10:40 14 November 2018
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    LNG-Speichertanks in einem Hafen

    Präsident Trump: Neue LNG-Terminals in Europa – auf Kosten der EU

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    Wirtschaft
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    Armin Siebert
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    Nach der Zusage von EU-Ratspräsident Jean-Claude Juncker, den Import von Flüssiggas aus den USA in die EU „massiv“ zu erhöhen, wird es jetzt konkreter. Auf einer Pressekonferenz sprach US-Präsident von neun bis elf neuen LNG-Terminals, die die EU bereit wäre, auf eigene Kosten zu bauen.

    Die EU-Länder seien bereit, neun bis elf neue Häfen speziell für die Annahme amerikanischen Flüssiggases zu bauen. Das erklärte US-Präsident Donald Trump am Montag auf einer Pressekonferenz im Anschluss an sein Treffen mit dem italienischen Ministerpräsident Giuseppe Conte. Trump sagte: „Wir führen bereits Verhandlungen mit der Europäischen Union über den Bau von neun bis elf Häfen.“

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    Laut Trump soll die EU selbst für den Bau der Terminals aufkommen und nicht die USA. Die Europäer „werden bezahlen, damit wir unser LNG in verschiedene Teile Europas liefern können“, so Trump.

    Vorausgegangen waren Zusagen der EU an die USA. Am 26. Juli kam es bei einem Besuch des EU-Chefs Juncker in Washington überraschend zu einer Einigung im Handelsstreit zwischen der EU und den USA, die Trump auf Twitter als „Durchbruch“ bezeichnete.

    Im Moment sind die Verhandlungsführer der EU und der USA damit beschäftigt, entsprechende Verträge aufzusetzen. Als Schlüsselelemente erwähnten sowohl der amerikanische Präsident als auch der oberste EU-Repräsentant Juncker den Export von Sojabohnen und Flüssiggas aus den USA nach Europa. Die EU verspricht sich im Gegenzug Steuervergünstigen beim Export europäischer Produkte, vor allem Autos, in die USA.

    Im Moment gibt es 26 LNG-Terminals in Europa, die jedoch zu nicht einmal einem Viertel ausgelastet sind. Allerdings sind sich Experten einig, dass der Gasbedarf Europas stark steigen wird. Russland reagiert darauf bereits mit der Gas-Pipeline Nord Stream 2, deren Bau von den USA heftig attackiert und mit Sanktionen bedroht wird. Die EU verspricht sich von dem Ausbau des Flüssiggas-Imports aus anderen Ländern eine Verringerung der Dominanz russischen Erdgases auf dem europäischen Markt und mehr Konkurrenz, die letzten Endes den Gaspreis für die Verbraucher senken könnte.

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    Amerikanisches Flüssiggas spielt im Moment in Europa nur eine verschwindend geringe Rolle. Bisher wird Gas aus den USA nur über Terminals in Lettland und Polen in die EU importiert. Beide Länder subventionieren den Ankauf des im Vergleich zu russischem Erdgas teureren Flüssiggases aus politischen Gründen.

    Wie sich das US-amerikanische Flüssiggas auf dem freien europäischen Markt behaupten soll, ist bisher unklar. Durch die neuen Terminals dürfte sich aber zumindest das Umfeld für das Umschlagen und die Verteilung der Ware in Europa verbessern.

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    Tags:
    Sanktionen, Energie, Bau, Lieferung, Flüssiggas, LNG-Terminal, Nord Stream 2, Jean-Claude Juncker, Donald Trump, Europa, Deutschland, USA, Russland