16:10 24 September 2018
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    Wladimir Putin besucht die Fabrik in Ural, bei der die Röhre für die Gaspipeline Nord Stream 2 hergestellt werden (Archivbild)

    Warum die Deutschen Nord Stream 2 pragmatisch sehen – Experte

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    Zwei Drittel der Deutschen befürworten den Bau von Nord Stream 2, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa ergab. Der Energieexperte Nikolai Chrenkow äußerte im Radiosender Sputnik, woran sich seiner Meinung nach die Einwohner Deutschlands bei dieser Frage orientieren.

    Zwei Drittel der Einwohner Deutschlands (66 Prozent) sprechen sich für die Fortsetzung des Baus der Gaspipeline Nord Stream 2 aus. Nur 23 Prozent äußerten sich dagegen. Dabei trauen die meisten Befragten den Äußerungen des US-Präsidenten Donald Trump zum Gaspipeline-Projekt nicht und meinen, er wünsche sich, US-Flüssiggas nach Europa zu bringen. Das zeigen die Ergebnisse einer Forsa-Umfrage für die TV-Sender RTL/n-tv.

    Die Befürworter des Projekts meinen, dass die Pipeline die Gaslieferungen nach Deutschland sicherer und zuverlässiger machen können. Laut den Gegnern wird seine Umsetzung zu einer stärkeren Abhängigkeit von Russland führen.

    Doch die meisten Befragten (84 Prozent) stimmen der Äußerung des US-Präsidenten Donald Trump nicht zu, wonach Deutschland von Russland via Gaslieferungen vollständig kontrolliert werde. Nur zehn Prozent teilen die Meinung des Staatschefs der Vereinigten Staaten.

    Die meisten Deutschen (92 Prozent) misstrauen den Bemerkungen Trumps zu Nord Stream 2. Sie meinen, dass er vor allem daran interessiert sei, amerikanisches Flüssiggas auf dem europäischen und deutschen Markt durchzusetzen.

    Die Umfrage wurde am 19. und 20. Juli durchgeführt. Insgesamt nahmen 1004 Personen teil, die Fehlerquote liegt bei drei Prozentpunkten.

    Der unabhängige Energieexperte Nikolai Chrenkow nahm im Radiosender Sputnik zu den Umfrageergebnissen Stellung.

    „Die Deutschen sind ein pragmatisches Volk. Deswegen verstehen sie den Wert des russischen Gases für Deutschland sehr gut. Zumal die Lieferungen nach Deutschland fast seit mehr als 35 Jahren erfolgen, sie waren immer stabil. Die Deutschen wissen dies zu schätzen. Sie können ja auch erneuerbare Energiequellen entwickeln – Windräder, Solaranlagen. Doch man darf nicht vergessen, dass Gas auch zur Beheizung der Häuser genutzt wird. Der größte Anteil von Gas, das nach Deutschland kommt, fließt eben in die Heizung. Deswegen verstehen die Deutschen sehr gut, dass sie unabhängig von der Entwicklung alternativer Energiequellen unbedingt Gas brauchen“, sagte Chrenkow.

    Der Experte äußerte sich auch zu den Umfrageergebnissen bezüglich der Äußerungen Trumps zu Nord Stream 2.

    „Was die Verkündigungen Donald Trumps betrifft: Das Verhältnis zu den USA und zu Trump persönlich ist gelinde gesagt nicht das Beste in vielen EU-Ländern, darunter Deutschland. Das hängt  mit mehreren Aspekten zusammen, die nichts mit Energie zu tun haben. Deswegen sorgt sein aufdringliches Streben, eigene Energieträger anzubieten, natürlich nicht für Zuspruch unter den Deutschen. Wozu dieser Kampf? Es gibt stabile Gaslieferungen, mögen sie weiter fließen. Mir scheint, so denken die meisten Deutschen“, sagte der Experte.

    Das Nord-Stream-2-Projekt sieht den Bau von zwei Strängen mit einer Gesamtkapazität von 55 Milliarden Kubikmeter Gas von der russischen Küste über die Ostsee bis nach Deutschland vor. Die neue Pipeline soll neben der existierenden Nord-Stream-1-Pipeline gebaut werden.

    Die USA erklärten mehrmals, sie seien gegen das Nord-Stream-2-Projekt. US-Präsident Donald Trump äußerte, Deutschland werde durch die Gaslieferungen von Russland vollständig kontrolliert. Zudem zeigte er sich damit unzufrieden, dass Deutschland Milliarden für russisches Gas ausgibt.

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    Tags:
    Gas, Konkurrenz, Kritik, Stellung, Baustopp, Bau, Gaspipeline, Gaslieferungen, Nord Stream 2, EU, Gazprom, Angela Merkel, Donald Trump, USA, Ostsee, Europa, Deutschland, Russland