03:12 17 Dezember 2018
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    Digitalisierung (Symbolbild)

    Digitale Industrie 4.0: Berlin boomt – „Südwesten stark, Osten hinkt hinterher“

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    Wirtschaft
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    Alexander Boos
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    Die Berliner Job-Plattform „Joblift“ hat festgestellt, dass „Unternehmen verstärkt nach Fachkräften in der Digitalisierung und der Industrie 4.0 suchen.“ Es gebe nun rund 13.000 neue Stellen in diesem Bereich. Laura Jentsch von „Joblift“ erklärt die Hintergründe und verrät Sputnik: „Berlin entwickelt momentan eine starke Digital-Industrie.“

    Etwa 12.300 neue Stellen sind in den letzten zwei Jahren in deutschen Unternehmen im Bereich der Digitalisierung entstanden. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung der Berliner Jobbörse „Joblift“ hervor. „Rein prozentual liegen Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg ganz vorn, allein in Bayern entstehen 20 Prozent der neuen digitalen Jobs“, sagte Laura Jentsch, PR-Beauftragte der Berliner Job-Plattform, gegenüber Sputnik. Jobtechnisch gesehen sei der Süden und der Südwesten immer stark. „Auch bei der Digitalisierung scheinen die Unternehmen im Südwesten erstmal die Nase vorn zu haben.“

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    Hessen folge auf Platz vier. „Danach kommt schon Berlin mit immerhin fast zehn Prozent der Stellen. Momentan entwickelt sich eine starke Digital-Industrie in Berlin und vielleicht verschiebt das auch den gesamten Stellenmarkt mal Richtung Norden und Osten, so dass nicht nur der Südwesten von diesen Anstiegen profitiert.“ Für die Studie untersuchte die Plattform alle 15 Millionen Stellenanzeigen auf dem deutschen Arbeitsmarkt der letzten 24 Monate. Dabei habe sich die Anzahl der neuen Stellen für Digitalisierungsfachkräfte im letzten Jahr beinahe verdoppelt, wobei fast 60 Prozent der Jobs in Großkonzernen entstanden sind.

    Deutsche Bahn, Siemens & Daimler: Konzerne setzen auf Digitales

    „Um wettbewerbsfähig zu bleiben, haben auch Großunternehmen begriffen, dass man um die Digitalisierung nicht drum herum kommt“, so die „Joblift“-Sprecherin. „Fast zwei Drittel dieser neuen Stellen entstehen in Großkonzernen. Das ist besonders beeindruckend, wenn man sich überlegt, dass nur rund ein Prozent der deutschen Unternehmenslandschaft aus Großkonzernen besteht. Die Großunternehmen in Deutschland sind traditionell vor allem Industrieunternehmen. Sie versuchen nun, intern digitale Strukturen aufzubauen.“

    Der digitale Personalbedarf auf dem deutschen Arbeitsmarkt in der Übersicht.
    © Foto : Joblift (2018)
    Der digitale Personalbedarf auf dem deutschen Arbeitsmarkt in der Übersicht.

    Laut der Studie ist die Deutsche Bahn „auf Platz eins der meistausschreibenden Unternehmen mit drei Prozent der Inserate, gefolgt von Daimler und Siemens mit je zwei Prozent der Stellenangebote. Die größte Nachfrage herrscht dabei in der Fertigungsindustrie (24 Prozent der Stellen), der IT-Branche (19 Prozent) und dem Dienstleistungssektor (15 Prozent).“ Kleinere Unternehmen – darunter fallen Ein-Mann-Betriebe oder kleinere Familienunternehmen – würden 18 Prozent der neuen Digital-Jobs schaffen. Junge Start-Up-Unternehmen, die ohnehin stark auf Digitalisierung setzen, tragen etwa fünf Prozent dazu bei. „Um wettbewerbsfähig zu bleiben, dürften insbesondere produzierende Betriebe an einem beschleunigten Wandel hin zur Industrie 4.0 interessiert sein und verstärkt Fachpersonal in diesem Bereich suchen“, heißt es in der Untersuchung.

