17:06 20 August 2018
SNA Radio
    Pfandflaschen (Symbolbild)

    Unternehmen gegen Rentenpaket: Flaschensammeln statt Rentenplus?

    CC0
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    Paul Linke
    301777

    Für die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände sind die Renten-Pläne von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil eine „Hiobsbotschaft“. Die 75 Milliarden Euro Mehrausgaben sollen die Beitrags- und Steuerzahler schultern. Der Sozialverband Deutschland warnt dagegen vor dem „Angstschüren“ der Arbeitgeber und vor Altersarmut.

    Die vorgelegten Rentenpläne seien teuer und kurzsichtig, erklärt der Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer in seiner in seiner Pressemitteilung: „Sie bedeuten nicht nur milliardenschwere Zusatzbelastungen für die gesetzliche Rentenversicherung, sondern erschweren zudem noch ihre langfristige Finanzierbarkeit. Allein bis 2030 würden die im Gesetzentwurf vorgesehenen Maßnahmen zu Mehrausgaben von über 75 Milliarden Euro für die gesetzliche Rentenversicherung führen. Davon werden rund 65 Milliarden Euro die Beitragszahler und der Steuerzahler rund 10 Milliarden Euro schultern müssen.“ Beides zusammen sei gerade für die junge Generation, die Kinder und Enkelkinder, „eine Hiobsbotschaft und eine schwere Hypothek für Wachstum und Beschäftigung“, so Kramer.

    Furcht vor Fehlentscheidungen

    Bestätigt werden seine Bedenken durch die Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (IWH). Statt kurzfristig teure Mehrausgaben zu beschließen, sollte die Bundesregierung die langfristige Finanzierbarkeit der Sozialsysteme in den Blick nehmen und dafür sorgen, dass die Sozialversicherungsbeiträge auch dauerhaft unter 40 Prozent bleiben, fordert Arbeitgeberpräsident Kramer. Zudem befürchtet er „Fehlentscheidungen“, weil die neugegründete Rentenkommission ihren ersten Bericht 2020 vorlegen soll – also erst, nachdem die Rentenreform in Kraft treten soll. „Werden das Rentenniveau bei 48 Prozent fixiert und darüber hinaus die Mütterrente aufgestockt, die Gleitzone für Geringverdiener ausgeweitet und Verbesserungen für Erwerbsgeminderte eingeführt, liegen die Bundeszuschüsse an die allgemeine Rentenversicherung 2025 bei ungefähr 95 Milliarden Euro und 2030 bei knapp 160 Milliarden Euro“, so die Autoren der IWH-Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

    „Angstmacherei der Arbeitgeber“

    Die Renten-Pläne begrüßt dagegen der Sozialverband Deutschland (SoVD).

    „Die Punkte sind für uns sehr wichtige und gute Aspekte. In erster Linie die Stabilisierung des Rentenniveaus auf 48 Prozent. Davon geht eine Signalwirkung aus. Damit zieht Hubertus Heil auch das Vertrauen in die gesetzliche Rente, die damit gestärkt werden kann“, erklärt der Sozialpolitische Referent für den Bereich Rente im SoVD-Bundesverband, Vedran Kundacina, im Sputnik-Interview. „Also an sich ein guter Anfang“, so der SoVD-Experte.

    Mit den Zahlen, die die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) nennt, sollen in erster Linie Ängste geschürt werden, betont Kundacina. Diese Berechnungen könne er nicht nachvollziehen, erklärt der SoVD-Experte. Sie würden aber darauf hindeuten, „was in der Vergangenheit an Summen bei Rentnerinnen und Rentnern eingespart wurde zum Beispiel durch die Niveauabsenkung in der Rente und dadurch, dass sie nicht partizipiert haben, so wie es die Rentenpolitik vor 2001 vorgesehen hat“.

    Wieviel ist eine gute Rente wert?

    „Rentenreformen kosten nun mal Geld“, erinnert Kundacina. Dass diese den Beitrags- und Steuerzahler finanziell belasten werden, glaubt der Renten-Experte zwar nicht. Die Gesellschaft müsse jedoch diskutieren, was ihr eine stabile Alterssicherung wert ist.

    „Möchten wir das damit verbinden, dass Menschen ihren wohlverdienten Ruhestand genießen können? Oder möchten wir uns an Bilder gewöhnen, wo Menschen im Rentenalter arbeiten müssen und vielleicht auch gezwungen sind, wie wir das hier in Berlin oftmals sehen, Flaschen zu sammeln?“

    Um höhere Beiträge von den Arbeitnehmern fernzuhalten, schlägt Kundacina vor, den Kreis der Versicherten zu erweitern. „Das nennt sich Erwerbstätigenversicherung und meint perspektivisch die Einbeziehung der Selbstständigen, von Politikern und Beamten.“ Insgesamt sei das eine Maßnahme, die die gesetzliche Rente weiterentwickeln und stärken würde.

    Das Interview mit Vedran Kundacina (SoVD) zum Nachhören:

    Zum Thema:

    FDP zahlt Rentenbeiträge in Millionenhöhe nicht – Gläubiger gibt nun auf
    „Altersarmut? Alles nur Einbildung!“ – Sagen SZ und „Welt“. Dann muss es ja stimmen.
    Heils „Rentenpakt“ soll neues Vertrauen schaffen – Auf Kosten der Kinder?
    Welle der Altersarmut bedroht „Babyboomer“ – Politische Kurskorrektur gefordert
    Tags:
    Flaschensammeln, Flaschen, Erhöhung, Altersarmut, Rente, Sozialverband Deutschland, Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Hubertus Heil, Ingo Kramer
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren