03:35 17 August 2018
SNA Radio
    US-Energieminister Rick Perry vor einer LNG-Förderungsstation

    Europa unter US-Druck: Was ist das Ziel?

    © AP Photo / Cliff Owen
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    Natalia Pawlowa
    171412

    Die Bereitschaft der Europäischen Union, massiv amerikanisches Fracking-Gas zu kaufen und auf eigene Kosten Häfen für seine Aufnahme zu bauen, ist ein Mittel, die Spannungen zwischen der EU und den USA zu dämpfen. Europäische Unternehmen werden das 50 Prozent teurere Gas aus Amerika nicht kaufen, meint DGAP-Experte Dr. Wipperfürth.

    Die amerikanischen Flüssiggaslieferungen seien keine Konkurrenz für das russische Pipelinegas, die USA hätten Deutschland und andere EU-Länder unter Druck setzen wollen, um eigene Ziele zu erreichen, sagte der Energieexperte der Deutschen Gesellschaft für auswertige Politik (DGAP), Christian Wipperfürth, im Gespräch mit Sputnik.

    „Jeder weiß, die USA sind nicht in der Lage, Russland bei den Gaslieferungen zu ersetzen. Das ist ein Faktum. Aber es wird der Eindruck erweckt, um Deutschland unter Druck zu setzen, damit Deutschland in eine defensive Position gerät und den USA in den anderen Fragen entgegenkommt.“

    Die USA wollen LNG an Europa verkaufen, gleichzeitig kaufen sie das Flüssiggas bei Russland. Das sei eine bemerkenswerte Geschichte, so Wipperfürth. Wenn die USA sehr viel mehr liefern könnten, wäre das Gas zu teuer. Das amerikanische Flüssiggas sei zwischen 50 und 60 Prozent teurer als das russische Pipelinegas.

    „Nehmen wir an, die USA wären in der Lage, Russland zu ersetzen. Dann müssen Deutschland und andere mittel- und westeuropäische Länder mehrere Dutzend Milliarden Euro im Jahr mehr zahlen für das Gas. Das werden sie nicht tun. Man kann die europäischen Energieunternehmen nicht zwingen, das 50 Prozent teurere Gas zu kaufen.“

    Der Experte erinnerte daran, dass es die amerikanischen Gasexporte seit 2015 gibt. 2016 haben die USA 500 Millionen Kubikmeter nach Europa geliefert, im vergangenen Jahr waren es drei Milliarden Kubikmeter, also eine große Steigerung um das Sechsfache. Aber das ist nur etwa ein Prozent des Bedarfs. Gazprom (russischer Gaskonzern – Anm. d. Red.) hat 192 Milliarden Kubikmeter geliefert. Da gibt es einen sehr großen Abstand.

    Warum dann das ganze Gerede, warum die vielen Presseartikel, obwohl klar sei, dass die USA auf keinen Fall in der Lage sein werden, russisches Gas zu ersetzen? Die Antwort: „Bestimmte Unternehmen, bestimmte Länder, auch Deutschland hätten unter Druck gesetzt werden sollen, damit sie an andere Stelle Zugeständnisse machen, nicht zuletzt  bei dem ‘Zwei-Prozent-Ziel‘“ (US-Präsident Trump macht Druck auf die Nato-Partner, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben – Anm. d. Red.).

    Die Erklärung des US-Präsidenten, mit Russland um den europäischen Markt zu konkurrieren, bezeichnet Wipperfürth als ‘starke Worte, die keine Substanz haben‘.“ „Auch wenn der amerikanische Export steigt, werden amerikanische Lieferungen die russischen nicht ersetzen können. Sie werden vielleicht Lieferungen aus dem arabischen Raum teilweise verdrängen.“

    Der Wiederstand  einiger europäischer Länder gegen den Bau von North Stream 2 aus Russland nach Europa sei zwecklos, meint der DGAP-Experte zur russischen Energiepolitik.

    „Sie (die Opponenten) werden verlieren, weil sie keine Argumente haben. Für Nord Stream 2 gibt es keine Alternative. Eine Alternative wäre eine Modernisierung der Pipeline durch die Ukraine. Aber das würde zehn Milliarden Dollar kosten – etwa ebenso teuer, wie die neuen Stränge der Ostseepipeline, die jetzt gelegt werden. Und weder ein Staat noch irgendein Energieunternehmen, kein westliches und kein anderes, sind dazu bereit.“

    Das komplette Interview mit Dr. Christian Wipperfürth zum Nachhören:

    Tags:
    LNG, Streit, Druck, Einfluss, Abhängigkeit, Gaslieferungen, Konkurrenz, Nord Stream 2, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), Gazprom, NATO, Dr. Christian Wipperfürth, Donald Trump, Europa, Deutschland, USA, Russland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren