00:12 19 November 2018
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    Fachkräfte (Symbolbild)

    Per Blue Card in die EU – Deutschland Nummer 1 für ausländische Fachkräfte

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    Wirtschaft
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    Ilona Pfeffer
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    Gute berufliche Perspektiven und attraktive Gehälter: Auch 2018 bleibt Deutschland für hochqualifizierte Spezialisten aus Drittstaaten das mit Abstand beliebteste Land in der EU. Die Fachkräfte kommen per Blue Card vor allem aus Indien, China und Russland. Doch reicht das gegen den Fachkräftemangel?

    Aktuelle Daten des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BaMF) für 2018 zeigen: Deutschland erfreut sich ungebrochener Beliebtheit bei hochspezialisierten Fachkräften aus Drittstaaten. 87 Prozent aller in der EU ausgestellten Blue Cards entfallen auf Deutschland.

    Dabei sind die Hürden für die Fachkräfte relativ hoch. Ein deutscher Hochschulabschluss beziehungsweise ein vergleichbarer Abschluss aus dem Ausland ist Voraussetzung, genauso wie ein konkretes Arbeitsplatzangebot mit einem Mindestgehalt. So müssen sie jährlich mindestens 52.000 Euro verdienen, bei Mangelberufen wie Naturwissenschaftlern, Mathematikern, Ingenieuren, Humanmedizinern und akademischen IT-Fachkräften liegt die Mindestgrenze bei 40.560 Euro. Die Blue Card gilt für ein bis vier Jahre, es besteht auch die Möglichkeit, nach 21 bis 33 Monaten einen dauerhaften Aufenthaltstitel zu beantragen.

    Sie kommen aus Indien, China und Russland

    Wie auch im Vorjahr sind im ersten Quartal 2018 die meisten hochqualifizierten Fachkräfte per Blue Card aus Indien gekommen (13.854). Auf Platz zwei rangiert China mit 4790 Blue-Card-Inhabern. Platz drei ging im ersten Quartal 2018 an Russland mit 3706 hochqualifizierten Spezialisten. Dahinter kommen die USA (2708) und die Türkei (2325).

    Die Erhebungen des BaMF zeigen auch: Die meisten sind gekommen, um zu bleiben. Von den 28.000 früheren Inhabern der Blue Card hielten sich im Juni 2018 über 90 Prozent mit einem anderen Aufenthaltstitel in Deutschland auf, davon die meisten mit einem unbefristeten Aufenthaltstitel.

    „Deutschland wird für Inder attraktiv bleiben“

    Einer der vielen hochqualifizierten indischen Spezialisten, die sich derzeit mit einer Blue Card in Deutschland aufhalten, ist Dinesh Jangid. Der 29-jährige Ingenieur aus Bangalore ist vor fast drei Jahren nach Deutschland gekommen. Sein Fachgebiet ist Robotik. Für indische Spezialisten biete Deutschland sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten und ökonomische Perspektiven, sagt Jangid. Außerdem sei auch die politische Stabilität hierzulande etwas, das Deutschland für ausländische Fachkräfte attraktiv mache, erzählt er. Die attraktivsten Betätigungsfelder für indische Fachkräfte seien Ingenieurwissenschaften und IT. Er selbst sei hergekommen, um seinen Master-Abschluss als Ingenieur zu machen.

    Trotz der Konkurrenz sei es für Jangid kein Problem gewesen, die Blue Card zu bekommen, er musste nur einen Monat warten. Er selbst möchte angesichts der Möglichkeiten, die Deutschland bietet, gern länger hier bleiben. „Ich denke, Deutschland wird für indische Spezialisten noch lange attraktiv bleiben“, so der Ingenieur.

    Blue Card auch für Pflegekräfte und Handwerker?

    Mit hochqualifizierten Spezialisten allein ist Deutschlands Fachkräftemangel nicht beizukommen. Allein in der Pflege bleiben derzeit 36.000 Stellen unbesetzt. Laut einem Bericht des „Merkur“ überlegt deshalb Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), ausländischen Pflegekräften zu ermöglichen, für ein halbes Jahr nach Deutschland zu kommen, um sich hier eine Arbeitsstelle zu suchen. „Sollte ihnen das nicht gelingen, müssen sie nach Ablauf der Zeit wieder zurück. Der Bezug von Sozialleistungen muss natürlich ausgeschlossen sein“, so Heil.

    Angela Merkel setzt wiederum auf das Modell der Arbeitsmigranten aus dem westlichen Balkan. Für diese gilt: Der Arbeitsvertrag ist Voraussetzung für eine Aufenthaltserlaubnis. Innenminister Horst Seehofer (CSU) wünscht sich vom neuen Einwanderungsgesetz, dass auch Handwerker, Bäcker und Metzger berücksichtigt werden, denn Deutschland brauche vor allem Praktiker.

    20 Millionen Menschen in Deutschland haben Migrationshintergrund

    Deutschland ist ein Einwanderungsland. Mit 23,6 Prozent bestand fast ein Viertel der Bevölkerung 2017 aus Menschen mit Migrationshintergrund. Dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes über Personen in Privathaushalten lässt sich außerdem entnehmen: Etwas mehr als die Hälfte dieser 19,3 Millionen besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft. Die größte Gruppe unter den Personen mit Migrationshintergrund bilden die Türken (14 Prozent). Dahinter liegen Menschen mit polnischen (elf Prozent) und russischen (sieben Prozent) Wurzeln. Gezählt wurden außerdem etwa 0,7 Millionen Syrer, aber nur, sofern sie in Privathaushalten leben.

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    Tags:
    Arbeitsmarkt, Blue Card, Migrationshintergrund, Arbeitsmigration, Migration, Türkei, USA, Polen, Deutschland, Indien, Russland, China