongress wurde inzwischen der so genannte DETER Act eingebracht, ein Gesetzentwurf zur Verteidigung der US-Wahlen gegen die Einmischung von außen her. Um die mögliche „Einmischung“ in die bis Ende dieses Jahres geplante „Halbzeitwahl“ zu verhindern, wollen die Abgeordneten die Sanktionen wieder verschärfen. Dabei haben sie es eilig: Das Gesetz sollte vor dem möglichen zweiten Treffen Trumps mit Putin verabschiedet werden, sagte der Senator Lindsey Graham.

    Annehmbare Verluste?

    In Washington hat man nachgezählt, dass Russland wegen seiner Sanktionen Milliarden Dollar verloren hat. 

    „Nach unserer Einschätzung konnten wir Transaktionen für mehr als drei Milliarden Dollar stoppen. Das war eben die Strafe. Das sind die Mittel, die der russische Haushalt nicht einnehmen konnte“, betonte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert.

    Allerdings verschweigen die Amerikaner die Verluste ihrer eigenen Ölbranche, und US-Energiekonzerne schlagen inzwischen Alarm. Sie wollen den Kongressmitgliedern erklären, dass die Russland-Sanktionen vor allem amerikanische Unternehmen ungerecht „bestrafen“, denn sie müssen diverse Projekte in Russland aufgeben, die am Ende von Konzernen aus anderen Ländern umgesetzt werden.

    Laut Analysten der Website Oilprice.com muss ExxonMobil die größten Verluste tragen. Schon Anfang 2015, also sieben Monate nach den ersten Sanktionen, verlor der Konzern nahezu eine Milliarde Dollar. Und 2018 mussten die Amerikaner aus mehreren Projekten mit dem russischen staatlichen Unternehmen Rosneft aussteigen. Die damit verbundenen Verluste schätzte ExxonMobil auf 200 Millionen Dollar.

    Die amerikanischen Ölproduzenten hatten schon im vorigen Jahr ihre Besorgnisse über den wachsenden Druck Washingtons auf Moskau geäußert. Nach Einschätzung russischer Experten wird die US-amerikanische Öl- und Gasbranche zwischen 2017 und 2020 mindestens 100 Milliarden Dollar vermissen.

    Ziel wurde doch nicht erreicht

    Im Allgemeinen sind auch amerikanische Branchenkenner mit dieser Einschätzung einverstanden. „Die Sanktionen werden langfristig Folgen für eine ganze Reihe von US-Unternehmen und ganze Branchen haben. Sie werden den Interessen der USA schaden, während Russland profitieren wird“, findet der Exekutivdirektor des  American Petroleum Institute, Jack Gerard.

    Dieser Auffassung zeigt sich auch das „Wall Street Journal“: Die Zeitung stellte öfter fest, dass die 2014 verhängten Restriktionen der russischen Wirtschaft nicht besonders stark geschadet hätten.

    2016 und 2017 förderte Russland elf Millionen Barrel Öl pro Tag (ein Rekord), und in diesem Jahr wird diese Zahl laut der entsprechenden OPEC-Prognose 11,04 Millionen erreichen.

    Laut Experten der Internationalen Energieagentur (IEA) wird die Ölförderung in Russland voraussichtlich ihren Höhepunkt erreichen. Dann sei aber ein gewisser Rückgang möglich, „falls russische Unternehmen keine Technologien und keine Finanzierung für die nächste Generation von Projekten bekommen können“.

    Aber vorerst haben die von Washington verhängten Sanktionen ihr wichtigstes Ziel – den Russen den Zugang zu den neuesten Technologien zu blockieren – nicht erreicht. Über solche Technologien verfügen nämlich die europäischen Partner Russlands: So beteiligt sich der italienische Konzern ENI an der Erschließung im Schwarzen Meer im Rahmen eines Joint Ventures mit Rosneft. Und die Franzosen von Total beteiligen sich nach wie vor an einem LNG-Projekt auf der Halbinsel Jamal.

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    Tags:
    Appell, Lobbyismus, Verbot, Erweiterung, Aufhebung, Wirtschaft, Unternehmen, Ölförderung, Sanktionen, US-Außenministerium, US-State Department, Weißes Haus, US-Administration, Chevron, Shell, ExxonMobil, Heather Nauert, Wladimir Putin, Donald Trump, Helsinki, Russland, USA