    Gründe für den digitalen Wandel

    Bei 15 Millionen Job-Ausschreibungen insgesamt falle „die Zahl der Inserate mit Bezug zum digitalen Wandel demnach vergleichsweise gering aus, hat sich jedoch in den letzten zwölf Monaten mit 87 Prozent Zunahme im Vergleich zum Vorjahreszeitraum beinahe verdoppelt“, so die Studie. Allein bei den IT-Fachkräften hätten sich aktuell die Stellenanzeigen im Vergleich zum Vorjahr fast verdreifacht.

    „Wir glauben, dass die Gründe  für dieses Wachstum vor allem darin liegen, dass die Unternehmen intern versuchen, Expertise aufzubauen“, erklärte Jentsch. „Wenn man sich die Bewegung Richtung Industrie 4.0 anschaut, sieht man, dass grade dort Digitalisierungs-Experten gesucht werden. Ein Viertel aller digitalen Stellen entstehen in der Fertigungsbranche selbst. Man sieht darin, dass die Industrie schon viel weiter ist als andere Branchen.“

    Neue Jobs: Was ist ein CDO?

    Die meistgefragten Digitalisierungs-Experten sind „nach wie vor die Berater (Consultants) und Beraterinnen. Das sind 1700 offene Stellen in den letzten 24 Monaten gewesen. Die Beratung nimmt nach wie vor einen großen Stellenwert ein, was die Transformationsprozesse angeht.“ Auf Platz zwei „sind vor allem IT-Fachkräfte mit Digitalisierungs-Erfahrung gefragt.“ Es gebe aktuell eine Erhöhung der Nachfrage nach diesen Jobs um rund 160 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Die dritte große Gruppe sind Management-Positionen. Auch da gab es einen großen Anstieg. Rund 1000 Stellen sind da ausgeschrieben worden in den letzten 24 Monaten.“

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    Der „Chief Digital Officer“, der auch CDO genannt wird, werde immer gefragter. „Der klassische CDO wird immer mehr gesucht. Vor Februar 2017 waren hier etwa unter 50 Stellen deutschlandweit offen. Seit 17 Monaten haben wir 162 offene Stellen.“ Ein CDO ist sozusagen ein „Technischer Direktor“ oder der IT-Chef eines Unternehmens. Als „Chief Executive Officer“ (CEO) wird im englischsprachigen Raum ein Geschäftsführer bezeichnet.

    Gesucht wird … Sicheres Englisch

    Wer aktuell eine Beschäftigung im Bereich der Digitalisierung und Industrie 4.0 suche, müsse sich auf folgende Anforderungskriterien einstellen. Ganz klar sollte jeder Bewerber ein tiefgehendes „Verständnis digitaler Strukturen, Prozesse und Produkte“ mitbringen, so die Job-Expertin. Abschlüsse seien weniger wichtig. Entscheidend sei, „dass man Berufserfahrung mitbringt und diese auch wirklich nachweisen kann. Auch ganz wichtig: Verhandlungssicheres Englisch.“ Dazu forderten die Unternehmen eine „ausgesprochene Kommunikationsfähigkeit: Dass man gut präsentieren kann, dass man gut im Team zusammenarbeiten kann. Digitale Transformation heißt auch immer, ‚Change Management‘ und der Belegschaft und den Mitarbeitern die Änderungen zu erklären und nahe zu bringen.“

    Der Begriff Digitalisierung kann laut Wirtschaftsinformatiker Oliver Bendel „die digitale Umwandlung und Darstellung bzw. Durchführung von Information und Kommunikation oder die digitale Modifikation von Instrumenten (…) bedeuten.“ Ebenso sei die „digitale Revolution“ mit dem Begriff gemeint. „Nicht zuletzt werden ‚Informationszeitalter‘ und ‚Computerisierung‘ genannt.“

    Das Radio-Interview mit Laura Jentsch (Joblift) zum Nachhören:

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    Industrie 4.0, Digitalisierung, Arbeitsplätze, Unternehmen, Studie, Vergleich, Industrie, Deutsche Bahn, Daimler AG, Siemens, Deutschland