01:35 20 Oktober 2018
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    Bildschirm mit Geldkurs vor einer Bank in Moskau (Archivbild)

    US-Senatoren schicken russischen Rubel auf Talfahrt

    © Sputnik / Archiv/ Natalja Seliwerstowa
    Wirtschaft
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    Sergej Pirogow
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    Der Rubel ist seit zwei Tagen im Abwärtstrend und zum US-Dollar bereits auf Zweijahrestief abgesackt. Vier Jahre nach der Ukraine-Krise steht die russische Wirtschaft erneut vor einer Härteprobe: Die USA setzten mit neuen Sanktionsdrohungen die russische Währung wieder unter Druck. Die Regierung in Moskau und Experten sind jedoch optimistisch.

    Am Mittwoch haben Dollar und Euro jeweils mehr als zwei Prozentpunkte auf 65,5 bzw. 76,1 Rubel zugelegt. Grund dafür war ein Gesetzentwurf, der Sanktionen unter anderem gegen russische Staatsanleihen vorsieht. Das Papier war bereits in der vergangenen Woche von republikanischen Senatoren eingebracht worden. Sein Inhalt wurde jedoch erst am Mittwoch öffentlich bekannt.

    Laut Experten begannen Investoren  damit, russische Papiere abzustoßen. Die Marktteilnehmer haben „etwas verspätet und ziemlich nervös“ auf diesen Entwurf reagiert, kommentierte Alexej Dewjatow, Volkswirt von der Uralsib-Bank.

    Am Donnerstag setzte die Moskauer Börse ihre Talfahrt fort. Der Dollar-Kurs erreichte mitunter 66,7 Rubel und damit den höchsten Stand seit zwei Jahren.

    Auslöser war diesmal die Drohung des US-Außenministeriums, Russland wegen der Giftaffäre um den Ex-Agenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia in Großbritannien zu bestrafen. Beide waren nach britischen Angaben im April in Salisbury vergiftet worden. Die Umstände sind nicht öffentlich bekannt, dennoch machen die USA und ihre Nato-Partner die russische Regierung dafür verantwortlich. Moskau bestreitet, etwas mit dem Anschlag zu tun zu haben, und fordert eine Aufklärung.
    Dennoch wollen die USA ihre Strafmaßnahmen schon am 22. August in Kraft treten lassen.

    Schnelle Erholung

    Doch am Donnerstagnachmittag pendelte sich der Kurs bei 66 Rubel je Dollar ein. Das relativ teure Öl stärkte der russischen Währung den Rücken. Auch Finanzminister Anton Siluanow beschwichtigte die Anleger:

    „Die russische Regierung und die Zentralbank halten die Hand am Puls und verfügen über das notwendige Instrumentarium, um die Finanzstabilität zu gewährleisten. Dieses wird je nach Notwendigkeit eingesetzt.“

    Der Minister räumte ein, dass die neue Sanktionsrhetorik aus Übersee aber auch für Instabilität und hohe Volatilität auf den Entwicklungsmärkten gesorgt hätten. Doch die russische Wirtschaft und die Zahlungsbilanz seien robust wie nie zuvor und resistent sowohl gegen Ölpreisschwankungen als auch gegen wirtschaftliche Restriktionen.

    Auch Experte Wladimir Roschankowski sieht die Zukunft nicht schwarz Die Zentralbank habe mit den Rubel-Dollar-Swap-Geschäften einen bewährten mittelfristigen Hebel in petto, sagte er zur Zeitung expert.ru.

    Abkehr von Dollar möglich

    Experten verweisen darauf, dass auch der Handelskrieg zwischen den USA und China, der zu einem Preissturz am Ölmarkt führen könnte, den Rubel unter Druck setze. Vor diesem Hintergrund könnte Russland seinen Zahlungsverkehr mit China und anderen Partnern auf Nationalwährungen umstellen.

    „Mit den größten Partnern China und Indien wird das schon seit längerem besprochen“, bestätigte Leonid Michelson, Miteigner des größten russischen Petrochemie-Konzerns Sibur und des Gas- und Ölförderers Novatek. Auch arabische Staaten zeigten Interesse daran, in den Nationalwährungen zu verrechnen.

    Mit ihren neuen Restriktionen gegen russische Banken würden die USA „diesen Prozess beschleunigen“, sagte Michelson laut russischen Medien.

    Sergej Pirogow

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    Rubel, USA, Russland